Schräge Sprachen aus Deutschland

1994 schrieb Feridun Zaimoglu (links) Kanak Sprak - 24 Misstöne vom Rande der Gesellschaft.

1994 schrieb Feridun Zaimoglu (links) Kanak Sprak - 24 Misstöne vom Rande der Gesellschaft. Darin lässt er fiktive Personen echte Monologe türkischstämmiger Jugendlicher sprechen, die sich mit dem Leben von Migranten in Deutschland beschäftigen. Sprachlich wird Kanak Sprak gerne reduziert auf «Was guckst du?» und «Bin ich Kino?», für die Sprachwissenschaftlerin Professor Heike Wiese steckt allerdings viel mehr dahinter:

Rotwelsch wurde im Mittelalter am Rand der Gesellschaft gesprochen. Masematte bedeutet auf Rotwelsch eigentlich Diebstahl oder Einbruch. Im westfälischen Münster jedoch hat es seine eigene Bedeutung als Sprache erlangt. Wer mehr als die Hälfte seiner wachen Zeit unter Tage verbringt, entwickelt wohl oder übel eigene Marotten und einen eigenen Soziolekt. 1994 schrieb Feridun Zaimoglu (links) Kanak Sprak - 24 Misstöne vom Rande der Gesellschaft. Statt Kanak Sprak sagt Heike Wiese lieber Kiezdeutsch, eine Mixtur von Deutsch mit Elementen verschiedener Migrantensprachen wie Arabisch, Albanisch, Türkisch, Russisch etc. Wer richtig tief in die Jägersprache einsteigen will, braucht das Grüne Abitur - und die Jagdprüfung ist eine echte Herausforderung. Auch Sprayer leben in einer eigenen Welt aus Aerosol-Gasen unter Kapuzen, Abstellgleisen und wunderschönen freien Mauern in möglichst düsteren Ecken. Im Gefängnisjargon findet sich noch heute das Rotwelsch wieder, gemischt mit aktuellen Jargons verschiedener Szenen. Auf See kann man sich auch fühlen wie im Knast. Zum Glück haben Seemänner ihre «Buddel» dabei (Flasche), wenn sie «Clubbing» machen. Möglichst wenige Tastenklicks für möglichst viel Information. Das ist das Ziel des Netzjargons. Im Meltingpot Pott entstand ein neues Gemisch, das als Ruhrdeutsch bekannt ist.
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