30.07.2015, 07.17 Uhr

"Doctor Who", Staffel 9: Interview mit Peter Capaldi und Jenna Coleman zum Staffelstart im September

Von news.de-Redakteurin Susett Queisert

Am 19. September 2015 wird es die Premiere der ersten Folge der 9. Staffel von "Doctor Who" im britischen Fernsehen geben. Die deutschen Fans müssen sich noch bis Dezember gedulden, bis die Folgen auf dem Bezahlsender FOX Channel ausgestrahlt werden.

Draußen sind 30 Grad im Schatten, doch der Konferenzraum des Waldorf Astoria am Berliner Zoo ist angenehm temperiert. Genau richtig, um den Darstellern der Kultserie "Doctor Who", Peter Capaldi und Jenna Coleman, 25 Minuten Löcher in den Bauch zu fragen. News.de-Redakteurin Susett Queisert war dabei und traf die beiden Briten zum Interview.

Peter, Sie sind ein riesiger "Doctor Who"-Fan. Waren Sie nervös, dass Sie die großen Erwartungen der Fans nicht erfüllen könnten?

Peter Capaldi: Ich war sehr nervös wegen der Rolle, aber ich habe nicht wirklich über die Erwartungen der Fans nachgedacht. Das ist nicht sehr nützlich. Es würde mich nur noch nervöser machen. Ich habe versuche einfach, die Rolle so gut ich kann zu spielen.

Doctor Who (Peter Capaldi, vorn) und Clara (Jenna Coleman, rechts) müssen sich auch in der neunten Staffel vielen Abenteuern entgegen stellen.

Doctor Who (Peter Capaldi, vorn) und Clara (Jenna Coleman, rechts) müssen sich auch in der neunten Staffel vielen Abenteuern entgegen stellen. Bild: polyband/BBC

Braucht es Mut, diesen viel geliebten Charakter zu verändern?

Capaldi: Ich glaube nicht, dass er sich sehr verändert hat. Ich fühlte mich sehr geehrt, die Rolle zu übernehmen. Aber es war beängstigend und erschreckend, aber zum Glück war Jenna (Coleman) eine tolle Unterstützung, Hilfe und ein Freund für mich, und ich war sehr glücklich, dass sie ihre Rolle bereits spielte, als ich ankam. Sie machte es zu einer sehr angenehmen Erfahrung sowie zu einer Herausforderung.

Also, wie war es, die TARDIS zum ersten Mal zu sehen?

Capaldi: Ich sah die TARDIS bereits einmal, als David Tennant noch der Doctor war, in einer Episode namens "Fires of Pompeii". Ich dachte, das wäre meine einzige Berührung mit Doctor Who gewesen. So war ich sehr froh, dass sie mich gebeten hatten, der Doctor sein. Für "Fires of Pompeii" boten sie mir die Rolle an und ich habe nicht einmal das Drehbuch gelesen und wollte sie einfach machen. Aber meine Frau sagte: "Du bist ein professioneller Schauspieler. Du musst das Drehbuch lesen und sehen, wie es ist." David war großartig. Er zeigte mir die TARDIS, das fand ich damals sehr bewegend, aber ich wusste nicht, dass ich sie ein paar Jahre später selber "fliegen" würde. Sie ist ein sehr wunderbarer Ort. Und ich erkannte auch, wie beliebt die Show auf der ganzen Welt ist und es ist interessant, all die Fans zu treffen.

Jenna, wie würden Sie Ihre Beziehung mit dem Doctor charakterisieren?

Jenna Coleman: Ich denke, Clara ist sein Gewissen und sein moralischer Kompass. Vielleicht sogar seine Lehrerin in sozialen Fähigkeiten, die ihm beibringt, wie man mit Menschen interagiert. Ich denke, Peters Doctor ist viel mehr ein Außerirdischer als die Doktoren, die wir zuvor gesehen haben. Clara hilft ihm, zu integrieren. Sie haben eine lange Geschichte. Sie ist der Begleiter, der es in all seinen Regenerationen da gewesen ist. Sie ist eine langjährige Freundin.

Können Sie uns ein wenig über Ihre Reise von Clara Oswald, von dem unmöglich Mädchen zur Schullehrerin, erzählen?

Coleman: Mit dem unmöglichen Mädchen kannten wir Clara nicht so gut wie wir sie jetzt kennen. Sie musste ihr Geheimnis vor dem Publikum und vor dem Doctor verbergen, so dass wir nicht wirklich viel von ihr erfuhren. Staffel 8 erlaubt uns die Freiheiten, mehr von ihrem Leben, ihrem Zuhause und was sie abseits des Doctors macht zu erfahren. Man erlebt auch ihre zwei Leben, die sie unter einen Hut zu bringen versucht, aber gleichzeitig auch genießt. Wir konnten endlich ihr häusliches Leben etwas mehr erkunden, während wir in der kommenden Staffel 9 viel ortsgebundener sind. Es wird viel mehr über das Leben in der TARDIS und den Besuch von so viele Planeten und Orte wie möglich gehen.

Jenna und Peter, welche Charaktereigenschaften Ihrer Rollen mögen Sie und welche nicht?

Coleman: Irgendwie mag ich meine schlechten Eigenschaften. Clara ist wirklich makelhaft, egoistisch und stur. Ein Kontrollfreak. Und zur gleichen Zeit ist sie freundlich, mutig, abenteuerlustig und romantisch. Aber ich mag die Tatsache, dass sie nicht frei von Fehlern ist.

Capaldi: Es gibt keine Eigenschaft, die ich nicht mag. Ich mag alles, was er tut. Ich mag die Tatsache, dass er schwierig und distanziert ist. Manchmal freundlich, manchmal unbeholfen, manchmal arrogant. Ich mag alles. Und alle von diesen.

Jenna Coleman spielt die Begleitung des Doctors, Clara Oswald.

Jenna Coleman spielt die Begleitung des Doctors, Clara Oswald. Bild: FOX Channel

Waren Sie sich sicher, dass ein älterer, dunkler Doctor von Anfang an funktionieren würde oder gab es Zweifel?

Capaldi: Nein, ich hatte keine Ahnung. Man kann ja bei den Zuschauern nicht nachfragen. Man kann nicht mit einer Version des Doctor ankommen, die nur gut für Marketing ist. Man muss herausfinden, wie man sich als Schauspieler in dieser Rolle fühlt und versuchen, ehrlich zu wirken, während man zeitgleich die Rolle spielt, die Steven (Moffat) schrieb. Matt Smith, den ich sehr mag, war ein sehr zugänglicher und freundlicher Doctor, so dass wir automatisch versuchten, ein bisschen weniger davon zu sein. Aber ich denke, das ist in Ordnung.... Ich denke, es ist wichtig, nicht das Publikum zu fragen, was sie wollen. Sie müssen für sich selbst herausfinden, ob es ihnen gefällt oder nicht.

Die Show ist in der ganzen Welt populär geworden. Glauben Sie, es hat etwas mit den veränderten Fernsehgewohnheiten und neuen Möglichkeiten wie TV-Online-Streaming zu tun?

Capaldi: Ja, die Art, wie Menschen fernsehen, ist jetzt ganz anders. Sie haben überall Zugriff auf alle Arten von Sendungen, über verschiedene Plattformen und können wann immer und wo immer sie wollen fernsehen. Das hilft einer Sendung wie der unseren, die so eine Art "Kult" wird. Die Menschen neigen dazu, "Doctor Who" zu entdecken und das ist eine ruhige, private Sache und sie wollen nicht unbedingt, dass daraus eine große Fan-Sache wird, von der andere Leute wissen. Vor allem, weil die Sendung in ihrer Geschichte eine lange Zeit unter dem Radar gewesen ist und Personen sie ohne Anerkennung geliebt haben. Es gab Zeiten, in der man sich rebellisch fühlte wenn man drin war oder man war als Fan keines der coolen Kinder. Jetzt ist es wirklich cool, das ist schön!

Was denken Sie ist der entscheidende Unterschied zwischen der neuen und der alten Show? Sind die Skripte heute besser als früher?

Capaldi: Das Tolle an der Sendung ist, dass sie den Geist der alten Serie weiterführt, aber die technischen Fähigkeiten des modernen, digitalen Zeitalters hat. Wir haben CGI und wunderbare Make-ups und Kostüme. Du kannst die Serie heute nicht wie damals produzieren. Die alte Serie konnte immer nur geschaut werden, wenn sie übertragen wurde, das war's. Es gab keine Video-Industrie und man erwartete nicht, dass die Serie im Detail stimmt. Eine Episode existierte nur für 25 Minuten an einem Samstagabend. Ich werde verärgert, wenn manche Leute unfreundliche Dinge über die damalige Produktion sagen. Die frühere Serie hatte nicht viel Geld und die Produzenten nicht viel Zeit - aber sie hatten viel Phantasie. Und es waren die Vorstellungskraft und die Bilder, welche die Kinder begeistert haben. Ich war ein Kind, als "Doctor Who" begann, und es hat meine Phantasie beflügelt.

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Können Sie uns einige Geheimnisse der kommenden Staffel verraten?

Coleman: Wikinger!

Capaldi: Ja, Wikinger. Sehr gut!

Coleman: Unser Geheimnis Nummer eins.

Capaldi: Sie sind echte Wikinger! Sie sind keine Roboter-Wikinger oder Weltraum-Wikinger.

Coleman: Tatsächliche Wikinger!

Coleman: In der Wikingerzeit auf der Erde. Das ist super! Und das, als wir ... ähm ... .noch mehr Wikinger trafen. (Capaldi und Coleman lachen)

Wie beängstigend ist es für einen Schauspieler, plötzlich das Gesicht eines solchen Phänomens sein?

Coleman: Ich erinnere mich, dass Matt es wie einen Güterzug beschrieb, auf den man aufspringt. Und genauso fühlte es sich an. Sobald man mit den Dreharbeiten beginnt, genießt man den Job so sehr, dass man jeden Tag auf Arbeit geht und die Geschichten genießt. Es macht so viel Spaß. Die Dreharbeiten dauern nur sehr lang.

Capaldi: Ich versuche, aus dieser Höhe nicht nach unten zu schauen. Wenn ich mir zu sehr Gedanken machen würde um das Ausmaß der Beliebtheit der Serie, würde ich schnell ein komplizierter Mensch für meine Zeitgenossen werden und abheben. Ich glaube, es ist keine sehr natürliche Situation, dies zu erkennen. Ich fragte David Tennant, was sich für mich ändern wird. Er sagte mir, dass ich unglaublich präsent werde. Zu Hause, in England, heißt das, dass man im Supermarkt oder wo auch immer wie der Doctor aussieht, und die Leute starren einen die ganzen Zeit an. Aber es ist in Ordnung. Man bekommt eine Menge Zuneigung.

Themen: Interview
Seiten: 12
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