24.03.2017, 08.38 Uhr

Pressekonferenz zum Germanwings-Absturz: Vater bezweifelt Alleinschuld von Andreas Lubitz

Der Germanwings-Copilot hat sich nach

Der Germanwings-Copilot hat sich nach "Spiegel"-Informationen zwei Monate vor dem Absturz als depressiv eingestuft und in Psychotherapie begeben. Bild: dpa

Zwei Jahre nach dem Germanwings-Absturz will der Vater des Copiloten am Freitag (10.30 Uhr) erläutern, warum er nicht an eine Selbsttötung seines Sohnes als Absturzursache glaubt. Genau am Jahrestag tritt Günter Lubitz in Berlin vor die Presse.

Stimmen zur Pressekonferenz

Schulleiter Ulrich Wessel aus Haltern hat kritisiert, dass der Vater des Germanwings-Todespiloten Andreas Lubitz ausgerechnet zum zweiten Jahrestag der Katastrophe zu einer Pressekonferenz eingeladen hatte. Dies sei eine "Provokation, ein Affront gegenüber den Eltern", sagte Wessel am Freitag nach einer Gedenkfeier im westfälischen Haltern für die Opfer des Absturzes vor zwei Jahren. Wessel warf dem Vater eine "Form von Realitätsverlust" vor.

Die Bundesregierung hat neu geäußerte Zweifel an der offiziellen Absturzursache der Germanwings-Maschine vor zwei Jahren zurückgewiesen. "Es gibt für uns keinen Anlass, an der Art und den Ergebnissen der Unfalluntersuchungsbehörde zu zweifeln", sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Freitag in Berlin.

Die Vorwürfe des Luftfahrtjournalisten Tim van Beveren zu möglichen Unregelmäßigkeiten bei der Untersuchung der Germanwings-Katastrophe stoßen bei Piloten auf wenig Resonanz. "Basis unserer Arbeit ist der offizielle Flugunfallbericht, daran hat sich nichts geändert", sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit (VC), Markus Wahl. An Spekulationen werde sich der Verband nicht beteiligen. Zwar habe der VC nicht alle 18 000 Seiten der Flugunfall-Untersucher, sondern nur den offiziellen Bericht gelesen. "Da sind bei unseren Experten bisher aber keine Fragezeichen geblieben."

Gutachter Tim van Beveren äußert sich zu den Ermittlungsergebnissen

Günter Lubitz (l), Vater des Germanwings-Co-Piloten des in den Alpen abgestürzten Flugzeugs, sitzt am 24.03.2017 in Berlin bei einer Pressekonferenz.

Günter Lubitz (l), Vater des Germanwings-Co-Piloten des in den Alpen abgestürzten Flugzeugs, sitzt am 24.03.2017 in Berlin bei einer Pressekonferenz. Bild: picture alliance / Kay Nietfeld/dpa

Nach Behauptung des Gutachters Tim van Beveren könnte es schon vor dem letzten Flug der 2015 abgestürzten Germanwings-Maschine Probleme mit der Cockpit-Verriegelung gegeben haben. Er habe Informationen erhalten, dass sich eine Crew dieses Jets einmal selbst ausgesperrt habe. Er habe dies den Absturz-Ermittlern auch mitgeteilt. "Es ist nicht untersucht worden", sagte van Beveren.

Van Beveren verwies zudem auf Turbulenzen, die es am 24. März 2015 über dem Absturzgebiet gegeben habe. Solche Luftlöcher seien sehr gefährlich. Etliche andere Piloten hätten deswegen am Absturztag niedrigere Flughöhen gewählt.

Nach Ansicht des Flugunfallexperten Tim van Beveren ist nicht klar erwiesen, wer zum Zeitpunkt des Absturzes der Germanwings-Maschine vor zwei Jahren im Cockpit saß. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte der Copilot Andreas Lubitz den Airbus absichtlich gegen einen Berg in Südfrankreich gesteuert. Zuvor habe er den Flugkapitän ausgesperrt. Dies sei nicht zweifelsfrei erwiesen, sagte van Beveren am Freitag auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Er kritisierte zudem, dass bei den Ermittlungen zur Unfallursache nur Ingenieure eingesetzt worden seien, aber keine "Human Factor"-Experten, die darauf spezialisiert seien, den Faktor Mensch zu analysieren. Diese könnten beispielsweise aus Stimmenrekorder- und Funk-Aufzeichnungen auf Stress schließen.

Pressekonferenz von Günter Lubitz in Berlin

Günter Lubitz bezweifelt, dass sein Sohn Selbstmord begangen hat. Am Freitagvormittag hatte er für 10.30 Uhr zu einer Pressekonferenz in Berlin eingeladen, bei der er seine Sicht der Dinge schilderte. Die Maschine war um 10.41 Uhr vor genau zwei Jahren abgestürzt. Anders als angekündigt begann die Veranstaltung in Berlin am Freitag erst um 10.51 Uhr.

Nachdem die Pressekonferenz später beginnen musste, hat sich zuerst Günter Lubitz dazu geäußert, wie er seinen Sohn in den Jahren nach seiner diagnostizierten und überwundenen Depression erlebt hat: Als einen lebensbejahenden Menschen. Allerdings steht diese Aussage in einem kompletten Gegensatz zu den Ermittlungsergebnissen der Behörden.

Andreas Behr, Anwalt der Familie Lubitz, informiert, dass er und die Familie die Ermittlungsergebnisse anzweifeln. Er möchte nun neue Informationen preisgeben und eine Wiederaufnahme des Verfahrens anstreben. Der von der Familie Lubitz beauftrage Gutachter Tim van Beveren untersuchte den Fall ebenfalls und stellt Mängel dar.

Vater des Todespiloten bezweifelt Suizid

Am 24. März 2015 saß sein Sohn Andreas Lubitz allein im Cockpit einer Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings, die an einem Berg in den südfranzösischen Alpen zerschellte. Alle 150 Menschen an Bord des Airbus starben. Die Ermittler gehen von einer absichtlichen Tat und einem Alleinverschulden des 27-Jährigen aus.

Pressekonferenz am Jahrestag des Germanwings-Absturzes

Die Pressekonferenz beginnt um 10.30 Uhr. Währenddessen wollen Angehörige in einem Gottesdienst in Südfrankreich zur Absturzzeit um 10.41 Uhr der Opfer in einer Schweigeminute gedenken. Die Lufthansa hat wie im Vorjahr ein Treffen von Angehörigen in der Nähe der Absturzstelle organisiert. Auch die Enthüllung einer Gedenkskulptur ist geplant. Sie soll im Sommer an der eigentlichen Absturzstelle aufgestellt werden. Rund 500 Angehörige nehmen an dem Treffen teil.

Auch im westfälischen Haltern wird am Freitag der Opfer gedacht. Unter den Toten waren 16 Schüler und zwei Lehrerinnen eines dortigen Gymnasiums. Zur Absturzzeit sind fünf Schweigeminuten geplant. Zugleich sollen die Trauerglocken aller Kirchen in Haltern läuten.

Vater von Andreas Lubitz: "Unser Sohn war ein sehr verantwortungsvoller Mensch"

Bereits in der Einladung zu der Veranstaltung hatte Lubitz' Vater die "Annahme des dauerdepressiven Copiloten, der vorsätzlich und geplant in suizidaler Absicht das Flugzeug in den Berg gesteuert haben soll", bezweifelt. In einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" (Donnerstag) sagte er: "Unser Sohn war ein sehr verantwortungsvoller Mensch. Er hatte keinen Anlass, einen Selbstmord zu planen und umzusetzen, und erst recht nicht, dabei noch 149 andere unschuldige Menschen mitzunehmen."

Die Toten kamen vor allem aus Deutschland und Spanien. Allein 65 Opfer stammten aus Nordrhein-Westfalen.

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grm/koj/news.de/dpa