18.02.2019, 14.49 Uhr

Berlinale 2019 via TV + Live-Stream: 69. Berlinale hat begonnen - diese Filme sind Thema auf dem internationalen Filmfestival

Festivaldirektor Dieter Kosslick führt zum letzten Mal durch die Internationalen Filmfestspiele, die als

Festivaldirektor Dieter Kosslick führt zum letzten Mal durch die Internationalen Filmfestspiele, die als "Berlinale" am 7. Februar in Berlin beginnen. Bild: Jörg Carstensen / picture alliance / dpa

Berlinale zeigt US-Film «Vice» mit Christian Bale

Bei der Berlinale wird es am Montag, dem 11. Februar, wieder einmal politisch. In dem US-Film "Vice - Der zweite Mann" erzählt Adam McKay die Geschichte des einstigen amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney. Die Hauptrolle spielt der Brite Christian Bale, der sich darin mit Extra-Pfunden und Maske gekonnt verwandelt.

Bei den Filmfestspielen läuft die Produktion außer Konkurrenz. "Vice" hat bereits Bale einen Golden Globe eingebracht und ist im Rennen um die Oscars mit acht Nominierungen dabei. Deutscher Kinostart ist am 21. Februar. Zur Vorstellung im Berlinale-Palast wird abends der Filmnachwuchs geehrt. Unter den zehn europäischen Shooting Stars ist auch die deutsche Schauspielerin Emma Drogunova.

In der Berliner Wettbewerbskonkurrenz starten Filme aus Kanada und der Türkei: "Répertoire des villes disparues (Ghost Town Anthology)" von Denis Côté und "Kiz Kardesler (A Tale of Three Sisters)" von Emin Alper. Côté erzählt in dem kanadischen Drama, was nach einem Autounfall in einem Dorf in Quebec passiert. Laut Berlinale wurde der Film auf 16 Millimeter gedreht, um die unwirkliche Stimmung zu verstärken.

Der türkische Film spielt in einem abgelegenen Dorf in Anatolien, versprochen wird ein Märchen mit "eindringlichen Bildern". Regisseur Alper thematisiere "eine Gesellschaft, in der weder Frauen noch Männer eine Chance haben, den vorbestimmten Kreislauf zu durchbrechen, und lässt dennoch Raum für Hoffnung".

In der Festivalreihe Panorama führt "Skin" in die amerikanische Neonazi-Szene. Der israelische Regisseur Guy Nattiv erzählt darin die Geschichte des Szeneaussteigers Bryon Widner. Einen Kinomarathon gibt es bei dem Berlinale-Special "Watergate - Or: How We Learned to Stop an Out of Control President". Der Oscar-Preisträger Charles Ferguson rekonstruiert darin in 260 Minuten den berühmten Skandal, der 1974 den US-Präsidenten Richard Nixon zu Fall brachte.

Missbrauchsfilm von Ozon unter "falschem Titel" gedreht

Der französische Regisseur François Ozon ("8 Frauen") hat seinen Berlinale-Wettbewerbsfilm "Grâce à Dieu" ("Gelobt sei Gott") über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche unter einem Arbeitstitel gedreht. "Der Film wurde zunächst unter einem falschen Titel gedreht", sagte Produzent Nicolas Altmayer am Freitag vor der Premiere des Films in Berlin, "darin war überhaupt nicht die Rede von diesen barbarischen Taten."

Co-Produzent Eric Altmayer berichtete zudem von Problemen mit dem Geld. "Der Film war nicht so ganz einfach zu finanzieren, das kann man sich vorstellen bei dem Thema", sagte er. "Auch eher klassische Filmpartner wollten nicht finanzieren aufgrund des Themas, obwohl sie die anderen Filme von Ozon vorher unterstützt hatten."

"Wir haben gar nicht versucht, einen Finanzierung in Lyon zu bekommen, weil die Stadt sehr katholisch und die Mächtigen in Lyon sehr eng mit der Kirche verwoben sind", sagte Ozon, der das fünfte Mal im Wettbewerb dabei ist. "Wir wollten uns da keine Zensur auferlegen und frei arbeiten können."

Die Wahl des Themas begründete Ozon mit seiner bisherigen Arbeit: "Ich habe viele Filme gemacht mit starken Frauen, und ich wollte schon lange einen Film machen über Männer, die ihre Gefühle und Emotionen ausdrücken." Eines Tages sei er zufällig auf die Geschichte gestoßen. Dabei geht es um einen Priester in Frankreich, der in den 1980er Jahren gegen Dutzende Kinder übergriffig geworden sein soll. Aktuell läuft ein Prozess gegen den mächtigen Erzbischof von Lyon und fünf weiteren Geistliche wegen Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen. Es gebe zwar das laufende Verfahren, aber er denke, der Film habe keinen Einfluss darauf, sagte Ozon. Alles, was er erzähle, sei in französischen Medien schon veröffentlicht.

Nora Fingscheidt auf der Berlinale: "Jetzt muss der Film seinen eigenen Weg gehen"

Mit ihrem Spielfilmdebüt "Systemsprenger" hat es die deutsche Regisseurin Nora Fingscheidt auf Anhieb in den Berlinale-Wettbewerb geschafft - eine spannende Erfahrung für die 35-Jährige. "Ich bin schon aufgeregt und freue mich gleichzeitig, das geht Hand in Hand", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur vor der Premiere des Films am Freitagabend. "Ich weiß nicht, ob jetzt noch etwas schief gehen kann, denn der Film ist fertig." Dass er nicht rechtzeitig fertig werde, sei ihre größte Sorge gewesen. "Ich denke mir, jetzt muss der Film seinen eigenen Weg gehen. Ob Leute ihn mögen, das liegt nicht mehr in meiner Hand."

"Systemsprenger" ging am Freitag als erster deutscher Wettbewerbsbeitrag in das diesjährige Rennen um den Goldenen Bären. Die im niedersächsischen Braunschweig geborene Fingscheidt ist eine von sieben Regisseurinnen im Wettbewerb. Der Film erzählt von der neunjährigen Benni, die nicht bei ihrer überforderten Mutter leben kann und immer wieder gegen das Sozialsystem rebelliert.

Letzter deutscher Beitrag "Ich war zuhause, aber" startet im Berlinale-Wettbewerb

Die Berlinale geht am Dienstag mit dem letzten deutschen Wettbewerbsbeitrag, einer Romanverfilmung des Mafia-Kritikers Roberto Saviano und abendlichem Starrummel weiter.

Regisseurin Angela Schanelec, eine der bekanntesten Vertreterinnen der sogenannten Berliner Schule, präsentiert ihren Film "Ich war zuhause, aber". Es ist der dritte deutsche Beitrag im Rennen um die Bärenpreise. Der Film erzählt davon, wie eine Familie mit einem Verlust umgeht. Mit dabei sind Maren Eggert, die schon mehrere Filme mit Schanalec gedreht hat, sowie Franz Rogowski, der Shooting Star der Berlinale 2018.

Im Wettbewerb startet außerdem "La Paranza dei Bambini (Piranhas)" nach dem Roman von Mafia-Kritiker Roberto Saviano (19.00 Uhr), der auch das Drehbuch geschrieben hat. Regisseur Claudio Giovannesi zeigt das Leben von Nicola und seinen Freunden. Die 15-Jährigen leben in Sanità, einem Viertel von Neapel, in dem sie die Kontrolle übernehmen wollen - koste es, was es wolle. Es sei eine "erschütternde Bestandsaufnahme einer Jugend im Dauerkriegszustand, gespielt von Laiendarstellern aus dem Viertel", heißt es im Programmtext.

Starrummel gibt es dann am Abend, wenn Catherine Deneuve zur Premiere (22.00 Uhr) von "L'adieu à la nuit (Farewell to the Night)" auf dem roten Teppich erwartet wird. Der Beitrag läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz.

In der Reihe Berlinale Special zeigt Schauspieler Mario Adorf (88) in einer Dokumentation ("Es hätte schlimmer kommen können - Mario Adorf") die wichtigsten Stationen seines Lebens. Als Berlinale Special Gala wird das Familiendrama "The Boy Who Harnessed the Wind" von und mit Chiwetel Ejiofor präsentiert.

Der Goldene und die Silbernen Bären werden am kommenden Samstag verliehen. Das Festival, dessen Leitung Dieter Kosslick nach 18 Jahren abgibt, geht dann am Sonntag mit dem traditionellen Publikumstag zu Ende.

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loc/kad/news.de/dpa
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