29.06.2016, 08.35 Uhr

Gefängnisstadt San Pedro: Keine Gnade, keine Rettung, keine Polizei - der brutalste Knast der Welt

In San Pedro machen die Gefangenen die Gesetze selbst.

In San Pedro machen die Gefangenen die Gesetze selbst. Bild: dpa

Von news.de-Volontärin Maria Gregor

Es ist eine eigene kleine Welt: Mitten im Herzen der Anden liegt die Gefängnisstadt San Pedro. Hier gibt es keine Wärter, keine Gefängniszellen und schon gar keine Sicherheiten. Denn hier regieren die Gefangenen. Räuber, Mörder und Drogenbarone. Wer das meiste Geld hat, kann sich ein gutes Leben in der Gefängnisstadt kaufen. Ohne Geld landet man im Keller bei den Drogenabhängigen.

San Pedro - ein "familienfreundliches" Gefängnis

Der Haupteingang des Gefängnisses erinnert eher an einen Marktplatz. Hier herrscht ein ständiges Kommen und Gehen - besonders von Frauen und Kindern. Um zu überleben, sind viele Frauen mit ihren Kindern zu ihren Männern in die Gefängnisstadt gezogen. Sie können die Mauern jederzeit hinter sich lassen, wollen aber lieber bei ihren Ehemännern und Vätern bleiben. Denn draußen gibt es keine Perspektive ohne Mann.

"Marschpulver" - Rusty Young beschreibt das Leben in San Pedro

Rusty Young findet diese Konzept gut und denkt, dass die Häftlinge davon profitieren. Er blieb über Monate in der Gefängnisstadt, um ein Buch über seine Erlebnisse zu schreiben. "Marschpulver" zeigt die Wahrheit hinter den Gefängnismauern einer sich selbstversorgenden Stadt aus Kriminellen.

Thomas McFadden sitzt sechs Jahre und acht Monate in San Pedro, weil er fünf Kilo Kokain aus dem Land schmuggeln wollte.

Doch die Hierarchie ist hart und ohne Geld ist man nichts in San Pedro. "Die Regierung übernimmt keine Kosten. Wir müssen alles selbst kaufen, von Kleidung über Essen bis zu Strom. Jeder muss also irgendwie Geld verdienen", erklärt Thomas, ein Engländer, der wegen Drogenschmuggels einsitzt. Selbst die Wärter bleiben draußen und kommen nur in Extremfällen ins Gefängnis.

Themen: Gefängnis
Seiten: 12
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