Politische Stehaufmännchen

Nach seinem Rücktritt wegen der Plagiatsaffäre startet Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Amerika durch.

Nach seinem Rücktritt wegen der Plagiatsaffäre startet Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Amerika durch. Er arbeitet am Center for Strategic and International Studies und hielt zuletzt an der renommierten Yale-Universität einen gefeierten Vortrag.

Nach seinem Rücktritt wegen der Plagiatsaffäre startet Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Amerika durch. Hoffnungen, er werde mit seiner Familie nach Deutschland zurückkehren und womöglich zur Wahl 2013 wider politisch mitmischen, zerstreute Guttenberg zuletzt: «Meine Familie und ich sind dafür zu glücklich in den Staaten.» Auch der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff meldete sich mit einem Vortrag zurück. An der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg referierte er am 21. November 2012 über «Gesellschaft im Wandel». Den Sommer zuvor hatte seine Frau Bettina mit ihrer Autobiografie Jenseits des Protokolls für Schlagzeilen gesorgt. Grünen-Politiker Cem Özdemir hatte nicht immer so viel zu lachen. Für einige Zeit zog sich Özdemir aus der Öffentlichkeit zurück. 2004 wurde er ins Europäische Parlament gewählt, bevor er 2008 als Bundesvorsitzender der Grünen kandidierte und gemeinsam mit Claudia Roth die neue Doppelspitze bildete. Auch Gregor Gysi wurden 2002 die Bonusmeilen zum Verhängnis. Weil er die dienstlich erworbenen Vergünstigungen wie Özdemir für Privatreisen nutzte, trat der Linke-Politiker von allen politischen Ämtern zurück. Sein Parteikollege Oskar Lafontaine hielt es 1999 (damals noch SPD) im Kabinett Schröders nicht mehr aus und legte sein Amt als Finanzminister nach internen Querelen nieder. 2005 startete er mit der WASG sein Comeback. Weder von seiner Lähmung, verursacht durch ein Attentat 1990, noch durch die CDU-Spendenaffäre ließ sich der heutige Finanzminister Wolfgang Schäuble unterkriegen. Mit nur 30 Jahren wurde Christian Lindner 2009 zum Generalsekretär der FDP gewählt. Doch sein Stern schien nur zwei Jahre: Im Dezember 2011 erklärte er seinen Rücktritt - offiziell wegen der Parteikrise. Um SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück war es seit 2009 ruhig geworden. Nach dem Aus der großen Koalition 2009 schied er als Finanzminister aus dem Kabinett aus, legte außerdem den Vize-Bundesvorsitz der SPD nieder. CDU-Politiker Franz Josef Jung stolperte im Jahr 2000 über die Spendenaffäre seiner Partei: Auch in Hessen soll es Schwarzkonten gegeben haben. Noch eine Affäre, die zum Rücktritt führte: 1962 legte Franz-Josef Strauß (CSU) sein Amt als Verteidigungsminister nieder. Er soll in der Spiegel-Affäre Redakteure des Magazins wegen kritischer Berichterstattung angeschwärzt haben. Als der damalige Bundespräsident Horst Köhler im März 2010 seinen Rücktritt erklärte, wollte viele nicht so recht begreifen, warum. Wegen seiner Äußerungen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr war er medial angegriffen worden. Lange konnten ihm weder seine Schmiergeld- und Sex-Affären noch politische Gegner etwas anhaben: Silvio Berlusconi prägte Italien wie kaum ein anderer.
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