07.03.2018, 14.18 Uhr

Berufsausbildung: Fast 50.000 Azubis gesucht - Flüchtlinge füllen erste Lücken

Aufgrund von Lehrlingsmangel können viele Flüchtlinge einen Beruf erlernen.

Aufgrund von Lehrlingsmangel können viele Flüchtlinge einen Beruf erlernen. Bild: dpa

Nach jahrelangem Lehrlingsschwund steigen die Ausbildungszahlen im Handwerk dank junger Flüchtlinge. Nach den bisher vorliegenden Zahlen ist der leichte Anstieg der Lehrverträge im vergangenen Jahr darauf zurückzuführen, dass viele Asylbewerber eine Ausbildung begonnen haben. Nach Einschätzung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks jedoch erschweren nach wie vor bürokratische Hürden die Anstellung von Flüchtlingen. "Für die Betriebe ist nur wichtig, dass sie Rechtssicherheit haben. Das ist bis heute nicht in allen Fällen gewährleistet", sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

Lehrlingsmangel in Deutschland - Flüchtlinge können Beruf erlernen

In Nordrhein-Westfalen etwa stellten die Handwerker im vergangenen Jahr 29 282 Lehrlinge ein, 803 mehr als im Vorjahr, wie Andreas Oehme mitteilte, Geschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags. Unter diesen Auszubildenden waren 1527 Flüchtlinge, dreimal so viele wie im Vorjahr. Ohne Flüchtlinge hätte es in NRW also ein Minus gegeben.

Der Lehrlingsmangel betrifft keineswegs nur das Handwerk. In Bayern etwa wurden nach Zahlen des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) 2017 insgesamt 53 380 neue Lehrverträge in den nichthandwerklichen Branchen abgeschlossen, davon rund 2700 mit Flüchtlingen. Das waren fünf Prozent der neuen Azubis.

Bundesweit liegen bisher lediglich die Zahlen zum Stichtag 30. September 2017 vor, auch diese deuten in die gleiche Richtung: Das Bundesinstitut für Berufsbildung zählte über alle Branchen 2600 Bewerber mehr als im Vorjahr, obwohl die Zahl der Schulabgänger nach wie vor sinkt - auch das lag an der gestiegenen Zahl von Flüchtlingen.

Fast 50.000 unbesetzte Ausbildungsstellen

Dennoch können sehr viele Lehrstellen nicht besetzt werden. Laut Bundesinstitut waren zum 30. September knapp 49 000 Lehrstellen frei, so viele wie seit 1994 nicht mehr. Die Handwerker leiden besonders stark. So war in Bayern zum 30. September 2017 nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sogar fast jede fünfte Lehrstelle im Handwerk unbesetzt.

Handwerker und Ausbildungsbetriebe würden daher gern mehr Flüchtlinge einstellen, auch wenn es häufig an den Deutschkenntnissen fehlt oder sonstige Probleme auftauchen. Eigentlich gilt für junge Flüchtlinge die so genannte 3+2-Regelung: Wer eine Ausbildung beginnt, darf nach seiner dreijährigen Lehre auch dann noch zwei Jahre im Land bleiben und arbeiten, wenn der Asylantrag abgelehnt wird.

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koj/news.de/dpa
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