14.10.2019, 19.57 Uhr

21-Jähriger zu 4 Jahren Haft verurteilt: Konsequenzen nach antisemitischer Tat in Bonn

Nach einem antisemitischen Vorfall in Bonn wurde der 21-jährige Täter verurteilt.

Nach einem antisemitischen Vorfall in Bonn wurde der 21-jährige Täter verurteilt. Bild: adobestock/Brian Jackson

Im Prozess um einen Angriff auf einen jüdischen Professor in Bonn ist der Angeklagte wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Das Gericht verurteilte den 21-Jährigen zu einer Gesamtstrafe von viereinhalbJahren - darin enthalten ist aber auch eine frühere Verurteilung wegen eines Raubüberfalls in Höhe von drei Jahren und neun Monaten, die er derzeit absitzt. Auch wurde der Angeklagte wegen Beleidigung in einem anderen Fall verurteilt.

Angriff auf religiöse Symbole als schwere Straftat gewertet

Der Deutsche mit palästinensischen Wurzeln hatte gestanden, dem Professor aus den USA im Juli 2018 im Bonner Hofgarten mehrfach die Kippa vom Kopf geschlagen zu haben. "Sie haben ein Symbol des jüdischen Glaubens vom Kopf geschlagen", sagte die Vorsitzende Richterin Susanne Grunert. Dies sei geeignet, den öffentlichen Frieden zu gefährden. Die Staatsanwaltschaft hatte viereinhalb Jahre gefordert, die Verteidigung nicht mehr als vier.

Polizisten kommen ohne Strafe oder Konsequenz davon

Der Professor Jitzchak Jochanan Melamed war kurz nach dem Vorfall von Polizisten überwältigt worden, weil sie ihn irrtümlich für den Täter hielten. Eine anschließende Untersuchung der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass der Polizei kein Fehlverhalten nachzuweisen sei. Melamed protestierte dagegen in einer Erklärung, die in der Verhandlung am Montag von seinem Anwalt Carsten Ilius verlesen wurde. Ilius sagte zum Abschluss der Verhandlung: "Jüdische Existenz - und das ist irre - wird wieder prekär in Deutschland."

Gesellschaftliche Minderheiten sind auch öfter Ziel der Polizei

Viele Personen und Angehörige von Minderheiten können allmählich das Vertrauen in die Polizei und die Justiz verlieren, wenn diese scheinbar ungeschoren davonkommt, nachdem sie ein Person zu unrecht überwältigt hat. Besonders Personen die wegen religiöser Symbole oder anderer offensichtlicher Merkmale auffallen, fühlen sich von den Beamten der Polizei immer weniger beschützt und manchmal auch eher bedroht, wenn ihnen von einem bewaffneten Beamten fast nur Fremdenfeindlichkeit, Vorurteile und mal mehr oder weniger verdeckte Beleidigungen entgegenkommen.

luj/news.de/dpa