14.05.2020, 10.27 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Frühwarnsystem! Urin warnt vor schwerem Covid-19-Verlauf

Göttinger Forscher fanden heraus, dass bestimmte Anzeichen im Urin den schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung ankündigen können.

Göttinger Forscher fanden heraus, dass bestimmte Anzeichen im Urin den schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung ankündigen können. Bild: freshidea/AdobeStock

Das Tückische an der durch das Coronavirus hervorgerufenen Lungenkrankheit Covid-19 ist ihre Unberechenbarkeit. Glaubt man, das Schlimmste überstanden zu haben, schlägt die Erkrankung plötzlich wieder mit voller Wucht zu. Göttinger Forscher fanden nun heraus, dass der Urin Patienten schon Tage vorher vor einem schlimmen Verlauf von Covid-19 warnen könnte.

Göttinger Ärzte fanden Marker im Urin

Wie "Focus online" berichtet, fanden Mediziner aus Göttingen bestimmte Marker im Urin von Erkrankten, die schon Tage bevor die Schwere der Erkrankung zum Tragen kam, zu sehen waren. Sie sind überzeugt: Ein Urintest kann Leben retten, denn er kann die Anomalien identifizieren, sodass eine rechtzeitige Behandlung durchgeführt werden kann.

Covid-19 beginnt oft sehr mild

Bisher war zu beobachten, dass die von Sars-CoV-2 hervorgerufene Krankheit meist mit milden Symptomen beginnt - anders als etwa die Grippe, die oft mit voller Wucht zuschlägt. Doch genau in diesem milden Beginn liegt eine der Tücken von Covid-19, denn die Patienten wiegen sich daher in trügerischer Sicherheit. So vermuten die Infizierten, dass sie nur eine geringere Viruslast abbekommen haben oder dass ihr Immunsystem den Erreger gut in Schach halten kann.

Oftmals ein Irrtum - denn bei vielen Patienten verschlimmern sich die Symptome erst nach einer Woche. Das geschieht dann so schnell und plötzlich, dass Patienten mit Vorerkrankungen es zuweilen nicht rechtzeitig ins Krankenhaus schaffen - Lunge, Herz, Nieren oder Blutgefäße nehmen oft schwere Schäden, bevor die medizinische Behandlung eingreifen konnte.

Urintest identifiziert Gefahr rechtzeitig

Ärzte des Universitätsklinikums Göttingen hoffen, derartigen Komplikationen in Zukunft mithilfe von Urintests vorbeugen zu können. Mediziner Oliver Gross erklärt: "Wir haben Abnormitäten in Urinproben von Patienten mit Covid-19 identifiziert, die dann innerhalb weniger Tage sehr krank wurden."

Was fanden die Göttinger Mediziner im Urin?

Die Göttinger Forscher stellten erhöhte Konzentrationen von weißen Blutkörperchen sowie des Proteins Albumin im Urin fest. Außerdem ließ sich Blut im Urin der Patienten finden. Diese drei Parameter deuten laut Angaben der Ärzte darauf hin, dass die Nieren durch das Virus bereits entzündet sind und auch dass Blutgefäße und Blut sich krankhaft verhalten. Diese zu Beginn leisen Symptome manifestieren sich laut Medizinern bereits, bevor sich die bislang typischen Covid-19-Symptome wie Lungenentzündung und Atemnot ausbilden. Schon von mehreren Ärzten und Virologen wurde von Gefäßentzündungen als Symptom der Corona-Erkrankung berichtet.

Schon eine der drei genannten Anomalien kann auf einen schweren Verlauf der Krankheit hinweisen. "Ist auch nur einer von drei Parametern schwer verändert, besteht ein hohes Risiko, dass sich die Erkrankten auf Normalstation zeitnah verschlechtern, auf die Intensivstation verlegt werden müssen oder sich der Verlauf auf Intensivstation noch verschlechtert", erklärt Gross gegenüber "Focus online". Eine Folgeuntersuchung per Bluttest kann dann Aufschluss über weitere Gefahren geben.

Mangel kündigt schweren Verlauf an

Ein Mangel des Blutproteins Antithrombin III im Blut sieht der Mediziner als Alarmsignal, denn das Protein verhindert die Bildung von Blutgerinnseln und beugt so Thrombosen vor. Sinkt seine Konzentration auf 60 Prozent seiner normalen Konzentration und ist Albumin im Blut nur noch in der Konzentration von zwei Milligramm pro Deziliter nachzuweisen, so sollte eine Behandlung eingeleitet werden.

Blutgefäße entscheidend für Verlauf von Covid-19

Ein Albumin-Mangel im Blut deutet auf "löchrige Kapillaren" hin, das sogenannte Capillary-Leak-Syndrom. Die Blutgefäße sind nicht mehr dicht, sondern lassen Flüssigkeit durch - die landet in den Geweben der Lunge und Bronchien sowie anderer Organe, die dadurch wie ein Schwamm anschwellen und nicht mehr richtig funktionieren.

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Der Sauerstoffaustausch kann nur noch begrenzt oder gar nicht mehr stattfinden. Um diesem Syndrom vorzubeugen, können Ärzte Medikamente zur Entwässerung und zur Stabilisierung verabreichen. Das können sie jedoch nur, wenn sie rechtzeitig im Bilde über die Entwicklungen im Körper der Patienten sind. Dabei kann ihnen von nun an der Urintest helfen.

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sig/bua/news.de