09.01.2020, 16.14 Uhr

Mordfall Leonie (6) vor Gericht: Stiefvater zu lebenslanger Haft verurteilt

Der Stiefvater der kleinen Leonie beim Kindsmord-Prozess

Der Stiefvater der kleinen Leonie beim Kindsmord-Prozess Bild: dpa/Bernd Wüstneck

Knapp ein Jahr nach dem Tod der sechsjährigen Leonie ist der Stiefvater des Mädchens am Landgericht Neubrandenburg zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Ein Jahr zuvor hatte er das Kind so brutal misshandelt, dass es seinen Verletzungen erlag.

Leonie-Prozess: Schulmädchen brutal zu Tode geprügelt

Der Stiefvater der kleinen Leonie muss lebenslang ins Gefängnis. Das entschied das Landesgericht Neubrandenburg und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Am 12. Januar 2019 war die kleine Leonie tot in der Wohnung der Familie in Torgelow in Vorpommern gefunden worden. Auch ihr zweijähriger Bruder war misshandelt worden.

Urteil eindeutig: Leonie (6) starb an Mord durch Unterlassen

Das Landgericht sprach den 28-jährigen Angeklagten des Mordes durch Unterlassen, der Körperverletzung mit Todesfolge sowie der Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig. Laut der Version des Stiefvaters, die aus einer vor Gericht verlesenen schriftlichen Erklärung hervorging, zog sich die Kleine die tödlichen Verletzungen bei einem Treppensturz zu. Dem folgte das Gericht nicht.

Stiefvater hatte Leonie jahrelang misshandelt

Eine Rechtsmedizinerin hatte festgestellt, dass die schwere Kopfverletzung samt Hirnblutung nicht mit einem Treppensturz erklärbar sei. Leonie musste schon längere Zeit misshandelt worden sein.

Bestrafung des Mädchens mit Metallteil verursachte die tödlichen Verletzungen

Zu den tödlichen Kopfverletzungen sei es vermutlich gekommen, als der Stiefvater das Kind bestrafen wollte, weil es seine Mutter beim Einkaufen begleiten wollte, statt mit dem Mann in der Wohnung zu bleiben. Mit ihrem Puppenwagen im Schlepptau machte sich die kleine Leonie auf den Weg. Im Treppenhaus stürzte ihr Puppenwagen ab, woraufhin der Stiefvater mit einem Sicherungsbügel mehrfach auf den Kopf des Kindes einschlug. Leonies DNA-Spuren an dem Bügel ließen die Vermittler darauf schließen, dass es sich dabei um die Tatwaffe der Misshandlung gehandelt haben muss.

Schwurgericht folgt Forderung der Staatsanwaltschaft

Mit dem Urteil folgte die Schwurgerichtskammer der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine lebenslange Haftstrafe verlangt und ihre Forderung vor allem auf Angaben von Leonies Mutter gestützt. Diese hatte vor Gericht von einer "Spirale der Gewalt" durch den Lebensgefährten gesprochen. Sie habe früher Hilfe holen wollen, sei von ihrem Partner aber gehindert worden.

Mitbeteiligung der Mutter? Beweislage unklar

Die Verteidigung hatte bis zuletzt darauf bestanden, dass es wirklich einen Treppensturz des Mädchens gegeben und dieser den Tod verursacht habe. Wer dem Mädchen die Verletzungen zugefügt habe, sei nicht nachweisbar. Die Aussagen der Mutter hielten die Anwälte für unglaubwürdig. Einen konkreten Strafantrag hatte Verteidiger Bernd Raitor aber nicht gestellt.

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sig/news.de/dpa
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