Punk gegen Putin

Der Stein des Anstoßes: Am 21. Februar hielten Pussy Riot ihr legendäres Punk-Gebet in der Erlöser-Kathedrale in Moskau ab.

Der Stein des Anstoßes: Am 21. Februar hielten Pussy Riot ihr legendäres Punk-Gebet in der Erlöser-Kathedrale in Moskau ab. Sie wagten es, für ihren Anti-Putin- und Anti-Kirchen-Song den Altarraum zu betreten, was Privatpersonen eigentlich nicht erlaubt ist.

Der Stein des Anstoßes: Am 21. Februar hielten Pussy Riot ihr legendäres Punk-Gebet in der Erlöser-Kathedrale in Moskau ab. Das ist Nadeschda Andrejewna (Nadja) Tolokonnikowa. Die 23-Jährige hat eine vierjährige Tochter. Maria Aljochina studierte Journalismus in Moskau und engagiert sich für Umweltprojekte und psychisch kranke Kinder. Ihr Sohn ist fünf Jahre alt. Jekaterina (Katja) Samuzewitsch ist 30 Jahre alt. Bei den Gläubigen, die tief geschockt waren vom Punkgebet in der Kathedrale, entschuldigte sich Pussy Riot. Manche Demonstranten forderten mit aufblasbaren Gummipuppen sogar eine schärfere Verurteilung der drei Protest-Punkerinnen. Am 17. August wurden die drei wegen Rowdytums und religiösem Hass schuldig gesprochen und zu je zwei Jahren Straflager verurteilt. Maria Alekhina, Katja Samuzewitsch und Nadja Tolokonnikowa am 1. Oktober. Die Berufungsverhandlung wurde auf den 10. Oktober vertagt, weil Samuzewitsch ihre Anwälte feuerte. Sie erhalten Unterstützung aus der ganzen Welt. Hier ein Demonstrant vor der Kathedrale in St. Petersburg. Yoko Ono positionierte sich an der Seite der Punk-Protestlerinnen. Hier ist sie mit Mann und Tochter von Nadia Tolokonnikova zu sehen. Auch Paul McCartney protestierte gegen die Haft der drei Musikerinnen. Der ehemalige Schachweltmeister und russischer Oppositionsaktivist Garry Kasparov demonstrierte am 17. August gegen das Urteil und wurde selbst festgenommen. Das ist die russische Künstlerin Yevgenia Maltseva, die am 20. September in ihrer Moskauer Kunstgallerie eine von Pussy Riot inspirierte Ausstellung eröffnete. Pussy Riot und Putin, größer könnten Gegensätze in Russland derzeit nicht sein. In einem Video der Band, in dem sie sich auch bei Madonna für ihre Unterstützung bedanken, brennt ein Porträt des Präsidenten. Das russische Magazin Snob verlieh den drei Frauen Mitte September den Preis für das beste Kunstprojekt. Symbol des Soidaritätsprotestes sind die kunterbunten Hasskappen, wie sie auch die Mitglieder der Band bei ihren Auftritten tragen. An einem ehemaligen Frauengefängnis in Berlin vollführte im September die russische Künstlerin Margo Trushina eine Solidaritäts-Performance. Auch das Berliner Ensemble positioniert sich. Nach der Verurteilung der drei Bandmitglieder im August hisste man auf dem Dach die Fahne mit dem Schiller-Satz «Die Kunst ist die Tochter der Freiheit» Pussy-Riot-Masken auch vor dem Brandenburger Tor... Dieses riesige Protestplakat brachte bunt vermummte auf dem Grossmünster in Zürich an. Bei der Mülltonnen-Weltmeisterschaft in Hermeskeil nahe Trier war am 19. August auch ein Team Free Pussy Riot am Start. Auch New Yorker fühlen sich Pussy Riot verbunden und versammeln sich am Tag des Urteils auf dem Times Square. Ein Demonstrant in Moskau hat seine Handpuppe als Punk-Protestlerin verkleidet. Auch nach Toronto ist das Symbol der bunten Maske vorgedrungen. Ein Kanadier tut seinen Unmut vor dem russischen Konsulat kund. Diese polnischen Frauen lassen in Warschau Papierflieger für die Freiheit der drei Punkerinnen fliegen. Das Recht, anders zu denken, fordert Jonathan Gomes vor der russischen Botschaft in New York ein. Doch auch im demokratischen Amerika kommt es bei Solidaritätsdemos zu Festnahmen.
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