Erstellt von Jan Ludwig - Uhr

Tricks beim Fleischer: SO wird aus Fleisch-Abfall "frische" Wurst gezaubert

Der ehemalige Fleischkontrolleur Franz Voll hat gezeigt, was alles in Fleischwaren verarbeitet ist. Dabei leidet das Bild der traditionellen Zunft. Verbrauchertäuschung und Verschleierung scheinen an der Tagesordnung.

Mit Tricks lassen Fleischer altes Fleisch wieder frisch aussehen. (Symbolbild) (Foto) Suche
Mit Tricks lassen Fleischer altes Fleisch wieder frisch aussehen. (Symbolbild) Bild: picture alliance/Ole Spata/dpa

Der Fleischer genießt gegenüber dem Verbraucher ein hohes Vertrauen. In der allgemeinen Wahrnehmung ist das Fleisch von der Theke besser und hochwertiger als fertig abgepacktes Tier aus der Kühlabteilung der Supermärkte. Der Fleischermeister und Lebensmittelkontrolleur Wolfgang Voll berichtet nun gegenüber dem "Focus" von den Tricks, mit denen Fleischverkäufer den Kunden täuschen können.

Gammelfleisch von der Theke

In seinem Buch rechnet er mit der Metzger-Zunft ab. Mit Tricks wie Öl und Gewürzen wird altes Fleisch zum Beispiel wieder ansehnlich gemacht. So vermeiden die Betriebe es, bei der täglichen Entsorgung von Altfleisch zu große Verluste zu machen und zur Lebensmittelverschwendung beizutragen. Den Schaden hat dann jedoch möglicherweise der Kunde.

Sicher begünstigt das Vorsorgeprinzip bei leicht verderblichen Waren wie Fleisch große Abfallberge. Doch steht auf der anderen Seite die Gesundheit der Verbraucher auf dem Spiel. Besonders in altem Fleisch können sich schnell Bakterien ausbreiten, die für den Menschen und besonders Alte und Kinder eine echte Gefahr darstellen.

Fleischsteuer könnte Situation verschärfen

Wenn es jetzt zu einer Erhöhung der Fleischpreise durch beispielsweise eine erhöhte Mehrwertsteuer kommt, wächst auch der Wettbewerb unter den Metzgern. Dann könnten sich einige gezwungen sehen, zu unlauteren Maßnahmen zu greifen, um ihre Betriebe und die damit verbundenen Arbeitsplätze erhalten zu können.

Kritiker sagen zum Buch von Voll, dass es zwar ganz richtig auf die Möglichkeiten der "schwarzen Schafe" hinweist, aber auch einen unbegründeten Generalverdacht über das Gewerbe hängt. Seperatorenfleisch und Füllmasse sind in der industriellen Fleischverarbeitung schon lang und ohne Folgen für den Menschen im Einsatz. Die Frage sei, wie die Hersteller ihre Waren deklarieren.

Tipps für den sicheren Fleischkauf

Wenn Sie Sicherheit darüber haben wollen, was für Fleisch bei Ihnen auf dem Tisch landet, können sie sich entweder auf Bio-Siegel und Zertifikate verlassen oder selbst die Produktionskette kontrollieren. Wenn Ihnen die Siegel reichen, empfiehlt es sich, deren Bedeutung und den Umfang der Kontrollen online nachzuschlagen.

Selbst zu kontrollieren ist wesentlich zeit- und energieaufwendiger. Dazu müssen Sie zuerst mit ihrem Metzger oder Fleischer ins Gespräch kommen und ihn davon überzeugen, Ihnen als Kunden den Betrieb vorzuführen. Das Gleiche können sie dann bei den Lieferanten und Züchtern tun. In der Regel feiern Betriebe einmal jährlich einen "Tag der offenen Tür" an dem Kunden mit ihren Fragen gern gesehen sind.

Erst vor Kurzem kam die Diskussion darüber auf, ob bei Fleisch nicht die Mehrwertsteuer angepasst werden sollte.

luj/hos/news.de

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