27.05.2020, 14.56 Uhr

Christian Drosten vs. "Bild"-Zeitung : Kritik an Virologen! So sehr hetzt die "Bild" gegen Forscher

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Die "Bild"-Zeitung wirft Christian Drosten eine "grob falsche" Studie vor. Bild: dpa

Berechtigte Kritik oder schmutzige Kampagne gegen Christian Drosten? Die "Bild"-Zeitung titelte am Montag "Drosten-Studie über ansteckende Kinder grob falsch" und kritisierte damit den Virologen. Das Blatt wirft Drosten vor, "mit seiner wichtigsten Corona-Studie komplett daneben" zu liegen. Um diese Behauptung zu untermauern, bedient sich die "Bild" an Aussagen von "Wissenschaftlern aus mehreren Ländern", die dem Virologen vorwerfen würden, "unsauber gearbeitet zu haben". Diese distanzieren jedoch von dem Bericht.

Christian Drosten vs. "Bild": Zeitung wirft Virologen "grob falsche" Corona-Studie vor

Seit Beginn der Pandemie zählt Christian Drosten zu den Beratern im Kampf gegen das Coronavirus. Gelegentlich äußerte sich der Virologe auch kritisch über die Medien. So warnte er vor Falschinformationen, reißerischen Überschriften und Ärzten, die "irgendeinen Quatsch in die Welt setzen".Nun zieht die "Bild"-Zeitung den Zorn des Wissenschaftlers auf sich. "Interessant: die #Bild plant eine tendenziöse Berichterstattung über unsere Vorpublikation zu Viruslasten und bemüht dabei Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang. Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun", twitterte Drosten und teilte einen Screenshot der "Bild"-Anfrage.

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Indikativ statt Konjunktiv! "Bild" zitiert falsch aus Drosten-Studie

Der Redakteur schreibt, dass man über die Kritik mehrerer Wissenschaftler an einer Charité-Studie, in der untersucht wurde, ob Kinder genauso ansteckend wie Erwachsene seien, berichten wolle. Zum Teil handelt es sich bei den Zitaten jedoch um Reaktionen auf Twitter zur Drosten-Studie.

Im "Bild"-Artikel heißt es: "Star-Virologe Christian Drosten (48) lag mit seiner wichtigsten Corona-Studie komplett daneben." Eine wichtige Aussage wird bei der Berichterstattung jedoch verändert. Aus einem Konjunktiv macht die "Bild" einen Indikativ. "Kinder können genauso ansteckend sein wie Erwachsene", lautet das angebliche Zitat aus der Studie. Doch im AbstractderStudiesteht: "Kinder könnten genauso ansteckend sein, wie Erwachsene."

Wissenschaftler distanzieren sich von Anti-Drosten-Artikel

Mehrere Wissenschaftler, die die "Bild" zitiert, haben sich auf Twitter bereits vom Artikel distanziert. "Ich wusste nichts von der Anfrage der BILD und distanziere mich von dieser Art Menschen unter Druck zu setzen auf's schärfste. Wir können uns mehr glücklich schätzen @c_drosten und sein Team im Wissenschaftsstandort Deutschland zu haben. They saved lifes", schreibt Prof. Dominik Liebl von der Universität Bonn.

"Niemand von #Bild hat mit mir gesprochen, und ich distanziere mich ausdrücklich von dieser Art der Berichterstattung", schreibt Prof. Christoph von der Uni Mannheim. Gegenüber dem "Spiegel" äußerte sich auch der Ökonom Jörg Stoye. Es sei nicht seine Intention gewesen, dass durch seine Kritik die Studie als "grob fahrlässig" eingestuft werde. Die verwendeten Zitate von ihm im "Bild"-Bericht seinen in einen falschen Zusammenhang gebracht worden.

"Ich will nicht Teil einer Anti-Drosten-Kampagne sein. Ich stand und stehe in keinerlei Kontakt zur Bild. Natürlich habe ich höchsten Respekt vor @c_drosten. Deutschland kann froh sein, ihn und sein Team zu haben", twitterte Stoye.

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Drosten-Studie im Peer-Review-Verfahren

Während Christian Drosten überwiegend Zuspruch aus wissenschaftlichen und politischen Reihen bekommt, sehen sich Corona-Kritiker und Verschwörungstheoretiker durch den "Bild"-Artikel bestätigt. Man sollte bei sämtlichen Studien, die aktuell vorab veröffentlicht werden, beachten, dass siemeist noch nicht das Peer-Review-Verfahren durchlaufen haben. Bei dieser Qualitätsprüfung bewerten unabhängige Gutachter, meist Wissenschafter des selben Fachgebiets, die wissenschaftliche Arbeit. Auch die Drosten-Studie zur Viruslast von Kindern hat dieses Verfahren noch nicht durchlaufen. Die "tendenziöse" Berichterstattung der "Bild" ist dadurch mehr als fraglich.

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bua/fka/news.de