23.06.2020, 13.38 Uhr

Corona-Ausbruch bei Tönnies: Virologe alarmiert! Kommt es zu einer zweiten Corona-Welle?

Ein Virologe rechnet, dass es nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies weitere Fälle geben wird. (Symbolfoto)

Ein Virologe rechnet, dass es nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies weitere Fälle geben wird. (Symbolfoto) Bild: Adobe stock/ evgeniy

Der Corona-Massenausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück hat einen Skandal ausgelöst. Das Ausmaß bereitet einem Virologen große Sorgen und er befürchtet, dass es nicht bei einem lokalen Ausbruch bleibt.

Corona-Ausbruch bei Tönnies! Virologe ist besorgt um neuen Hotspot

Für Friedemann Weber, Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Gießen, sei der Fall eine ganz neue Dimension: "Der aktuelle Ausbruch um das Unternehmen Tönnies herum ist besorgniserregender als der in Heinsberg Anfang des Jahres", sagt er im Gespräch mit dem "Focus" über die aktuelle Situation im Kreis Gütersloh.

Denn aufgrund der kalten Temperaturen, einer erhöhten Aerosol-Last und den katastrophalen Arbeitsbedingungen in der Fleischfabrik herrschten noch bessere Bedingungen für eine Virusübertragung als bei der Karnevalssitzung in Heinsberg Die Mitarbeiter standen dicht beieinander. Dort haben wir ein Geschehen, bei dem das Virus vielfach effizient übertragen worden ist, nicht nur an einem Tag, sondern an vielen. "Das ist eine andere Größenordnung", sagt Friedemann Weber. Auch andere Virologen, wie die Professorin Isabella Eckerlevon der Universität Genf, gehen davon aus, dass schon länger ein "Superspreading"-Event in dem Unternehmen vor sich geht.

Virologe Friedemann Weber befürchtet eine landesweite Infektion

Zusätzlich geht der Virologe Weber von einer großen Dunkelziffer aus. Die sollte so schnell wie möglich erkannt werden. "Wenn man jetzt nicht massiv dagegen vorgeht, wird es kein lokales Geschehen bleiben", sagt Weber. "Man muss alles tun, um das jetzt einzugrenzen." Dazu gehören drastische Mittel, um die Auswirkungen einzudämmen. Denn Corona-Brandherden wie die in Berlin, Göttingen oder in Gütersloh können eine zweite Welle schon viel früher auslösen, meint der Virologe. Deshalb spricht er sich für einen Lockdown aus und rät allen Menschen sich weiterhin an die Hygiene-Vorschriften zu halten. Außerdem fordert er, die Tests auszuweiten, um Infektionsketten zurückzuverfolgen und zu unterbrechen. Jetzt hat Armin Laschet, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen reagiert und einen Lockdown für den Kreis Gütersloh verkündet.So könnte ein deutschlandweites Corona-Desaster verhindert werden.

Coronavirus-News aktuell! Mehr als 1.500 Infizierte im Kreis Gütersloh

Bislang haben sich mehr als 1.500 Menschen im Kreis Gütersloh mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert. 21 Menschen werden derzeit im Krankenhaus behandelt und sechs davon liegen auf der Intensivstation. Insgesamt wurden 6.500 Menschen getestet. In Gütersloh wurden am Wochenende einige Gebiete bereits abgeriegelt.

Auch im benachbarten Kreis Warendorf ist der festgelegte Schwellenwert für Neuinfektionen überschritten worden. Laut Robert-Koch-Institut wurden am Dienstag (Stand Null Uhr) 68,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern für den Kreis Warendorf erfasst. 50 Fälle gelten als Grenze für zusätzliche Schutzmaßnahmen. Warendorfs Landrat Olaf Gericke (CDU) hatte die Neuinfektionen am Montagnachmittag auf die 1243 im Kreisgebiet wohnenden Tönnies-Mitarbeiter zurückgeführt. Sie stehen unter Quarantäne. Ein Lockdown im Kreis sei aber nicht notwendig, da die Infektionen nicht auf die übrige Bevölkerung übergesprungen sei, hatte der Landrat gesagt.

Armin Laschet sieht keinen Grund für Lockdown in ganz NRW

Der Landrat hatte an die Bürger appelliert, "weiterhin vorsichtig zu sein und die bekannten Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten". Zudem würden im Kreis Warendorf auch kostenfreie Corona-Tests ermöglicht, heißt es. Solche Tests seien an zentralen Standorten möglich und die Kosten würden von Tönnies übernommen. 

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bos/news.de/dpa