08.03.2014, 09.53 Uhr

Alles straight edge?: «Don't drink, don't smoke, don't fuck»

Alkohol steht bei Straight Edgern auf der verbotenen Liste.

Alkohol steht bei Straight Edgern auf der verbotenen Liste. Bild: dpa/ Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/Archiv

Von news.de-Redakteurin Franziska Obst

Wer einem waschechten Straight Edger begegnet, würde die Einstellung, die hinter der harten Fassade steckt, wahrscheinlich keineswegs vermuten. Denn ein Großteil der gern als «Hardcore-Softies» bezeichneten Mitglieder der Straight-Edge-Szene sind tätowiert und hören aggressiven Hardcore-Punk. Doch das Sprichwort«harte Schale, weicher Kern» könnte auf keine andere Jugendkultur oder -szene besser zutreffen.

Was genau ist Straight Edge?

Straight Edge ist eine Subkultur, die von Ian MacKaye, dem Sänger der Band Minor Threat, begründet wurde. Er schrieb Anfang der 1980er Jahre den Song «Straight Edge», in dem die Zeilen «Don't drink, don't smoke, don't fuck» vorkommen. Mit seiner Band wollte er ein drogenfreies Leben propagieren, was ihm erfolgreich gelang. Er und seine Bandmitglieder sprachen sich offen gegen den Konsum von Drogen aus, aufgrund von deren selbstzerstörerischer Wirkung.

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Was bedeutet Straight Edge?

Wörtlich übersetzt bedeutet Straight Edge «gerade Kante», doch die Anhänger der Szene übersetzen es eher als«nüchterner Vorteil». Auch Marcel aus Leipzig hat diesen Vorteil für sich entdeckt. Seit Ende der 1990er Jahre, also seit er in der zehnten Klasse war, lebt er als Straight Edger.«Wie so viele habe auch ich über die Musik zu dem Thema gefunden. Erst Punk, dann Hardcore», verrät der 33-jährige Sporttherapeut im Interview mit news.de.

Doch bei Marcel war die Entwicklung hin zum Straight Edger ein schleichender Prozess und nicht etwa ein Sinneswandel von jetzt auf gleich.«Mit dem Entdecken der Musikszene kam die Erkenntnis, dass Alkohol und Betrunkensein nicht das Nonplusultra sind. Richtig geschmeckt hat es mir sowieso nie», erklärt der 33-Jährige und fügt hinzu: «Später habe ich dann den Fleischkonsum eingeschränkt, bis hin zum gänzlichen Fleischverzicht seit mittlerweile über zehn Jahren.»

Welche Regeln gelten beim Straight Edge?

Wie in jeder Szene oder Subkultur gibt es auch beim Straight Edge verschiedene Ausprägungen. Nicht jeder Anhänger verzichtet auf Nikotin, Sex und Fleisch. Auch Marcel aus Leipzig sieht sich selbst ganz pragmatisch als nicht ganz so straighten Edger. Er lebt die «Regeln» des Straight Edge eher für sich persönlich. «Captain of your own ship» lautet daher sein Motto. Er sagt nein zu Drogen, Alkohol, Fleisch und Fisch. Milch- und Eiprodukte sind bei ihm allerdings noch erlaubt.

Zudem pflegt er ein monogames Leben. Für ihn eine Selbstverständlichkeit, die eigentlich nicht einmal im Zusammenhang mit Straight Edge steht. Doch viele Anhänger der Szene legen großen Wert auf sexuelle Enthaltsamkeit beziehungsweise dem klaren Nein zu schnellen Abenteuern.

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Straight Edge: ein vernünftigeres und gesünderes Leben

Doch nicht allein der Verzicht ist das, was Straight Edge in den Augen des Leipziger Sporttherapeuten ausmacht. Er verbindet mit der Szene auch klare Ideale. «Treue, Konsequenz, Stehen zu dem, was man sagt, Vernunft und Verlässlichkeit», verrät er im Interview. Auch in Zukunft will er diesem Lebensstil treubleiben. «Ich wüsste nicht, was gegen ein konsequent vernünftigeres und gesünderes Leben sprechen sollte. Schließlich bleiben noch immer genug ungesunde Sachen übrig: Kaffee, Zucker, zuviel Kohlenhydrate, Internet und so weiter» erklärt der 33-Jährige.

Nüchtern betrachtet eine äußerst gesunde Einstellung zum Leben. Dennoch treffen viele Anhänger der Szene immer wieder auf Unverständnis bei Freunden, Bekannten oder sogar bei Verwandten. Diese Erfahrungen musste auch Marcel bereits sammeln: «Es gibt immer wieder Leute, die sich wundern, dass man keinen Alkohol trinkt oder kein Fleisch grillt. Aber das ist in Ordnung, solange diese Personen weder versuchen einen zu bekehren, noch umgekehrt ich oder irgendjemand versucht jemanden vorzuschreiben, wie man zu leben hat.»

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loc/news.de
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