23.01.2018, 09.10 Uhr

"Ungleichland" Deutschland: Klaffende Vermögensschere! So viel Geld haben die Superreichen wirklich

Oxfam warnt vor wachsender Ungleichheit in Deutschland und der Welt.

Oxfam warnt vor wachsender Ungleichheit in Deutschland und der Welt. Bild: dpa

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) will sich angesichts der Krisen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bei seiner Tagung in Davos als Motor für Zusammenarbeit anbieten. "Derzeit mangelt es an Kooperation und Verständnis", sagte WEF-Präsident Borge Brende der Deutschen Presse-Agentur. Das Treffen bringe verschiedenste Akteure zusammen - "und wir bieten die Plattform, um Zusammenarbeit zu fördern". Die Organisation Oxfam rief die Teilnehmer der Tagung dazu auf, gegen die Steuervermeidung von Konzernen und Einzelnen vorzugehen, faire Einkommen für Männer und Frauen durchzusetzen sowie in Bildung und Gesundheit für alle zu investieren.

Oxfam-Bericht warnt vor steigender Ungleichheit in der Welt

In einem Bericht, der an diesem Montag veröffentlicht wird, warnt die Umweltschutz- und Hilfsorganisation vor steigender Ungleichheit in der Welt, aber auch in Deutschland. Die Kluft zwischen dem reichsten Prozent der Menschheit und der ärmeren Hälfte nehme zu: Neuesten Daten zufolge besitze das reichste Prozent der Menschheit mehr Vermögen als die übrigen 99 Prozent zusammen. "Soziale Ungleichheit ist ein Hemmschuh für die Beseitigung der Armut in der Welt", sagte Jörn Kalinski von Oxfam Deutschland.

Auch Deutschland trotz guter Konjunktur ein "Ungleichland"

Auch Deutschland sei trotz brummender Konjunktur ein "Ungleichland". Hierzulande verfügten die reichsten 40 Personen über das gleiche Vermögen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung, sagte Oxfam-Expertin Ellen Ehmke. Ein normaler Arbeitnehmer müsste 157 Jahre arbeiten, um das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Dax-Vorstandsvorsitzenden zu erzielen. Ehmke warnte, eine Folge dieser Entwicklung könnten tiefere Risse in der Gesellschaft und eine Untergrabung der Demokratie sein.

Vermögens-Schere klafft in Deutschland massiv auseinander

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat sich die Vermögensverteilung in der Bundesrepublik genauer angeschaut. Die Zahlen zeichnen ein weitaus gravierenderes Bild der Finanzsituation in Deutschland: Betrachtet man nicht nur Stichproben, sondern alle als "superreich" klassifizierten Haushalte in Deutschland, so besitzen die 45 finanzstärksten Haushalte Deutschlands so viel wie die 50 Prozent der Deutschen, die als arm gelten. In Ziffern ausgedrückt sind es 214 Milliarden Euro Vermögen, die beide Gruppen addiert aufweisen, ist beim "Spiegel" zu lesen.

DIW-Statistik: Mehr als die Hälfte des Vermögens der BRD gehört den Superreichen

Das ergibt sich aus Reichenlisten wie der, die vom US-Magazin "Forbes" gepflegt wird - hier ist nachzulesen, wer besonders viel auf dem Konto hat. Für die Bundesrepublik liefert die Aufstellung des "manager magazins" aussagekräftige Zahlen. Anhand der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aufgestellten Statistik wird klar: Mehr als die Hälfte des deutschen Gesamtvermögens ist im Besitz von lediglich 5 Prozent der Bevölkerung. Für die Superreichen-Gruppe rechnete die Europäische Zentralbank (EZB) vor, sie besäße "nur" 31,5 Prozent des Gesamtvermögens der Bundesrepublik.

Mehr als 3.000 Teilnehmer bei Weltwirtschaftsforum in Schweizer Alpen

Zu der WEF-Jahrestagung in den Schweizer Alpen werden vom 23. bis 26. Januar mehr als 3.000 Teilnehmer erwartet, darunter etwa 70 Staats- und Regierungschefs wie US-Präsident Donald Trump, der französische Staatschef Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch Hunderte Vorstandsvorsitzende globaler Konzerne kommen nach Davos.

"Wir stehen einigen weltweiten Herausforderungen gegenüber", sagte Brende. Er verwies auf zentrale Fragen der Globalisierung und des Klimawandels sowie auf geopolitische Probleme, etwa auf der Koreanischen Halbinsel, am Horn von Afrika oder in Syrien. "All diesen Herausforderungen und systemischen Fragen ist gemein, dass sie mehr globale Zusammenarbeit erfordern."

Dabei setzt das WEFauch auf die Stärkung von Frauenrechten und Gleichberechtigung. "Wir werden weltweit nichts erreichen, wenn die Hälfte der Erdbevölkerung nicht dieselben Möglichkeiten hat", sagte Brende. Von der Tagung gehe auch das Signal aus, dass "Frauenrechte im Zentrum einer zukunftsorientierten Politik für die Welt stehen".

Themen: Deutschland
Seiten: 12
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