22.09.2017, 15.07 Uhr

Tod durch Medikamenteneinnahme: Experte: Ibuprofen und Co. sind schädlicher als Morphium

Schmerztabletten sind auf Dauer gefährlicher als Opioid.

Schmerztabletten sind auf Dauer gefährlicher als Opioid. Bild: dpa

Palliativmediziner und Schmerzexperte Sven Gottschling hat in einem Interview mit "Focus Online" vor den gefährlichen Nebenwirkungen von Ibuprofen gewarnt. Und er geht noch weiter: Schmerztabletten sollte es generell nur auf Rezept geben, findet der Mediziner. Zudem sollten chronische Schmerzen gezielter behandelt werden. Das dauerhafte Verschreiben von Schmerztabletten sei hingegen nicht sinnvoll.

ASS, Ibuprofen, Diclofenac und Co. können gefährliche Nebenwirkungen haben

Gottschling zielt vor allem auf die oft unterschätzten Nebenwirkungen von Tabletten ab: "Viele Patienten schlucken ASS, Ibuprofen oder Diclofenac so unbekümmert wie Smarties – viel zu oft und viel zu lang. Und keiner denkt an die langfristigen Schäden. Es gibt Leute, die nehmen jahrzehntelang Ibuprofen gegen chronische Gelenkschmerzen. Sie riskieren Magen- und Darmblutungen, Nierenschäden und haben ein hohes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall."

Jährlich circa 4.000 Tote durch Schmerzmitteleinnahme

Und die Zahlen sind gravierend. Denn wie der Schmerzexperte verrät, sterben jährlich circa 4.000 Menschen durch innere Blutungen in Folge von Schmerzmittelgebrauch. Doch auch das scheinbar harmlose Paracetamol sei bedenklich. Dieses nehmen Schwangere oft, wenn sie Schmerzen haben. Dabei erzielt es dafür keine Wirkung, denn es ist ein Mittel gegen Fieber. Und es hat durchaus negative Effekte auf das Ungeborene! Es besteht ein höheres Risiko für ADHS, Asthma, Allergien und es ist schädlich für die Entwicklung der männlichen Sexualorgane, so der Experte.

Morphin ist auf Dauer weniger gefährlich als Schmerztabletten

Doch was sollte dann anders gemacht werden? Sven Gottschling hat einen auf den ersten Blick ungewöhnlichen Lösungsvorschlag: "Die meisten Ärzte und Patienten haben eine Heidenangst vor Opioiden gegen Schmerzen. Ich plädiere dagegen für einen viel häufigeren Einsatz von Morphin und ähnlichen stark wirkenden Schmerzstillern. Morphin ist für Patienten auf Dauer weniger gefährlich als Ibuprofen oder Diclofenac. Ein Opioid können chronisch Kranke ein Leben lang ohne gesundheitliche Folgen nehmen, die Schmerztabletten eher nicht."

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gea/jat/news.de
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