Wie Werbung über die Stränge schlägt

«Mehr drin als man glaubt.» Mit der dreibrüstigen Frau wollte der Media-Markt 2001 besonders viele Kunden anziehen.

«Mehr drin als man glaubt.» Mit der dreibrüstigen Frau wollte der Media-Markt 2001 besonders viele Kunden anziehen. Doch die Kampagne ging nach hinten los. Es hagelte Proteste beim Deutschen Werberat, vor allem von Frauen und Gleichstellungsbeauftragten, aber auch Männer fanden das Busenmonster unangenehm. Der Werberat sprach eine Rüge aus, das Plakat verschwand.  Seit 40 Jahren macht der Werberat inzwischen auf diskriminierende Werbung aufmerksam und rügt, wenn es sein muss, öffentlich. Ein Überblick über die Schandtaten der Werber:

«Mehr drin als man glaubt.» Mit der dreibrüstigen Frau wollte der Media-Markt 2001 besonders viele Kunden anziehen. Alle drei Rügen, die der Werberat 2012 ausgesprochen hat, waren sexistischer Natur. «Haben Sie heute schon genudelt?» lautet die Frage über einem Plakat, dass eine Frau in Reizwäsche und hochhackigen Schuhe breitbeinig vor einem Teller Nudeln mit Tomatensoße präsentiert. «Wir geben unseren Christkindern immer ein paar Flaschen zum Aufwärmen mit. Wenn ein Christkind durchnässt vor Ihrer Tür steht und nicht mehr ganz nüchtern ist, haben Sie hoffentlich Verständnis. Christkinder sind auch nur Menschen.» Dramatisch war in Zeiten der Roten Armee Fraktion eine Suzuki-Werbung für Motorräder mit dem Slogan «Die Sportskanone für Scharfschützen». «Ich träumte, ich hätte mit dem neuen Opel Manta dem Champion den Grand Prix abgejagt.» «Eigenheim ist besser als Altersheim. Man verdrängt, wie tödlich es ist, wenn alte Menschen nur zwischen Alten leben» Mit den 1980ern kam Aids. Doch der Umgang mit der Krankheit musste erst noch gelernt werden. «Was Männer brauchen (für Männer von 5 bis 105 Jahren)» «Klassiker haben immer Saison», schrieb der Hersteller neben das Bild. Doch bereits in den 1980ern begriffen die Werber, wo der Trend hinführt. Allen voran die Autobastler. Die 1990er schlossen nahtlos an. «Wir lassen Sie nicht hängen!», versprach eine Kfz-Werkstatt. «Ich mag's am liebsten mit jungem Gemüse.» Tampons dürfen bleiben. In den Nuller-Jahren fielen dann alle Schranken. Fleisch fürs Fleisch - auch diese sehr billige Kampagne der GM Fleischwaren Frischdienst bekam 2008 eine Rüge und musste ihre LKW-Planen entsorgen. Altersdiskriminierung in Reinform, fand der Werberat. Weg damit. Aber auch Adolf Hitler weckt Emotionen - und passt deshalb in das Schema von Werbung. Tödliche Werbung? Wenn Bestatter innovativ sein wollen, kann das gründlich daneben gehen.
Weitere Fotostrecken Zum Artikel