03.01.2020, 09.16 Uhr

Flammen-Inferno im Zoo Krefeld: Mehr als 30 Tiere tot durch Rauchgasvergiftung - 3 Krefelderinnen als Brandauslöser verdächtig

Bei einem Feuer im Krefelder Zoo sind in der Silvesternacht alle Tiere im Affenhaus verendet.

Bei einem Feuer im Krefelder Zoo sind in der Silvesternacht alle Tiere im Affenhaus verendet. Bild: David Young / picture alliance / dpa

Bei einem der schwersten Zoo-Unglücke der vergangenen Jahrzehnte ist in der Nacht zu Neujahr in Krefeld das Affenhaus ausgebrannt. Mehr als 30 Tiere starben, darunter auch viele Menschenaffen. In den Flammen seien fünf Orang-Utans, zwei Flachland-Gorillas, ein Schimpanse und etliche kleinere Affen ums Leben gekommen, sagte der Zoo-Direktor Wolfgang Dreßler am Mittwoch. "Es ist der schwerste Tag in der Geschichte des Krefelder Zoos." Der Brand hinterließ einen Millionenschaden.

Nach Brand im Affenhaus - Krefelder Zoo öffnet wieder

Der Krefelder Zoo hat zwei Tage nach dem verheerenden Brand im Affenhaus am Freitagmorgen wieder geöffnet. Bereits vor dem Einlass um 9 Uhr warteten mehrere Besucher vor dem Gelände, wie ein dpa-Reporter berichtete. Weiterhin zündeten Menschen vor dem Eingang des Tierparks Kerzen als Zeichen von Trauer und Betroffenheit an.In dem traditionsreichen Tierpark waren in der Silvesternacht mehr als 30 Tiere, darunter mehrere Menschenaffen, bei einem Feuer ums Leben gekommen. Das Affenhaus wurde zerstört und ist einsturzgefährdet. Der Zoo möchte den Bereich abriegeln. Unmittelbar nach dem Brand war der Zoo an Neujahr und am Donnerstag geschlossen geblieben.

Am Donnerstagabend fand auf einem Parkplatz am Zoo eine Trauerveranstaltung statt, zu der die Bewegung Fridays for Future aufgerufen hatten. Laut Polizei kamen rund 1.000 Menschen. Die Veranstaltung sei "sehr friedlich" verlaufen, hieß es. Um politische Forderungen sei es nicht gegangen, sagte eine Sprecherin von Fridays for Future. Ziel der Initiatoren sei es gewesen, ein Zeichen der Anteilnahme und des Zusammenkommens zu setzen. Auch Feuerwehrleute nahmen an der Veranstaltung teil.

Vor dem Tor des Zoos legten am Mittwoch und Donnerstag viele Menschen aus Trauer und Betroffenheit Kerzen, Blumen und Briefe ab. Wegen zahlreicher Anfragen wurde ein Spendenkonto eingerichtet. Der Zoo hat 17.000 Jahreskarten-Inhaber, jährlich kommen insgesamt über 400.000 Besucher.

Den Ermittlungen der Polizei zufolge hat eine Himmelslaterne das Feuer verursacht. Demnach zündeten drei Frauen das schwebende Licht und lösten damit ungewollt den Brand mit einem Millionenschaden aus. Sie hatten sich bei der Polizei gemeldet.

Affen-Tod durch Rauchgasvergiftung - Himmelslaternen steckten Dach von Affenhaus im Zoo Krefeld in Brand

Bei einer Pressekonferenz informierten Polizei und Staatsanwaltschaft über weitere Details zu den Ermittlungen. Das von chinesischen Himmelslaternen ausgelöste Feuer habe sich vermutlich über das Dach des Affenhauses ausgebreitet, die in der Anlage untergebrachten Menschenaffen seien durch Rauchgasvergiftungen zu Tode gekommen, sagte Gerd Hoppmann, Leiter des Kriminalkommissariats in Krefeld.

Drei Tatverdächtige für Brand im Krefelder Zoo ermittelt

Kurz nach dem Feuer-Drama hätten sich die mutmaßlichen Brandverursacher bei der Polizei gemeldet. Dabei handelte es sich der Staatsanwaltschaft zufolge um drei Frauen aus Krefeld im Alter zwischen 30 und 60 Jahren. Die drei Frauen hätten sich selbst bei der Polizei gemeldet und dort angegeben, dass sie in der Silvesternacht fünf Himmelslaternen hätten aufsteigen lassen, sagten Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Keine Sicherheitshinweise auf chinesischen Himmelslaternen

Die drei Frauen hätten die Himmelslaternen im Internet bestellt und dachten nach eigenen Angaben, dass es an Silvester erlaubt sei, sie steigen zu lassen. Tatsächlich sind sie aber in ganz Deutschland verboten. Die Tatverdächtigen müssen sich jetzt auf strafrechtliche und zivilrechtliche Folgen einstellen. Der Tatvorwurf lautet auf fahrlässige Brandstiftung, was mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe geahndet werden kann. "Für uns ist damit diese Tat weitgehend geklärt", sagte Hoppmann.

Affenhaus in Flammen aufgegangen: Gebäude soll abgerissen werden

Ein Feuerwehrsprecher sagte, man sei überrascht gewesen, wie schnell das Dach des Affenhauses gebrannt habe. Eine Sprinkler- oder Brandmeldeanlage habe es nicht gegeben, dies sei zum Zeitpunkt des Baus 1975 aber auch nicht vorgeschrieben gewesen. Eine Zoosprecherin sagte, das Haus sei völlig zerstört, die Überreste würden nach dem Ende der Ermittlungen abgerissen. Der Zoo werde voraussichtlich am Freitag wieder öffnen. Der Brandort werde mit Absperrungen versehen, um einen "Katastrophentourismus" so weit wie möglich zu verhindern.

Nach Brand in Zoo: Tote Menschenaffen können nicht beerdigt werden

Die durch den Brand im Krefelder Zoo umgekommenen Menschenaffen können nicht beerdigt werden. Da es sich bei ihnen nicht um Haustiere, sondern um Wildtiere handele, sei eine Beerdigung nicht erlaubt, sagte Zoosprecherin Petra Schwinn am Donnerstag. Die Tiere seien dem Veterinäruntersuchungsamt übergeben worden. Zoointern werde es eine Trauerfeier geben. Die Anteilnahme aus der Bevölkerung sei "sehr, sehr groß".

Tausende Geldspenden nach Brand in Krefelder Zoo

Nach dem Feuer im Affenhaus des Krefelder Zoos in der Silvesternacht sind bereits Tausende Spenden eingegangen. "Die Spendenbereitschaft ist enorm. Bis Mittwochabend sind bei uns bereits weit mehr als 4.000 Geldspenden von unterschiedlichen Menschen eingegangen", sagte der Vorsitzende der Krefelder Zoofreunde, Friedrich Berlemann, der "Rheinischen Post" (Freitag). "Ich kann aber noch nicht sagen, wie hoch die Spenden sind. Das müssen wir erst noch eruieren."

Bei dem Brand waren mehrere Menschenaffen gestorben, darunter Orang-Utans, Gorillas und ein Schimpanse. Es entstand ein Millionenschaden. Eine Zoosprecherin sagte am Donnerstag, das Haus sei völlig zerstört, die Überreste würden nach dem Ende der Ermittlungen abgerissen.

Kriminalpolizei ermittelt wegen Brandstiftung: Chinesische Laternen entfachten Feuer-Inferno im Krefelder Zoo

"Unsere schlimmsten Befürchtungen sind Realität geworden. Es gibt keine überlebenden Tiere im Affenhaus", schrieb der Zoo am frühen Mittwochmorgen auf seiner Facebookseite.

Auslöser des um 0.38 Uhr gemeldeten Feuers könnte nach Angaben der Polizei eine sogenannte chinesische Himmelslaterne sein. Mehrere dieser seit 2009 in Deutschland verbotenen Leuchtkörper aus Seidenpapier und Brennpaste über der Anlage gesehen und später auch am Unglücksort gefunden worden, berichtete ein Vertreter der Krefelder Kriminalpolizei. Nach einem Appell an mögliche Verursacher meldeten sich am Nachmittag mehrere Menschen bei der Polizei in Krefeld. Sie seien vernommen worden. Ihre Angaben würden überprüft, teilten die Ermittler mit.

Die Polizei ermittelt derzeit wegen fahrlässiger Brandstiftung. "Zeugen haben Fackeln in der Nähe des Zoos gesehen", sagte der Kriminalbeamte Gerd Hoppmann über Angaben aus der Silvesternacht. Sie seien "hochgefährlich" und könnten einige Kilometer weit fliegen. "Zeugen haben Fackeln in der Nähe des Zoos gesehen", sagte der Kriminalbeamte Gerd Hoppmann über Angaben aus der Silvesternacht. Sie seien "hochgefährlich" und könnten einige Kilometer weit fliegen.

Zwei Schimpansen überlebten mit leichten Verletzungen die Feuersbrunst in dem Affenhaus. Die beiden Tiere Bally und Limbo seien narkotisiert und in ein benachbartes Haus gekommen, berichtete der Zoo-Direktor, der zum Zeichen der Trauer schwarze Kleidung trug.

Trauer nach Zoo-Feuer in Krefeld

Unter Tränen stellten vor dem Eingang am Mittag zahlreiche Menschen Fotos von Affen auf - bis zum Nachmittag war es eine große Menge von Blumen, Kerzen und Stofftieren. Dazu platzierten Zoofreunde Schilder mit Aufschriften wie "Warum" oder "Gestorben für euer Silvestervergnügen". Die Fahnen des Zoos hingen auf halbmast. Auch Notfallseelsorger waren vor Ort. Am Neujahrstag blieb der Tierpark wegen des Unglücks geschlossen: "Unsere Mitarbeiter stehen unter Schock", erklärte der Zoo und warb um Verständnis. Auch am Donnerstag werde man nicht öffnen.

Zoodirektor: Nach Brand steht die Trauerverarbeitung im Vordergrund

Ein Meer aus Kerzen hat in der Nacht zum Donnerstag vor dem Krefelder Zoo an die mehr als 30 verbrannten Tiere erinnert. "Das ist unglaublich", sagte Zoo-Direktor Wolfgang Dreßen am Donnerstagmorgen im WDR2-Interview. Auch für die Mitarbeiter stehe nun - neben der Pflege der übrigen Tiere - die Trauerverarbeitung im Vordergrund. "Der Schmerz, der da ist, sitzt unglaublich tief." Konkrete Vorstellungen, wie es mit dem niedergebrannten Affenhaus und der Zucht der in der Wildnis teilweise bedrohten Tiere nun weitergehe, gebe es noch nicht, sagte Dreßen. Er stehe aber zur Menschenaffenhaltung im Krefelder Zoo, sagte der Direktor.

Sachverständige ermitteln Hergang nach Feuerkatastrophe in Zoo

Am Neujahrstag untersuchten Kriminalpolizei und Sachverständige den Brandort. Das Ergebnis wird für Donnerstag erwartet. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung. Es entstand ein Millionenschaden.

Die Tiere, die ums Leben gekommen sind, seien ein unersetzlicher Verlust, auch für die Erhaltungsprogramme, sagte der Direktor des Kölner Zoos, Theo Pagel, wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" online berichtete.

Wenige Stunden nach der Feuerkatastrophe hatten sich am Mittwoch mögliche Verursacher des Brandes bei der Polizei gemeldet. Die Ermittler meinen, dass eine in der Nacht zu Neujahr gezündete Himmelslaterne den Brand ausgelöst haben könnte. Diese in Deutschland verbotenen Leuchtkörper waren im nordrhein-westfälischen Krefeld gesichtet worden. "Die Polizei hat die Personen vernommen und wird ihre Angaben überprüfen", erklärte die Polizei. Die Überprüfung der Angaben werde aber einige Zeit dauern.

Das Drama im Zoo schockierte die Tierfreunde: Vor den Toren des traditionsreichen Tierparks legten viele Menschen, oft unter Tränen, Kerzen, Blumen, Briefe und Stofftiere ab. "Gestorben für euer Silvestervergnügen", stand auf einem Karton. Die Fahnen des Zoos hingen auf halbmast.

Eine Brandmeldeanlage hatte das Affenhaus nicht. Das sei nicht vorgeschrieben, erklärte der Zoo. Der Brand habe sich so schnell entwickelt, dass eine solche Anlage auch nicht geholfen hätte, hieß es. Eine Brandschutzversicherung bestehe aber.

Feuer-Katastrophe im Zoo Krefeld: Affenhaus abgebrannt, mehr als 30 Tiere verendet

Laut einer Sprecherin waren unter den toten Tieren auch kleinere Affen wie goldene Löwenäffchen und Zwergseidenäffchen sowie Flughunde und Vögel. Das direkt angrenzende Gorillagehege blieb verschont. Dort lebt eine junge siebenköpfige Gorillafamilie.

Als die Feuerwehr gut eine halbe Stunde nach Mitternacht zum Gelände kam, sei das Affenhaus schon voll in Flammen gewesen, berichtete der Sprecher der Krefelder Feuerwehr, Kai Günther. Es sei so groß gewesen, "dass uns klar war, dass wir es nicht retten können".

Bei Tageslicht offenbarte sich die ganze Tragödie: Nur noch das Gerippe des im Gewächshausstil erbauten Affentropenhauses steht noch. Die Haltung von Affen soll aber weitergehen, bekräftigten Zoo-Direktor Dreßler und Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD).

Zoo Krefeld informiert über Brand-Tragödie: Alle Tiere im Affenhaus ums Leben gekommen

Der Zoo schrieb: "Eine unfassbare Tragödie hat uns kurz nach Mitternacht überrollt." Das Menschenaffenhaus sei niedergebrannt, lediglich der Gorilla-Garten sei von den Flammen verschont geblieben. Die Kriminalpolizei ermittle. Der Zoo bleibe daher am Mittwoch, dem 01.01.2020, geschlossen. Man habe bereits zahlreiche Hilfsangebote erhalten. "Bitte habt Verständnis, dass wir noch unter Schock (stehen) und nicht genau sagen können, ob und wo Hilfe brauchen."

Das Affentropenhaus wurde den Zoo-Angaben zufolge im Jahr 1975 eröffnet. Die Grundfläche des Baus im Gewächshausstil lag bei 2.000 Quadratmetern. Zuhause waren dort Orang-Utans, Schimpansen, Gorillas, Krallenaffen, Epauletten-Flughunde und Vögel. Bis 2020 sollten die Orang-Utans und Schimpansen noch Außenanlagen bekommen.Der Krefelder Zoo hat über 400.000 Besucher im Jahr. Dort leben auch Elefanten, Leoparden und Nashörner.

Tierschützer fordern Schutzzonen für Tiere vor Silvesterknallerei

Nach der Tragödie im Krefelder Zoo hat der Deutsche Tierschutzbund die negativen Folgen von Silvesterfeuerwerk für Tiere kritisiert und Sicherheitszonen gefordert. "Wir sind geschockt (...) Sollten wirklich Feuerwerkskörper den Brand verursacht haben, wäre dies ein schrecklicher Beleg dafür, welche dramatischen Folgen unkontrollierte Böllerei haben kann." An Orten, an denen viele Tiere lebten, wie Zoos, Tierheime und landwirtschaftliche Betriebe, sollten private Silvesterfeuerwerke untersagt werden, sagte James Brückner vom Deutschen Tierschutzbund am Neujahrstag in Bonn.

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loc/news.de/dpa
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