13.02.2016, 08.00 Uhr

Das pöbelnde Netz: Lesen Sie hier: Zensur oder Meinungsfreiheit? Strategien gegen die Dummheit.

Die Pöbelei im Internet wird immer schlimmer. Doch was hilft gegen den Hass?

Die Pöbelei im Internet wird immer schlimmer. Doch was hilft gegen den Hass? Bild: fotolia.com/ Calavision

Zensur oder Meinungsfreiheit?

Wer sich als Politiker jedoch für eine Löschung von Kommentaren stark macht, handelt sich nicht selten seitens der Netzgemeinde den Vorwurf des Zensurversuchs ein. Dies traf nicht nur Justizminister Maas bereits des Öfteren.

Auch Politiker der israelischen Regierung planen derzeit ein politisches Bündnis mit europäischen Partnern gegen judenfeindliche Hetze und islamistisch-terroristische Umtriebe im Internet. Von den deutschen Medien bislang weitgehend ignoriert, wurde diese Meldung - ursprünglich der "Times of Israel" entstammend - vor allem von Blogs mit "verschwörungstheoretischer Ausrichtung" aufgegriffen. Prompt war von einem Versuch der "weltweiten Zensur" zu lesen.

Deutsche Polizei: Hass-Kommentare sind eine Straftat

Fakt ist jedoch, dass viele Beiträge die Schwelle zur Straftat überschreiten. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte der "Bild"-Zeitung: "Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Wer Hass-Kommentare und Propaganda postet, begeht eine Straftat." Zweifelsohne sind viele der Hasskommentare strafrechlich relevant.

Die Berliner Zeitung hat sich im Zuge des Falls Lisa F. dazu entschlossen, künftig gegen Hasskommentatoren juristisch vorzugehen. Auslöser waren mehrere Kommentare von Nutzern des Kurznachrichtendienstes Twitter zu einem Artikel über die angebliche Entführung und Vergewaltigung einer 13-jährigen Berlinerin durch arabischstämmige Migranten gewesen, in denen dem Redakteur mit Gefahr für Leib und Leben gedroht wurde.

Der gerichtliche Weg wird nicht ausreichen

Doch auch eine Löschung oder eine Strafanzeige – so richtig sie in vielen Einzelfällen sein mag - werden das Problem des Hasses in den Köpfen der Menschen und die Taten, die aus Worten derzeit folgen, nicht lösen können. Niedergeschriebene Meinungen sind Symptome. Sie sind Ausdruck einer Gesinnung und Anstiftung zu Straftaten, die sich derzeit in teils menschenverachtender Weise auch ganz handfest auf den Straßen dieser Republik Bahn brechen.

Welche Strategie brauchen wir für einen Umgang mit Hass im Netz?

Sascha Lobo, Kolumnist auf "Spiegel Online", schrieb unlängst, es sei "ein Segen, dass sich alle öffentlich äußern können, und eine Ernüchterung, auf welche Weise dieses Recht wahrgenommen wird." Wenn allerdings ein Internet-Apologet wie Lobo nun behauptet, was sich an Schwachsinn derzeit in die sozialen Medien ergieße, sei nicht unbedingt Hass, sondern schlicht und ergreifend Dummheit, muss der einer so flächendeckenden Dummheit nicht irgendeine Form von Aufklärung entgegensetzen und diese zum Zentrum seiner Strategie gegen den Hass machen?

Satire und Dialog als Mittel gegen die Dummheit

ZDF-Frau Hayali forderte bei ihrer Dankesrede all die Pöbler weiterhin zu einem Dialog auf: "Beim Suchen nach Lösungen, bei dem Ringen nach Kompromissen, bei der Art der Berichterstattung über Flüchtlinge: Legen Sie doch gerne den Finger in die Wunde und streiten Sie mit uns, diskutieren Sie mit uns, weisen Sie uns auf Fehler hin." Es bleibt abzuwarten, ob jene Pöbler dazu in der Lage sind, ein solches Angebot überhaupt anzunehmen.

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lid/rut/news.de
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