07.03.2018, 12.50 Uhr

Armutsbericht Deutschland: Mehr Frauen gehen arbeiten und bleiben im Alter arm

Vor allem ältere Frauen sind besonders von Armut betroffen.

Vor allem ältere Frauen sind besonders von Armut betroffen. Bild: dpa

Die Armutsgefährdung von Frauen hat in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich zugenommen. Darauf machte die Linke im Bundestag unter Berufung auf Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat zum Internationalen Frauentag an diesem Donnerstag aufmerksam.

Armut trifft vor allem Frauen im Alter

Zwei Drittel aller Frauen zwischen 25 und 55 Jahren bestreiten ihren Lebensunterhalt selber. Zenh Jahre zuvor waren es noch 64 Prozent. Trotzdem ist das kein Grund zur Freude, denn sind es vor allem Frauen, die im Rentenalter kaum über die Runden kommen. Waren 2006 noch 5,4 Millionen Frauen in Deutschland armutsgefährdet, waren es zehn Jahre später 7,3 Millionen. Die Armutsgefährdung von Männern liegt mit 15,2 Prozent (2016) deutlich unter der von Frauen.

Besonders betroffen sind Seniorinnen. Rund jede fünfte Frau im Alter von 65 Jahren und mehr war im Jahr 2016 armutsgefährdet. Als von Armut bedroht gilt, wer bei unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt, 2016 waren dies 1063,75 Euro pro Monat. Schuld sind die Benachteiligung durch Kinderbetreuung. Kündigt sich Familiennachwuchs an, bleibt in den meisten Fällen die Frau zu Hause und kümmert sich um den Nachwuchs. Auch schlechtere Bezahlung führt in die Armut.

Hohe Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen

Die drohende Armut ist ein Grund, warum sich viele Frauen hingegen auch gegen Kinder entscheiden. Vor allem Informatikerinnen und Akademikerinnen streben lieber eine Karriere an, als eine Familie zu gründen. Besonders niedrig ist die Quote kinderloser Frauen dagegen mit neun Prozent im Bereich der Reinigungsberufe. Insgesamt bleibt weiter jede fünfte Frau in Deutschland kinderlos. Der Anteil der Kinderlosen nahm zwischen 2012 und 2016 um 20 auf 21 Prozent zu.

Sabine Zimmermann, Sozialexpertin der Linksfraktion, sagte: "Das Thema Armut ist leider seit jeher besonders mit Frauen verbunden, da helfen auch alle Lippenbekenntnisse und Schönreden der Bundesregierung nichts." Im Beruf würden sie durch niedrige Löhne und unfreiwillige Teilzeit benachteiligt, was zu niedrigen Renten führe. "Es ist schon lange überfällig, dass für die Frauen der Abstand zwischen den Löhnen, der Arbeitszeit und der Rente geschlossen wird."

21 Prozent weniger Lohn für Frauen - Deutschland fast EU-Schlusslicht

Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen ist in Deutschland so groß wie in fast keinem anderen EU-Land. Das sogenannte unbereinigte Verdienstgefälle lag in der Bundesrepublik 2016 bei 21,5 Prozent, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Luxemburg mitteilte. Höher war der Wert nur in Estland (25,3) und Tschechien (21,8). Am geringsten war die so gemessene Lohnlücke - in dieser Form ohne Berücksichtigung von Tätigkeit, Erfahrung, Qualifikation, Alter und Teilzeit - in Rumänien (5,2), Italien (5,3) und Luxemburg (5,5).

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koj/news.de/dpa
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