11.05.2018, 09.51 Uhr

Fünf Jahre Tarifstreit: Gibt Amazon nach den Streiks durch Verdi auf?

Schon seit fünf Jahren finden die Streiks bei Amazon satt. Das Unternehmen weigert sich nach wie vor, den Tarifvertrag einzuführen.

Schon seit fünf Jahren finden die Streiks bei Amazon satt. Das Unternehmen weigert sich nach wie vor, den Tarifvertrag einzuführen. Bild: dpa

Fünf Jahre Arbeitskampf bei Amazon: Der Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Versandhandelsriesen aus den USA hat sich zum Dauerbrenner unter den Tarifstreits in Deutschland entwickelt. Als Verdi nach den Warnstreiks am 14. Mai 2013 erstmals zu regulärem Arbeitsausstand aufrief, waren Bad Hersfeld und Leipzig die ersten Streik-Standorte; weitere schlossen sich danach an. Die Bilanz ist so verschieden wie die Interessen.

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Verdi und Amazon nehmen Erfolge für sich in Anspruch

Der Versandhandelsriese versichert, auch ohne Tarifvertrag ein guter Arbeitgeber zu sein. Eine Unternehmenssprecherin erklärt: Amazon zahle in den elf deutschen Logistikzentren am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist, an allen Standorten bundesweit mindestens 10,52 Euro brutto pro Stunde. Hinzu kämen einige Extras.

Die Gewerkschaft hingegen glaubt, viele Verbesserungen an den deutschen Standorten befördert zu haben und schreibt sich die Erfolge auf die eigene Fahne: Lohnerhöhungen, Weihnachtsgeld, Betriebsräte und einen anderen Umgang des Konzerns mit den Beschäftigten. Doch das Ziel, Verhandlungen über einen Tarifvertrag zu erwirken, hat Verdi bislang verfehlt.

Die Gewerkschaft gibt die Streiks nicht auf 

Jetzt erneuert die Gewerkschaft Verdi ihre Kampfansage. "Wir bleiben dran und haben uns auf einen lang anhaltenden Konflikt eingestellt. Das Selbstbewusstsein der Belegschaft ist enorm gewachsen. Wer dicke Bretter bohren will, darf eben nicht nach den ersten Zentimetern aufhören", sagte Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied für den Bereich Handel in Berlin, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Nutzenbergers Einschätzung ist der Konflikt mit Amazon besonders bedeutend: "Wir befinden uns bei Amazon in einem Kulturkampf mit einem Unternehmen, das Gewerkschaften aus dem Betrieb halten und Löhne sowie Arbeitsbedingungen diktieren will." Auf die Mitgliederzahlen der Gewerkschaft wirken sich die Streiks bei Amazon jedenfalls positiv aus. "Bei Amazon ist Verdi zunehmend erfolgreich. Deshalb entscheiden sich immer mehr Beschäftigte, Mitglied zu werden", sagte Nutzenberger.

Verdi mit harten Gegenstimmen von Experten konfrontiert

Wie sind nun die Perspektiven für Verdi? Eine Antwort hat Handelsfachmann Thomas Roeb (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg): "Ohne Gesichtsverlust kommt Verdi aus dem Arbeitskampf nicht heraus. Aber auf der anderen Seiten sind die Streiks schon zum Ritual geworden. Man kann den Eindruck gewinnen, dass sie für Verdi auch der eigenen Öffentlichkeitsarbeit dienen." 

Handelsexperte Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Niederrhein, sagt: "Wenn die Gewerkschaft Verdi nach fünf Jahren ihr Ziel nicht erreicht hat, wird es auch in Zukunft nicht klappen. Verdi beißt sich an Amazon wie an einer harten Nuss die Zähne aus. Sie sollten es einfach sein lassen mit den Streiks."

Kampf weitet sich auf Europa aus

Wenn in Deutschland gleich mehrere Standorte von Streiks betroffen seien, gebe es Möglichkeiten das Arbeitsaufkommen im europaweiten Logistiknetzwerk mit mehr als 40 Verteilzentren zu delegieren, erläutert Amazon. Verdi auf der Gegenseite ist laut Nutzenberger ebenfalls auf einem "guten, gemeinsamen Weg", sich europaweit mit anderen Gewerkschaften zu vernetzen, um gegen die Ausweichmanöver vorzugehen.

Die Arbeitsbedingungen verlangen den Beschäftigen einiges ab. "Das Arbeitsklima bei Amazon wird als sehr negativ empfunden", berichtet Mechthild Middeke, Verdi-Sprecherin in Hessen, zuständig für den größten deutschen Amazon-Standort in Bad Hersfeld. Über technische Mittel wie den Handscanner würden die Produktivität der Beschäftigten überwacht und Inaktivität registriert.

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scs/rut/news.de/dpa
Themen: Amazon, Streik
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