09.01.2018, 12.21 Uhr

"PSD2"-Umsetzung in Deutschland: Neue Regeln im Zahlungsverkehr

Künftig müssen Banken auch Drittanbietern wie Finanz-Start-ups den Zugriff auf Konten und Daten ihrer Kunden ermöglichen.

Künftig müssen Banken auch Drittanbietern wie Finanz-Start-ups den Zugriff auf Konten und Daten ihrer Kunden ermöglichen. Bild: Ole Spata/dpa

Die Post, die viele Verbraucher in den vergangenen Wochen von ihrer Bank bekommen haben, dürften viele als belanglos weggelegt haben. Doch hinter den unscheinbaren Schreiben über "Änderungen von Vertragsbedingungen" stecken neue EU-Regeln, die Schätzungen zufolge mehr als eine Milliarde Konten in Europa betreffen.

Sie sollen den Zahlungsverkehr von Grund auf verändern. Manche vergleichen sie gar mit historischen Marken wie den ersten Kreditkarten Ende der 1950er Jahre oder digitalen Überweisungen ab der Jahrtausendwende.

"Payment Service Directive" kurz PSD2 soll europäischen Zahlungsverkehr fördern

Mit der "PSD2"-Richtlinie will Brüssel den Wettbewerb im europäischen Zahlungsverkehr fördern - und ihn sicherer, bequemer und billiger machen. Von diesem Samstag (13. Januar) an gilt sie auch in Deutschland, auch wenn die Umsetzung technischer Details noch viele Monate dauern wird.

Die "Payment Service Directive" bricht das Monopol der Banken beim Zugriff auf Kontodaten. Für die Geldhäuser war dies lukrativ: Wer weiß, wie viel Geld Privatkunden haben und für was sie es ausgeben, kann ihnen leicht weitere Dienste anbieten - Baufinanzierungen etwa, Kredite, Versicherungen oder Wertpapiere.

Banken müssen nun auch Drittanbietern Zugriff auf Konten und Daten von Kunden gewähren

Künftig aber müssen Geldhäuser nach dem Willen der EU auch Drittanbietern wie Finanz-Start-ups (Fintechs) den Zugriff auf Konten und Daten ihrer Kunden ermöglichen. So gibt es Firmen, die Zinsen verschiedener Banken für Tagesgeld vergleichen und den Geldtransfer dorthin bieten. Weitere helfen Verbrauchern beim Sparen, indem sie automatisch kleine Beträge zur Seite legen.

Auch Erik Podzuweit, Mitgründer des Online-Vermögensverwalters Scalable Capital, freut sich auf neue Möglichkeiten. Die Firma bietet an, Geld automatisiert und breit gestreut in Indexfonds anzulegen. Zusatzangebote wie intelligente Fondssparpläne oder eine bessere Vermögensübersicht ließen sich leichter einbauen. "Da sind tolle Weiterentwicklungen möglich, die bisher schwer umsetzbar waren."

Bei Banken stößt "PSD2"-Reform auf Unverständnis

Die Banken sind daher alles andere als begeistert. Es sei "unverständlich", dass Drittdienste einen gesetzlich definierten Zugang zur Infrastruktur der Banken hätten, der umgekehrt nicht gelte, monierte der Bundesverband deutscher Banken.

Auch Thomas Sontheimer von der BeratungsgesellschaftAccenture glaubt, dass "PSD2" die Geldhäuser langfristig in Bedrängnis bringen könnte. "Die Richtlinie wird die Transparenz im europäischen Zahlungsverkehr erhöhen und vermutlich den Preisdruck verstärken." Kunden könnten mit Angeboten von Fintechs etwa mehrere Konten auf einen Blick sehen und Geld anstatt per Hausbank über Drittfirmen überweisen.

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