06.03.2016, 09.14 Uhr

Experten befürchten: "Vergessene" Krankheiten durch Flüchtlinge eingeschleppt?

Eine iranische Frau wird in der neuen Flüchtlingsambulanz in Leipzig (Sachsen) untersucht.

Eine iranische Frau wird in der neuen Flüchtlingsambulanz in Leipzig (Sachsen) untersucht. Bild: Jan Woitas / dpa

Flüchtlinge kommen oft geschwächt und mit hierzulande durch Impfungen eingedämmten oder sogar ausgerotteten Krankheiten nach Deutschland. Ankömmlinge aus Syrien litten teils an Hepatitis B, da es in ihrer Heimat oft kaum Chancen auf eine Impfung gebe, berichtet der Leiter der Münchner Aids- und Hepatitis-Tage, Hans Jäger. Erst vor knapp einem Monat war ein mit Hepatitis B infizierter Flüchtling im Klinikum Ingolstadt gestorben.

Flüchtlingskrise bringt Krankheiten: "Gesundheitlich schaffen wir das"

Zu dem Münchner Kongress werden vom 11. bis 13. März rund 1.200 Fachleute erwartet. Sie befassen sich unter anderem mit den Themen lebenslange Therapie bei HIV sowie neue Therapiekonzepte bei Hepatitis C. Ein großes Thema werden dieses Jahr die Flüchtlingskrise sowie mitgebrachte Krankheiten sein.

HIV sei hier wider Erwarten kein größeres Problem. "Wir sehen weniger Patienten mit HIV, die durch die Flüchtlingssituation auf uns zukommen, als wir zunächst befürchtet haben", sagte Jäger. Das bestätigten auch bundesweite Stichproben des Robert Koch-Instituts (RKI). Der Grund: In Syrien liege die HIV-Infektionsrate in der Bevölkerung mit 0,1 Prozent ähnlich hoch wie in Deutschland, bei Hepatitis B hingegen sei sie mit 2,3 Prozent deutlich höher. Bei Menschen mit HIV sei Tuberkulose eine besondere Gefahr.

Die allgemeine Bevölkerung sei aber nicht gefährdet, betonte Jäger. Er habe keine Sorge, dass die Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge die Kapazitäten sprengen könnte. "Gesundheitlich schaffen wir das."

Läuserückfallfieber wird unterschätzt

Unterschätzt werde etwa das Läuserückfallfieber, sagte Jäger. "Das Läuserückfallfieber hatten wir alle vergessen." Es wird von Kleiderläusen übertragen. Gerade Menschen aus Ostafrika, die monatelang auf der Flucht sind und ihre Kleidung nicht wechseln können, seien davon betroffen. In München seien bisher etwa 25 Betroffene behandelt worden. "Es hat eine Sterberate von bis zu 40 Prozent, wenn man es nicht erkennt und nicht mit Antibiotika behandelt." Das Hauptproblem sei, die Krankheit zu diagnostizieren. "Die Symptome sind wie bei Malaria: Fieber, Kopfweh, Hautausschlag."

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