30.01.2018, 13.46 Uhr

Abgastest an Affen: VW beurlaubt Chef-Lobbyist Thomas Steg

Hat VW wirklich Tests an Tieren durchgeführt?

Hat VW wirklich Tests an Tieren durchgeführt? Bild: dpa

Von Thomas Strünkelnberg

Deutschlands Autobauer haben sich mit einem Schlag wieder mitten in den Abgasskandal katapultiert: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die umstrittenen Diesel-Schadstofftests an Affen scharf - und forderte Aufklärung.

Erste personelle Konsequenz aus Abgastest-Affäre: VW beurlaubt Thomas Steg

Die geforderte Auklärung der Abgas-Affäre scheint sich nun anzubahnen. Der Generalbevollmächtigte Thomas Steg wurde beurlaubt, wie die Volkswagen AG am Dienstag in Wolfsburg mitteilte. Der Vorstand habe das entsprechende Angebot des Leiters der Konzern-Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit angenommen. Volkswagen war wegen Diesel-Abgastests mit Affen in die Kritik geraten. Steg werde bis zur vollständigen Aufklärung der Vorgänge von seinen Aufgaben entbunden. "Wir sind dabei, die Arbeit der 2017 aufgelösten EUGT genau zu untersuchen und alle nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen", sagte Konzernchef Matthias Müller. "Herr Steg hat erklärt, die volle Verantwortung zu übernehmen. Dies respektiere ich."

Zuvor hatte Steg angekündigt, dass Volkswagen künftig auf Tierversuche verzichte. "Wir wollen Tierversuche für die Zukunft absolut ausschließen. Damit so etwas nicht noch einmal passiert", sagte er der "Bild"-Zeitung (Dienstag). Der Autobauer lasse prüfen, was nach den Versuchen mit den Affen geschehen sei, in welchem Zustand sie übergeben wurden und wie es ihnen heute gehe.

Derweil reißt die Kritik aus der Politik an den Tests nicht ab. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte der "Passauer Neuen Presse": "Was da berichtet wird, ist einfach schockierend. Wer solche Tests in Auftrag gibt, scheint jeglichen Maßstab verloren zu haben." Menschen und Tiere für die eigenen Zwecke zu missbrauchen, sei "einfach entsetzlich". Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) betonte in Brüssel: "Das, was VW wohl führend und zusammen mit anderen Automobilherstellern gemacht hat an Versuchen mit Affen in New Mexico und mit Menschen in der Bundesrepublik Deutschland, halte ich für verantwortungslos."

Merkel verurteilt Abgastests an Affen

"Diese Tests an Affen oder sogar Menschen sind ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Für VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sind die Versuche "in keinster Weise nachvollziehbar", Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil forderte umfassende Aufklärung, Betriebsratschef Bernd Osterloh verlangte personelle Konsequenzen.

Zuvor war der Verdacht aufgekommen, dass es im Abgasskandal Schadstofftests nicht nur mit Affen, sondern auch mit Menschen gegeben haben soll. Dies geht aus einem Report des Lobby-Instituts EUGT hervor, über den "Stuttgarter Zeitung" (Montag) und "Süddeutsche Zeitung" berichteten.

Lesen Sie auch: Krasse Forderung! Verbot von Benzin- und Dieselautos ab 2030?

Dem Verdacht trat allerdings der zuständige Institutsleiter Thomas Kraus von der Universität Aachen entgegen: eine entsprechende Studie befasse sich nicht mit der Dieselbelastung von Menschen. In der Studie von 2013 - lange vor Bekanntwerden des VW-Dieselskandals - gehe es um den Stickstoffdioxidgrenzwert am Arbeitsplatz, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. 25 gesunde Menschen seien Konzentrationen ausgesetzt worden, die unterhalb der Belastung am Arbeitsplatz lägen. Die Ethikkommission der Uniklinik Aachen habe die 2016 veröffentlichte Studie geprüft und genehmigt.

Dieselgate: VW hat Messwerte manipuliert

Stickstoffdioxid (NO2) ist der Schadstoff, dessen Messwerte von VW in den USA jahrelang manipuliert worden waren, um die gesetzlichen Grenzwerte für Dieselfahrzeuge offiziell einzuhalten. Tierversuche beim Test von Dieselabgasen hatten Empörung ausgelöst. Sie wurden durch US-Ermittlungen zur VW-Abgasaffäre bekannt. Zehn Affen, genauer gesagt Javaneraffen oder Langschwanzmakaken, waren dabei gezielt Schadstoffen ausgesetzt worden.

Kraus erklärte, die NO2-Konzentration für die Aachener Studie sei dagegen vergleichbar mit der in der Umwelt gewesen. Die Probanden seien dieser Konzentration für drei Stunden ausgesetzt worden, gesundheitliche Effekte habe es nicht gegeben. "Es gibt keinen Zusammenhang mit dem Dieselskandal", betonte er. Allerdings förderte die von den Konzernen VW, Daimler und BMW gegründete Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) die Studie. Die Forscher seien aber "in keinster Weise»" beeinflusst worden, sagte Kraus.

Volkswagen entschuldigt sich für Tests an Tieren

Schon am Wochenende hatte sich Volkswagen für die Versuche in den USA entschuldigt, bei denen Affen gezielt Schadstoffen ausgesetzt worden waren. Diese Tests waren wiederum Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung stark abgenommen hat. In Auftrag gegeben hatten die EUGT diese Studie, federführend soll VW gewesen sein.

2Im Namen des gesamten Aufsichtsrates distanziere ich mich mit allem Nachdruck von derlei Praktiken", sagte Pötsch. Die Vorgänge müssten "vorbehaltlos und vollständig aufgeklärt werden". Er kündigte an, dass sich der Aufsichtsrat bald mit dem Thema beschäftigen werde. "Wer auch immer dafür Verantwortung zu tragen hat, ist selbstverständlich zur Rechenschaft zu ziehen." Weil bezeichnete die Versuche als "absurd und widerlich" - dies gelte erst recht, wenn es zu Versuchen an Menschen gekommen sein sollte. Auch Betriebsratschef Osterloh erklärte, ethisch-moralische Grenzen seien überschritten worden.

Seiten: 12
Lebensmittelrückruf für Oktober 2018 aktuellLebensmittelwarnung für Oktober 2018Beatrice EgliNeue Nachrichten auf der Startseite