28.09.2018, 11.50 Uhr

Ryanair-Streik September 2018 aktuell: Fast 40 Prozent der Ryanair-Flüge in Deutschland abgesagt

Passagiere von Ryanair müssen sich zum Beginn der Herbstferien in einigen deutschen Bundesländern auf weitere Streiks einrichten.

Passagiere von Ryanair müssen sich zum Beginn der Herbstferien in einigen deutschen Bundesländern auf weitere Streiks einrichten. Bild: dpa/Marcel Kusch

Passagiere des Billigfliegers Ryanair sind an diesem Freitag erneut von Streiks des fliegenden Personals betroffen. Gewerkschaften in sechs europäischen Ländern haben zu der neuerlichen Streikwelle aufgerufen. In Deutschland beteiligen sich die Piloten der Vereinigung Cockpit (VC) und die bei Verdi organisierten Flugbegleiter.

Der erneute Streik der Flugbegleiter und Piloten trifft den Billigflieger Ryanair stärker als zunächst angekündigt. Laut einer Flugplan-Auswertung des Portals "Airliners.de" hat die irische Gesellschaft bis zum Freitagvormittag 133 Verbindungen von und nach Deutschland gestrichen. Das wären knapp 40 Prozent des üblichen Angebots. Am Freitag teilten die Iren mit, dass europaweit 90 Prozent ihrer Flüge stattfänden und 400.000 Passagiere befördert würden. Daraus ergibt sich eine Zahl von rund 250 Absagen. Am Morgen seien sämtliche noch geplanten Flüge gestartet, teilte das Unternehmen mit.

Ryanair-Streik in Berlin-Schönefeld, Frankfurt, Weeze und Hamburg

 

Besonders viele Starts (26) wurden der "Airliners"-Auswertung zufolge in Berlin-Schönefeld abgesagt. In Frankfurt waren es 10, in Weeze 9 und in Hamburg 8. Keine Flugstreichungen wurden für Memmingen, München, Nürnberg, Stuttgart und Baden-Baden registriert. Dazu kommen noch ausgefallene Flüge aus dem Ausland mit deutschen Zielen, weil auch in anderen europäischen Ländern gestreikt wird. Die Zahlen könnten sich im Laufe des Tages noch erhöhen.

Ryanair-Streik 2018 aktuell: Fluggesellschaft streicht am Freitag 150 Flüge

Das Unternehmen hatte zunächst vergleichsweise wenige Flüge für den Freitag gestrichen, der auf den Ferienbeginn in einigen deutschen Bundesländern fällt. Neben 150 abgesagten Europaflügen sollten nach Aussage von Marketing-Chef Kenny Jacobs noch einmal 35 bis 45 Verbindungen von und nach Deutschland gestrichen werden. Später hieß es dann auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, es seien nach der VC-Ankündigung "weniger als 100" Flüge abgesagt worden.

Eine Gewerkschaftsvertreterin nannte am frühen Freitagmorgen deutlich höhere Zahlen. Man rechne im Laufe des Tages mit deutschlandweit 250 gestrichenen Flügen, sagte Mira Neumaier von Verdi. Die Streikbeteiligung sei sehr hoch. "Es gab starke Einschüchterungen seitens des Unternehmens. Insofern ist es großartig, dass sich die Kollegen beteiligen", so Neumaier.

Ryanair-Streik September 2018 von Freitag, 28. September 2018 bis Samstag, 29. September 2018

VC teilte mit, der Streik solle von Freitag 03:01 Uhr bis Samstag 02:59 Uhr dauern. Betroffen seien alle Verbindungen, die in dieser Zeit aus Deutschland abfliegen sollen.Bereits am Mittwoch hatte Ryanair für Freitag 150 Europa-Flüge abgesagt. Diese Zahl erhöhe sich noch einmal um 35 bis 45 Streichungen, weil kurzfristig die VC ihre Teilnahme an dem Streik bekanntgegeben hatte. Das wären nur rund 10 Prozent des für Deutschland geplanten Programms. Eine Streichliste wurde erneut nicht veröffentlicht, dafür sollen betroffene Passagiere individuell informiert werden.

Die Vereinigung Cockpit bezweifelte, dass es nur zu geringen Auswirkungen auf den Flugverkehr kommen werde: "Es werden deutlich mehr als 35 Flüge ausfallen", sagte VC-Sprecher Janis Schmitt. Beim letzten Streik der Piloten hatte Ryanair in Deutschland 150 von 400 Flügen abgesagt.

Die Gewerkschaft VC begründete ihren Aufruf damit, dass Ryanair seit dem vergangenen Arbeitskampf am 12. September kein verbessertes Angebot gemacht habe. Zudem sei bislang keine Schlichtungsvereinbarung zwischen der Fluggesellschaft und der Vereinigung Cockpit erzielt worden.

Verdi lehnt Entgeltangebot ab

Das jüngste Entgeltangebot, das binnen vier Jahren drei Erhöhungen des Monatslohns um je 40 bis 60 Euro vorsieht, wollte Verdi nicht annehmen. Das Angebot entspreche in etwa einem Inflationsausgleich, hatte Verhandlungsführerin Mira Neumaier erklärt. Man strebe aber eine spürbare Annäherung an das Gehaltsniveau vergleichbarer Billig-Fluggesellschaften an.

Ryanair sieht sich seit Monaten teils koordinierter Streiks sowohl der Piloten als auch der Flugbegleiter in verschiedenen europäischen Ländern ausgesetzt. Das Personal will höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen nach dem jeweiligen nationalen Recht erreichen.

Unabhängig von der Streikentscheidung plant Verdi für Freitag Kundgebungen an den Flughäfen in Frankfurt (11.00 Uhr) und Berlin-Schönefeld (9.30 Uhr).

Betroffene Passagiere wurden bereits informiert

Die bisherigen 150 Flugabsagen machen laut Ryanair rund 8 Prozent des für Freitag geplanten Verkehrs aus. Betroffen seien etwa 30.000 von 450.000 Passagieren, die an diesem Tag mit Ryanair fliegen wollen. Die betroffenen Fluggäste seien bereits informiert worden. Alle übrigen Flüge fänden statt. Eine genaue Streichliste veröffentlichte Ryanair erneut nicht. Wie viele Flüge von und nach Deutschland unter den Absagen sind, konnte daher zunächst nicht genau gesagt werden.

Marketing-Chef von Ryanair entschuldigt sich

Der Marketing-Chef von Ryanair, Kenny Jacobs, entschuldigte sich bei den betroffenen Kunden und warnte vor den Folgen des Arbeitskampfes. "Diese wiederholten unnötigen Streiks schaden dem Geschäft von Ryanair und unseren Kunden in einer Zeit, in der die Ölpreise stark steigen", erklärte er. "Wenn sie andauern, ist es unvermeidlich, dass wir uns in diesem Winter und im Sommer 2019 erneut mit unserem Kapazitätswachstum auseinandersetzen müssen."

Bessere Arbeitsbedingungen gefordert

In Italien hat es der Billigairline zufolge derweil eine Einigung auf einen Tarifvertrag mit drei Gewerkschaften für das Kabinenpersonal gegeben. Der Vertrag nach italienischen Rechtsvorschriften gelte ab dem 1. Oktober, laufe drei Jahre und sehe unter anderemhöhere Löhne vor, berichtete die Fluggesellschaft. Mindestens eine Kabinengewerkschaft und eine Pilotenvereinigung unterstützen aber den geplanten Streik.

Mitte September hatten sich die drei italienischen Gewerkschaften FITCISL, ANPAC und ANPAV mit Ryanair auf wesentliche Punkte des Vertrages geeinigt. Von den Gewerkschaften gab es zunächst kein Statement. Italien gehört zu Ryanairs größten Märkten in Europa.

Ryanair sieht sich seit Monaten wiederholter und teils koordinierter Streiks sowohl der Piloten als auch der Flugbegleiter in verschiedenen europäischen Ländern ausgesetzt. Das Personal will höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen nach dem jeweiligen nationalen Recht erreichen.

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sba/news.de/dpa
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