14.08.2015, 08.00 Uhr

Über das Gehalt wird nicht geredet: Was verdienen die Kollegen? Was bekommt der Chef?

Von news.de-Volontärin Conny Rädel

Alle interessiert es, aber kaum jemand spricht darüber: Wieviel verdienen Sie und Ihre Kollegen im Vergleich?

Alle interessiert es, aber kaum jemand spricht darüber: Wieviel verdienen Sie und Ihre Kollegen im Vergleich? Bild: Andrea Warnecke/dpa

Das Thema Gehalt gilt immer noch als Tabu-Thema. Man redet nicht darüber, was man verdient. Schon gar nicht mit den Kollegen. Beim gemeinsamen Mittagessen tauschen sich Mitarbeiter über alles Mögliche aus, nur nicht darüber, wer wie viel Geld kassiert. Neugierig sind einer Studie zufolge fast alle, was der Kollege und der Chef verdienen. Aber Einigkeit herrscht darin, dass man zwar drüber grübeln kann, aber auf keinen Fall danach fragen darf.

Wieso sprechen wir nicht übers Geld?

Einer der Gründe, warum wir Deutschen so wenig über unser Gehalt sprechen, liegt laut Professor Florian Becker, dem Mitbegründer der Wirtschaftspsychologischen Gesellschaft, in unserem Glauben an Gerechtigkeit und Gleichheit. "Wenn ein Angestellter hierzulande weniger verdient, dann nur, weil er schlechtere Chancen hatte. Die Schuld liegt also bei der Gesellschaft. Umgekehrt sollte derjenige, der mehr verdient, mehr teilen. Sonst kommt es sofort zu Missgunst", sagt er der "Süddeutschen". Dabei schadet Neid vor allem dem Arbeitsklima, denn laut Becker macht der Gedanke an Geld egoistischer. Ist es also besser, gar nicht mit Kollegen über das Gehalt zu sprechen?

Was mehr Transparenz bewirken könnte

Diese fehlende Transparenz hat vor allem eines zur Folge: Wer schlecht verhandelt, verliert. So kann es durchaus sein, dass Mitarbeiter im gleichen Beruf, im gleichen Team und mit derselben Qualifikation unterschiedlich viel verdienen. Der Studie zufolge wünschen sich 63 Prozent der Deutschen, dass die Geheimniskrämerei endlich ein Ende findet und dass die Unternehmen offen damit umgehen sollen, wer was verdient. Über die Hälfte der Befürworter glaubt, dass es helfen könnte, endlich die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen zu schließen. Die bekannten Zahlen würden dann auch 46 Prozent der Befürworter in einem Personalgespräch als Diskussionslage mitnehmen.

Ohne Vergleichswerte in die Gehaltsverhandlungen

Bei jedem fünften Arbeitnehmer sind die Gehaltsstrukturen zumindest innerhalb des Unternehmens bekannt. Aber nach außen dringen nur selten Informationen. Deshalb können Bewerber von außerhalb bei Gehaltsverhandlungen eigentlich nur verlieren: Fordern sie zu viel, ist das Risiko einer Ablehnung sehr hoch, fordern sie zu wenig, verkaufen sie sich unwissentlich unter Wert und das Unternehmen gewinnt. Ein wenig Abhilfe können da nur Internetportale wie Im Jahr zuvor war es das 53-fache. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und die Experten der Technischen Universität München haben 30 börsennotierte Unternehmen verglichen. Keiner der deutschen Top-Manager gehr mit weniger als 2 Millionen Euro in der Tasche nach Hause.

Spitzenreiter ist wieder einmal VW-Chef Martin Winterkorn mit 15 Millionen Euro. Im Schnitt erhielten die 30 Vorstandsvorsitzenden für das Jahr 2014 5,3 Millionen Euro. Damit liegen sie im internationalen Vergleich vor ihren französischen (3,7 Millionen) und hinter ihren Schweizer Kollegen (6,0 Millionen). Der Durchschnitt der US-amerikanischen Top-Manager übertrifft sogar den deutschen Spitzenreiter Winterkorn: 15,1 Millionen Euro verdienten sie im Schnitt.

Gehaltsverhältnis offenbaren - sinnvoll oder nicht?

Das "Manager Magazin" berichtet, dass das Gehaltsverhältnis von Chef zu Angestellten bei gefühlten 10:1 liegt. Die Realität sieht mit 54:1 ganz anders aus. Sollte ein ähnliches Gesetz wie in den USA auch bei uns eingeführt werden, damit nicht nur von wenigen börsennotierten Unternehmen klar ist, wie viel der Chef verdient? Die moderate Erhöhung der Manager-Gehälter vom 53-fachen (2013) auf das 54-fache (2014) könnte schließlich auf die öffentliche Debatte um die Gehälter von Top-Managern zurückzuführen sein. Oder bringen solche Offenbarungen nur Neid und Missgunst?

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räc/zij/news.de
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