23.02.2020, 15.06 Uhr

Hanau-Terror im News-Ticker aktuell: Hanau gedenkt Anschlagsopfer 

Die Stadt Hanau bereitet eine zentrale Trauerfeier für die Anschlagsopfer vor.

Die Stadt Hanau bereitet eine zentrale Trauerfeier für die Anschlagsopfer vor. Bild: dpa

Bei einer Gewalttat im hessischen Hanau hat ein Mann zehn Menschen getötet. Stunden nach dem Verbrechen an zwei unterschiedlichen Tatorten mit neun Toten entdeckte die Polizei die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen in seiner Wohnung in Hanau - dort fanden Spezialkräfte noch eine weitere tote Person - die Mutter des Schützen. Ersten Erkenntnissen nach mordete der Täter, Tobias R. (43), aus rechtsradikalen Motiven.

Alle aktuellen Informationen zur Schießerei in Hanau (Hessen) im News-Ticker

  • Täter erschoss auch sich und seine seine Mutter
  • Tobias R. war wohlschwer psychisch krank
  • Schütze hinterließ rechtes Schreiben
  • Erhöhte Sichheitsmaßnahmen an Moscheen, Bahnhöfen, Flughäfen
  • 2 Opfer aus Auto heraus erschossen

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+++ 22.02.2020: Trauerzug in Hanau im Gedenken an die Anschlagsopfer +++

Mehrere tausend Menschen haben am Sonntag in Hanau der Opfer des mutmaßlich rassistischen Anschlags gedacht. "Wichtig ist für uns, Flagge zu zeigen. Gegen Terror, Fremdenfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus", sagte Mitorganisator Teyfik Oezcan. "Unsere Botschaft lautet: Wir sind Deutschland. Wir gehören zusammen."

Nach ersten Schätzungen der Polizei liefen um die 6000 Menschen vom Tatort Kurt-Schumacher-Platz zum Marktplatz in der Innenstadt. Einige hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie: "Liebe für Alle. Hass für Keinen." Auch türkische Flaggen und Fotos der Getöteten waren zu sehen. Organisiert wurde der Trauerzug von verschiedenen Hanauer Vereinen.

Am Marktplatz sollte am Nachmittag noch eine Kundgebung stattfinden, wo unter anderem der türkische Botschafter Ali Kemal Aydin, Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sowie Vertreter verschiedener Religionen sprechen wollten.

In der Nacht zum Donnerstag hatte nach Ermittlungen der Polizei ein 43 Jahre alter Deutscher in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Der Sportschütze soll auch seine 72 Jahre alte Mutter und dann sich selbst getötet haben. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der mutmaßliche Täter eine rassistische Gesinnung und war psychisch krank.

Bereits am Samstag waren in Hanau rund 6000 Menschen gegen Hetze und Menschenverachtung auf die Straße gegangen. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Cem Özdemir, hatte zusammen mit Vertretern der Kurdischen Gemeinde Deutschlands einen Kranz niedergelegt.

Oberbürgermeister Kaminsky rief zu Besonnenheit im Umgang mit Internet-Quellen zum Anschlag in Hanau auf. Der Ursprung von Spekulationen sei kritisch zu hinterfragen, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Mitteilung. Kaminsky warnte unter anderem vor per Video verbreiteten Verschwörungstheorien.

+++ 22.02.2020: Weitsprung-Weltmeisterin Mihambo verurteilt Gewalttat von Hanau +++

Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo hat die mutmaßlich rassistische Gewalttat von Hanau als "erschreckend" verurteilt und zu mehr Menschlichkeit aufgerufen. "Dass es viele Menschen mit solchen Gesinnungen gibt, gab es auch schon früher. Dass es jetzt mehr ausbricht, ist natürlich schon erschreckend. Ich denke, wir müssen alle mehr an uns selbst arbeiten, glücklichere Menschen zu sein, dann kann man auch andere in Ruhe lassen", sagte die "Sportlerin des Jahres" bei den deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten in Leipzig.

Zu Beginn der Titelkämpfe wurde der Opfer von Hanau mit einer Schweigeminute gedacht. Die rund 3750 Zuschauer in der ausverkauften Leipziger Arena erhoben sich am Samstag von ihren Plätzen. "Hass und Rassismus haben in unserer Gesellschaft keinen Platz", sagte der Hallensprecher.

+++ 22.02.2020: Hanau bereitet zentrale Trauerfeier für Anschlagsopfer vor +++

Hanau plant eine zentrale Trauerfeier der Stadt für die Opfer des mutmaßlich rassistisch motivierten Attentats. Diese werde in Abstimmung mit den Angehörigen sowie den Bundes- und Landesbehörden vorbereitet, teilte die hessische Kommune am Samstag mit. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) berief für Montag eine Sondersitzung des Runden Tischs der Religionen ein. "Wir wollen sichergehen, dass wir immer nach den wirklichen Bedürfnissen der Angehörigen handeln", sagte Kaminsky. "In diesem Rahmen werden wir klären, wie den verschiedenen Bedürfnissen rund um die Trauer Sorge getragen werden kann." Dem Gremium gehören laut Stadt 36 Hanauer Kirchen- und Religionsgemeinschaften an, die sich regelmäßig treffen..

+++ 22.02.2020: Regierung: 30 000 Euro für engste Angehörige der Opfer von Hanau +++

Der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Edgar Franke, hat den Angehörigen der Opfer von Hanau schnelle finanzielle Hilfe zugesagt. "Aus dem Fonds für Härteleistungen können innerhalb von zwei Wochen Soforthilfen ausgezahlt werden. Für Ehepartner, Kinder und Eltern von Getöteten sind das 30 000 Euro, für Geschwister 15 000 Euro", sagte Franke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag). Das könne das schreckliche Leid des Verlusts der eigenen Eltern oder Kinder nicht lindern. "Aber zumindest ist es eine Hilfe für die nötigsten Dinge, die in diesem Moment wichtig sind", fügte er hinzu.

In der Nacht zum Donnerstag hatte ein 43 Jahre alter Deutscher im hessischen Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Anschließend soll der Sportschütze seine 72 Jahre alte Mutter und sich selbst getötet haben.

+++ 21.02.2020: Schweigeminute für Opfer von Hanau in Deutscher Eishockey Liga +++

Auch vor den Spielen der Deutschen Eishockey Liga ist mit einer Schweigeminute der Opfer von Hanau gedacht worden. Vereinzelt habe es zudem «Nazi raus»-Rufe gegeben, teilte ein Sprecher der Adler Mannheim am Freitagabend vor der Partie gegen Düsseldorf mit. "Jede Art von Rassismus und Intoleranz hat in unserer Gesellschaft sowie in unserem Land nichts zu suchen», hatte die DEL zuvor in einer Stellungnahme bekanntgegeben. "Die Deutsche Eishockey Liga und die DEL-Clubs verurteilen diese abscheuliche Tat auf das Schärfste."

Am Mittwochabend hatte ein 43-jähriger Deutscher in Hanau aus mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Motiven neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Außerdem tötete er seine Mutter und sich selbst.

+++ 21.02.2020: Menschen aus Auto erschossen haben +++

Mitarbeiter der Spurensicherung arbeiten in der Nähe von einem Tatort am Heumarkt.

Mitarbeiter der Spurensicherung arbeiten in der Nähe von einem Tatort am Heumarkt. Bild: dpa

Der mutmaßliche Attentäter Tobias R. soll während seiner Fahrt durch Hanau zwei der Todesopfer in ihren Autos erschossen haben. Das sagten Behördenvertreter am Freitag in einer Telefonkonferenz Mitgliedern des Innenausschusses des Bundestages, wie Teilnehmer berichteten. Nicht beantwortet worden sei hingegen die Frage, wann am Mittwochabend der erste Notruf bei der Polizei eingegangen sei.

Wie die Abgeordneten laut Teilnehmern der Besprechung erfuhren, hatte der Attentäter bis 2018 in München zur Untermiete gewohnt. Den Abgeordneten wurde den Angaben zufolge weiter mitgeteilt, Tobias R. sei zuletzt arbeitslos gewesen, habe wenig soziale Kontakte gehabt und bei seinen Eltern gewohnt. Dort sollen zwei Schusswaffen gefunden worden sein, eine Sig Sauer und eine Walther-Kleinkaliberwaffe. Sein Vater habe bislang nicht vernommen werden können. Wann genau die Mutter erschossen wurde, sei noch nicht geklärt.

+++ 21.02.2020: Seehofer will Pychotest für Waffenbesitzer +++

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) fordert nach der Blutnacht in Hanau, dass Waffenbesitzer einem psychologischen Test unterzogen werden. "Wenn jemand einen Waffenschein hat, muss er regelmäßig überprüft werden", sagt Seehofer gegenüber "Bild". Doch bereits bevor ein Waffenschein ausgestellt wird, solle ein entsprechenden Gutachten vorliegen.

+++21.02.2020: Schwangere, Azubi, Bar-Betreiber: DAS sind die Opfer von Tobias R. +++

Nach der schrecklichen Bluttat von Hanau wurden nun erste Details über die Opfer des Todesschützen bekannt.Neun der Opfer haben verschiedenen Berichten zufolge einen Migrationshintergrund. Demnach sollen die Toten türkischer und kurdischer Herkunft sein und die deutsche Staatsbürgerschaft haben.Eines der Opfer soll bulgarischer Abstammung sein. Die Opfer sollen zwischen 21 und 44 Jahren alt sein. Das jüngste Opfer Ferhat U., ein Auszubildender, war gerade einmal 22 Jahre alt. Auch der Betreiber der Shisha-Bar "Midnight" soll sich unter den Opfern befinden. Zudem habe Tobias R. eine 35 Jahre alte Zweifach-Mutter erschossen. Mercedes K. soll zu dem Zeitpunkt schwanger gewesen sein. Sie soll Medienberichten zufolge in einem Kiosk neben einer der Shisha-Bars gearbeitet haben, in denen der Todesschütze um sich schoss. In den sozialen Netzwerken finden sich bereits zahlreiche Bilder und trauernde Beiträge für die Opfer.

Forensiker arbeiten an einem Tatort in Hanau-Kesselstadt an einem Mercedes.

Forensiker arbeiten an einem Tatort in Hanau-Kesselstadt an einem Mercedes. Bild: dpa

+++ 21.02.2020: Generalbundesanwalt bestätigt Kontakt mit mutmaßlichem Täter im November +++

Generalbundesanwalt Peter Frank hat bestätigt, dass die Bundesanwaltschaft schon im vergangenen November Kontakt mit dem mutmaßlichen Attentäter von Hanau hatte. Damals sei bei seiner Behörde eine Anzeige des Mannes eingegangen. Er habe darin Strafanzeige gegen eine unbekannte geheimdienstliche Organisation gestellt und darin zum Ausdruck gebracht, dass es eine übergreifende große Organisation gebe, die vieles beherrsche, "sich in die Gehirne der Menschen einklinkt und dort bestimmte Dinge dann abgreift, um dann das Weltgeschehen zu steuern".

In der Anzeige waren nach Franks Angaben keine rechtsextremistischen oder rassistischen Ausführungen enthalten. Man habe aufgrund dieses Schreibens kein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Auch der Vater des mutmaßlichen Täters sei in der Vergangenheit im Kontakt mit Behörden aufgefallen, durch verschiedene Schreiben, wie Beschwerden. Der Mann sei bei der "Wohnungsöffnung" des mutmaßlichen Täters in der Nacht zum Donnerstag angetroffen worden. Er sei aber kein Beschuldigter des Ermittlungsverfahrens, sondern im Zeugenstatus.

+++ 21.02.2020: Drittligisten setzen Zeichen gegen Hass und Rassismus +++

Die 3. Liga zeigt Hass und Rassismus die Rote Karte. Mit Sondershirts, Trauerflor und Gedenkminute wollen der Deutsche Fußball-Bund und die Vereine der dritthöchsten deutschen Spielklasse an diesem Spieltag ein Zeichen setzen. "Wir stehen zusammen gegen jeden, der unsere Werte angreift", sagte DFB-Präsident Fritz Keller in einer Mitteilung am Freitag.

Der DFB und die 3. Liga reagieren damit auf die mutmaßlich rechtsextreme und rassistische Gewalttat von Hanau am Mittwochabend und auf den Vorfall beim Spiel von Preußen Münster gegen die Würzburger Kickers, als Leroy Kwadwo von einem Zuschauer rassistisch beleidigt worden war.

"Die Aktion zeigt uns allen eindrucksvoll, welche Kraft unser Fußball hat und wie groß der Zusammenhalt der gesamten Fußball-Familie ist", sagte Kwadwo in einer Mitteilung der Würzburger. Er kann beim Spiel gegen Eintracht Braunschweig am Samstag (14.00 Uhr) wegen einer Gelbsperre nicht auflaufen, wird aber im Stadion sein.

"Ich begrüße es sehr, dass die Vereine der 3. Liga und so viele Fans ihre Stimme für die Menschlichkeit und Leroy Kwadwo erheben", sagte der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau. Bei seinen Terminen erlebe er, wie viel Positives im Fußball passiert - für Integration und Vielfalt, gegen Diskriminierung, Hass und Rassismus, sagte Ex-Profi Cacau: "Aber man müsste blind sein, um nicht zu erkennen, dass der Rassismus auch in den Stadien größer geworden ist."

Fast alle Drittligisten, die Schiedsrichter und die Einlaufkinder würden in einheitlichen T-Shirts auflaufen, kündigte der DFB an. Im unmittelbaren Anschluss soll bei allen zehn Spielen eine Gedenkminute für die Opfer von Hanau und deren Angehörige durchgeführt werden. Zudem sollen alle Akteure auf dem Platz Trauerflor tragen.

Das sind die Tatorte in Hanau 

Das sind die Tatorte in Hanau  Bild: (c) dpa-infografik GmbH

+++ 21.02.2020: BKA-Chef Münch: Todesschütze von Hanau war wohl schwer psychisch krank +++

Die Ermittler gehen davon aus, dass der mutmaßliche Todesschütze von Hanau psychisch krank war. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, sprach am Freitag in Berlin auf Grundlage erster Einschätzungen von einer offensichtlich "schweren psychotischen Krankheit". Der 43-Jährige hat nach den bisherigen Ermittlungen neun Menschen und seine Mutter getötet, bevor er sich selbst erschoss.

+++ 21.02.2020: Seehofer löst Sicherheits-Alarm aus+++

Nach dem Anschlag von Hanau hat Bundesinnenminister Horst Seehofer Rechtsextremismus als höchste Sicherheitsbedrohung für Deutschland bezeichnet. "Ich will Ihnen heute mitteilen, dass wir im rechten Bereich eine sehr hohe Gefährdungslage haben für unser Land, für unsere Demokratie, für den Schutz unserer Bevölkerung, und dass von diesem Bereich derzeit die höchste Bedrohung für die Sicherheit in unserem Lande ausgeht", sagte der CSU-Politiker am Freitag in Berlin. Andere Bedrohungslagen, etwa Islamismus oder Reichsbürger, behalte man im Blick. Vergleiche und Relativierungen lehne er ab.

Zu sagen, "aber wir haben doch auch einen Linksextremismus", akzeptiere er "überhaupt nicht", sagte Seehofer. Den gebe es und man bekämpfe ihn auch. Aber man dürfe damit nicht "die Gefährdungslage, die hohe Gefährdungslage durch Antisemitismus, Rechtsextremismus und Terrorismus" relativieren.

Auch die Verantwortung des Täters unter Verweis auf Verwirrtheit zu relativieren, wolle er nicht akzeptieren, sagte Seehofer. "Der rassistische Hintergrund dieser Tat ist aus meiner Sicht vollkommen unbestritten und kann durch nichts relativiert werden." AfD-Fraktionschef Alexander Gauland hatte zuvor Vorwürfe mehrerer Parteien nach einer indirekten Mitverantwortung seiner Partei AfD zurückgewiesen und von einem "offensichtlich völlig geistig verwirrten Täter" gesprochen.

+++ 21.02.2020: Seehofer reagiert mit Schutzmaßnahmen +++

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die Gewalttat von Hanau als rechtsterroristischen Terroranschlag bezeichnet. "Die Tat in Hanau ist eindeutig ein rassistisch motivierter Terroranschlag", sagte er am Freitag in Berlin. Es sei der "dritte rechtsterroristische Anschlag in wenigen Monaten".

"Die Gefährdungslage durch Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus ist in Deutschland sehr hoch", sagte Seehofer weiter. Wegen möglicher Nachahmungstäter, Wut und Emotionalisierung habe er mit den Innenministern der Länder ein konkretes Vorgehen zum Schutz der Bevölkerung abgestimmt. "Wir werden die Polizeipräsenz in ganz Deutschland erhöhen. Wir werden sensible Einrichtungen verstärkt überwachen, insbesondere auch Moscheen." Seehofer kündigte an, dass die Bundespolizei die Länder mit Personal und Sachausstattung unterstützt werde. "Und wir werden eine hohe Präsenz der Bundespolizei an Bahnhöfen, Flughäfen und im grenznahen Raum gewährleisten."

+++ 21.02.2020: SPD-Innenpolitiker: Betroffene rassistischer Gewalt zu oft ignoriert +++

Die Gefühle und Sorgen der Opfer rassistisch motivierter Gewalt werden nach Ansicht des SPD-Innenpolitikers Helge Lindh in Deutschland viel zu wenig beachtet. Mit Blick auf die jüngsten Anschläge rechter Verschwörungstheoretiker sagte der Bundestagsabgeordnete der Deutschen Presse-Agentur: "Wer von Hanau und Halle redet, darf nicht von permanenter Ausgrenzung und Bevormundung der Opfergruppen in den letzten Jahren schweigen."

Denn der verbale und der physische Terror richte sich eben nicht abstrakt gegen "die Demokratie", sondern insbesondere gegen Muslime, Juden, Menschen türkischer, kurdischer und arabischer Herkunft. Diese würden zum Feindbild und "Hassobjekt" gemacht. "Solange wir nicht mit den Augen der Opfer sehen, haben wir nichts verstanden", sagte Lindh.

Der Umstand, dass sich einzelne Täter nicht mit absoluter Sicherheit aufhalten lassen, dürfe nicht davon ablenken, dass "ein rassistisches Dauerrauschen" diese Täter in ihrem Wahnsinn ermutige und bestätige. Die Rhetorik öffentlich bekannter Figuren wie AfD-Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland, AfD-Innenpolitiker Gottfried Curio und dem neu-rechten Verleger Götz Kubitschek sei wie eine Petrischale, in der Hass gezüchtet werde.

+++ 21.02.2020: Hubertus Heil: Opferangehörige bekommen umfassende Unterstützung +++

Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) hat den Angehörigen der Opfer des Anschlags von Hanau eine umfassende Unterstützung zugesagt. "Familie und Freunde der Angehörigen bedürfen jetzt unser aller Solidarität, sie sind ein Teil von uns, und wir werden sie unterstützen, wo wir nur können", sagte Heil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag).

+++ 21.02.2020:Staatspräsident bestätigt: Eines der Todesopfer von Hanau war Rumäne +++

Eines der Todesopfer des mutmaßlich rassistisch motivierten Anschlags von Hanau stammt offenkundig aus Rumänien. Das bestätigte der rumänische Staatspräsident Klaus Iohannis in der Nacht zum Freitag auf Twitter. Er habe mit Bestürzung vom Tod eines rumänischen Staatsbürgers erfahren, schrieb Iohannis, der sich wegen des mehrtägigen EU-Gipfels in Brüssel aufhielt. Rumänischen Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Todesopfer um einen 23 Jahre alten Mann.

+++ 21.02.2020:Experte: Rechtsextremismus in Hessen nicht überdurchschnittlich stark +++

Hessen ist nach der Einschätzung eines Experten trotz mehrerer aufsehenerregender Gewalttaten nicht rechtsextremer als andere Bundesländer. "Man kann zwar sagen "schon wieder Hessen", aber das ist jetzt nicht unbedingt etwas strukturell Spezifisches", sagte der Extremismus-Experte Reiner Becker von der Universität Marburg der Deutschen Presse-Agentur. Aber: Es könne selbstverständlich ein subjektives Empfinden geben, dass Hessen ein größeres Problem mit Rechtsextremismus hat als anderswo. Becker leitet das Demokratiezentrum Hessen, das unter anderem Präventionsarbeit betreibt.

"Man braucht ja nur die Chronologie durchzugehen seit dem Mord an Walter Lübcke, dem Mordversuch an einem jungen Eritreer in Wächtersbach", sagte Becker. Diesen Mittwoch erschoss ein 43-jähriger Deutscher in Hanau bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag neun Menschen, später tötete er wohl noch seine Mutter und sich selbst.

Seit vergangenem Sommer geriet Hessen wegen mehrerer Bluttaten in die Schlagzeilen, die einen rassistischen oder mutmaßlich rechtsextremen Hintergrund haben: Im Juni 2019 wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke auf der Terrasse seines Wohnhauses im nordhessischen Wolfhagen erschossen. Der Generalbundesanwalt geht bei dem mutmaßlichen Täter Stephan E. von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Im Juli feuerte ein Deutscher in Wächtersbach (Main-Kinzig-Kreis) aus rassistischen Motiven Schüsse auf einen Eritreer ab und verletzte diesen schwer.

+++ 21.02.2020:Rechtsextremismusforscher: Polarisierung geht nach Hanau weiter +++

Der Leipziger Rechtsextremismusforscher Oliver Decker sieht nach dem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag im hessischen Hanau die Gesellschaft in der Verantwortung. Mögliche Bedrohungen müssten ernst genommen werden, sagte der Wissenschaftler von der Universität Leipzig der Deutschen Presse-Agentur.

"Die AfD ist für die Zuspitzung des gesellschaftlichen Diskurses, für die Zunahme von Konflikt und Aggression im politischen Diskurs verantwortlich", sagte Decker. Gleichzeitig seien Hass und Rassismus auch immer wieder von Vertretern anderer Parteien bedient worden, betonte der Rechtsextremismusforscher. Mit Blick auf die scharfen Reaktionen vieler Parteien in Richtung AfD sagte er: Die Partei werde die Vorwürfe wohl nutzen, "um sich als Opfer zu suggerieren".

Die Reaktionen auf den Anschlag in Hanau deuteten insgesamt darauf hin, dass die gesellschaftliche Polarisierung anhalte und keine Reflexion stattfinde. Dabei ist nach Einschätzung Deckers eben diese notwendig: "Auf Dauer hilft nur eine Veränderung in den Köpfen der Menschen und die Reflexion rassistischer Vorurteile und Ressentiments." Zudem müsste die Perspektive der Opfer beachtet und ernstgenommen werden, sagte der Wissenschaftler.

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