30.01.2018, 13.46 Uhr

Abgastest an Affen: "Es gibt klare ethische Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen"

Hat VW wirklich Tests an Tieren durchgeführt?

Hat VW wirklich Tests an Tieren durchgeführt? Bild: dpa

Seibert erklärte, die Autokonzerne hätten Schadstoffemissionen zu begrenzen und Grenzwerte einzuhalten - und nicht die vermeintliche Unschädlichkeit von Abgasen zu beweisen. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte: "Es gibt klare ethische Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen."

Maßgeblich sei der Zweck solcher Testreihen - gehe es darum, die Belastung am Arbeitsplatz zu testen, lasse sich das vertreten, erklärte Weil. Dienten die Testreihen aber Marketing und Verkaufsförderung, "fällt mir keine auch nur von ferne akzeptable Begründung für ein solches Vorgehen ein". Er als Aufsichtsrat habe nichts von den Vorgängen gewusst. Niedersachsen ist VW-Großaktionär.

Daimler distanziert sich von Abgastests

Daimler distanzierte sich ausdrücklich von den Studien und der EUGT. "Wir sind über das Ausmaß der Studien und deren Durchführung erschüttert", hieß es in einer Stellungnahme. Daimler verurteile die Versuche auf das Schärfste. "Auch wenn Daimler keinen Einfluss auf den Versuchsaufbau hatte, haben wir eine umfassende Untersuchung eingeleitet, wie es dazu kommen konnte."

BMW erklärte, an den genannten Studien nicht mitgewirkt zu haben. "Wir haben umgehend mit einer internen Untersuchung begonnen, um die Arbeit und Hintergründe der EUGT sorgfältig aufzuklären", teilte der Autobauer mit. Dazu zähle auch ein umfassender und sachlicher Abgleich der Studienmethodik mit vergleichbaren wissenschaftlichen Untersuchungen.

"Weder Mensch noch Tier dürfen für solche sinnlosen Versuche herhalten. Es ist unfassbar, dass Lebewesen missbraucht werden, um diese Umweltsünder auf vier Rädern, die Mensch und Umwelt massiv schädigen, auf die Straße zu bringen", sagte Marius Tünte, Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes. Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, warf dem EUGT-Institut "Fake-Forschung" vor.

Teurer Abgasskandal! Heftige Kritik an Bundesregierung

Christina Deckwirth von LobbyControl kommentierte: "Das erinnert an die Fake-Science-Methoden der Tabak- oder Lebensmittelindustrie: Wissenschaftler finanzieren, um die gesundheitlichen Schäden ihrer Produkte zu bagatellisieren und schärfere Gesetze abzuwenden." Die Bundesregierung müsse ihren "Kuschelkurs" mit der Autoindustrie beenden. Sie kritisierte, der EUGT-Forschungsbeiratsvorsitzende Helmut Greim sei als Sachverständiger zum Bundestags-Untersuchungsausschuss zur Abgasaffäre geladen worden.

Der Abgasskandal war im September 2015 ins Rollen gekommen. Damals hatte VW zugegeben, bei Millionen von Dieselfahrzeugen die Abgasreinigung manipuliert zu haben. Dies stürzte den Konzern in eine tiefe Krise, der Skandal kostete Milliarden. Die Neuzulassungen von Dieselmodellen sind seit Monaten auf Talfahrt.

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bua/news.de/dpa
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