28.02.2020, 09.16 Uhr

Stiftung Warentest März 2020: Suchtgefahr und Nebenwirkungen - Vorsicht bei DIESEN Schmerztabletten

Viele Schmerzmittel versprechen rasche Linderung, doch die Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen.

Viele Schmerzmittel versprechen rasche Linderung, doch die Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen. Bild: Christoph Soeder / picture alliance / dpa

Rezeptfrei verkäufliche Schmerzmittel gehören ebenso wie Mullbinde, Desinfektionsmittel und Co. zur Grundausstattung einer Hausapotheke. Doch so einfach sich die Einnahme von rezeptfreien Schmerztabletten bei Wehwehchen wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder ähnlichem gestaltet, so gravierend können die Nebenwirkungen der Pillen sein, wie Stiftung Warentest warnt.

Stiftung Warentest im März 2020: Rezeptfreie Schmerzmittel bergen Risiken und Gefahren

Der Spagat zwischen Wirksamkeit und Risiken von Schmerzmitteln wird in der März-Ausgabe 2020 von Stiftung Warentest detailliert beleuchtet. Darin geben die Warentest-Experten zu bedenken, dass sowohl verschreibungspflichtige Schmerzmittel als auch solche, die ohne Rezept in der Apotheke zu haben sind, zwar wirksam gegen verschiedene Schmerzen sind, jedoch auch gravierende Nebenwirkungen zeigen können. In vergleichenden Untersuchungen prüfte Stiftung Warentest verschiedene Wirkstoffe auf ihre Wirksamkeit - denn nicht jedes Schmerzmittel wirkt bei allen Schmerzarten gleich gut.

Opioide oder nicht? Diese Schmerzmittel versprechen Linderung

Pharmazeutisch unterschieden werden Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen oder Paracetamol, die den Nicht-Opioiden zuzuordnen sind; Medikamente, die wie Codein, Tramadol oder Tilidin zu den schwachen Opioiden zählen sowie starke Opioide, also Morphin, Fentanyl, Oxycodon oder Buprenotphin. Jede Gruppe kann Nebenwirkungen auslösen: Nicht-opioide Schmerzmittel ziehen bisweilen organische Schädigungen nach sich, opioide Schmerzmittel können zudem die Psyche beeinflussen.

Opioide Schmerzmittel bergen hohes Suchtpotenzial

Die Auswirkungen von leichtfertiger Opioid-Applikation ist aktuell in den USA zu beobachten. Hier wurden die synthetischen Opiate seit den 1990er Jahren wie Bonbons verteilt, obwohl die stark wirkenden Mittel lediglich bei heftigen Schmerzen und nur begrenzt eingesetzt werden sollten, um die Suchtgefahr zu bannen. Vor ähnliche Probleme werden Ärzte gestellt, wenn es um die Entscheidung geht, ob medizinisches Cannabis auf Rezept verordnet werden soll, immerhin geht der Wirkstoff mit der Gefahr psychischer Nebenwirkungen einher.

Auch lesenswert:Schmerzmittel-Test! Was taugen Paracetamol, ASS, Ibuprofen wirklich?

Leberschäden, Herzinfarkt und Co.: Diese Nebenwirkungen haben Schmerzmittel bei unsachgemäßer Einnahme

Wer glaubt, dass Schmerzmittel ohne Opioide weniger gefährlich werden können, der ist jedoch auf dem Holzweg. Bisweilen können langfristig eingenommene nicht-opioide Schmerzmittel das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte erhöhen. Aktuelle Studien zeigen ein solches Risiko bei der Einnahme von Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Diclofenac auf. Auch Magenprobleme oder Leber-Erkrankungen sind als Langzeitfolgen von Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure, kurz ASS, und Paracetamol beschrieben worden. Ebenfalls riskant ist die Langzeiteinnahme von Schmerzmitteln, da sich der Körper an die Medikamente gewöhnen kann und die Tabletten irgendwann nicht mehr wirksam genug sind.

Finger weg von Kombipräparaten! So nehmen Sie Schmerzmittel auf sichere Weise ein

Stiftung Warentest zufolge ist die gelegentliche Einnahme von Schmerztabletten medizinisch nicht bedenklich. Mehr als zehn Tage pro Monat oder vier Tage am Stück sollte die Schmerzmitteleinnahme nicht dauern, ohne dass ein Arzt konsultiert wird. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt zudem die Finger von Kombipräparaten, die mehrere Wirkstoffe kombinieren oder mit Coffein anreichern, denn diese gehen mit einem erhöhten Risiko für Nebenwirkungen einher, ohne therapeutischen Mehrwert zu bieten.

Von Analgetikum bis Paracetamol: Kleines Lexikon gängiger Schmerzmittel

Was sind Schmerzmittel, welche Medikamente helfen gegen welche Schmerzen und welche Präparate haben ein hohes Suchtpotenzial? Ein Überblick über die wichtigsten Fachbegriffe.

ANALGETIKA: Aus dem Griechischen hergeleiteter medizinischer Begriff für Schmerzmittel.

BENZODIAZEPINE: Rezeptpflichtige Medikamente, die zur kurzfristigen Behandlung von Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen verordnet werden. Sie stillen Schmerz, lockern Muskeln und beseitigen Ängste. Sie können ein rauschartiges Gefühl hervorrufen und gelten bei längerer Einnahme als suchtgefährdend.

IBUPROFEN, DICLOFENAC UND ACETYLSALICYLSÄURE (ASS): Diese rezeptfrei erhältlichen Substanzen wirken durch die Blockade von Botenstoffen schmerzlindernd, haben aber auch fiebersenkende und entzündungshemmende Effekte. Ursprünglich dienten die Substanzen zur Behandlung von Arthritis-Patienten.

OPIATE: Schmerzmittel, das aus natürlichem Opium (Schlafmohn) gewonnen wird. Der Hauptwirkstoff Morphin betäubt nicht nur körperliche, sondern auch seelische Schmerzen und sorgt für Euphorie und ekstatische Zustände. Wegen ihrer Suchtgefahr fallen die Medikamente unter das Betäubungsmittelgesetz und müssen mit speziellen Rezepten verschrieben werden.

OPIOIDE: Synthetisch hergestellte, stark wirkende Schmerz- und Betäubungsmittel. Ihre Wirkweise ähnelt der von Morphin, sie haben ebenfalls ein hohes Suchtpotenzial und werden nur auf Rezept abgegeben.

PARACETAMOL: Gut verträgliches Analgetikum, das seine schmerzlindernde und fiebersenkende Wirkung wohl hauptsächlich im zentralen Nervensystem entfaltet. Wie die rezeptfreie Substanz genau wirkt, ist unvollständig geklärt. Sie hat keinen entzündungshemmenden Effekt.

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loc/fka/news.de/dpa
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