12.05.2009, 13.47 Uhr

Mineralölbranche: Wie der Benzinpreis entsteht

Die Preise an der Zapfsäule sind seit Jahresanfang wieder gestiegen.

Die Preise an der Zapfsäule sind seit Jahresanfang wieder gestiegen. Bild: ap

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Denn der Preis für Benzin an der Zapfsäule lässt sich nicht einfach vom Ölpreis ableiten. Warum? Die europäischen Mineralölkonzerne würden sich vor allem an den Großhandelspreisen der Rotterdamer Benzinpreisbörse orientieren und weniger am Ölpreis, erklärt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Und dieser Benzin-Großhandelspreis sei weiteren Einflussfaktoren als dem reinen Ölpreis unterworfen. So würden Händler aus den USA aufgrund fehlender Raffineriekapazitäten gerade im Frühjahr verstärkt an den Europäischen Börsen kaufen und damit die Preise nach oben treiben.

Ein Blick auf die Großhandelspreise für Benzin in Rotterdam bestätigt ihre Aussage. So kostete der Liter Normalbenzin im Juni 2008 etwa 54 Eurocent je Liter. Damals schoss der Ölpreis auf ein Rekordhoch von 150 Dollar je Barrel. Gegenwärtig kostet der Liter Benzin in Rotterdam 24,6 Eurocent, also reichlich die Hälfte des Benzinhöchstpreises, während der Ölpreis mit 57 Dollar je Barrel immer noch bei etwa einem Drittel seines Rekordhochs im Sommer des vergangenen Jahres liegt.

Eine weitere Ursache für die Divergenz zwischen Benzinpreis und Ölpreis liegt an der extrem hohen Besteuerung für Treibstoffe in Deutschland. So ist die Mineralölsteuer mit 65,5 Eurocent fix, egal ob der Produktpreis für den Liter Benzin bei 18 oder 54 Eurocent liegt.

Der Staat kassiert dabei aber gleich mehrfach. Nach der Anrechnung der Mineralölsteuer hält der Fiskus mit der Mehrwertsteuer gleich nochmal die Hand auf. Und übrigens: Die Mehrwertsteuer wird auf den Gesamtbetrag angerechnet, der sich aus Produktkosten, Herstellungskosten und eben Mineralölsteuer bezieht - ein typischer Fall von Doppelbesteuerung.

Doch auch die Mineralölkonzerne haben ihren Anteil, den sie auf den Produktpreis als sogenannten Deckungsbeitrag aufschlagen, in den vergangenen vier Jahren ebenso kräftig angezogen. Im Januar 2005 lag der Deckungsbeitrag noch bei 4,7 Eurocent je Liter und heute bei knapp 10 Cent. In diesem Betrag stecken Transportkosten, Lagerhaltung, Verwaltungskosten, Vertrieb und Gewinn. Wie hoch der Gewinn dabei genau ist, das wollen die Mineralölkonzerne jedoch nicht verraten.

Ob es in Deutschland genügend Wettbewerb auf dem Tankstellenmarkt gibt? Zu dieser Frage existieren gegensätzliche Ansichten. Nach Angaben des Mineralölwirschaftsverbandes (MWV) sei der Wettbewerb zwischen den Tankstellen und Konzernen sehr hoch. Der MWV untermauert diese Behauptung mit den angeblich niedrigen Benzinpreisen in Deutschland, die ohne die Steuern gerechnet unter dem europäischen Durchschnitt lägen.

Doch es ist hinlänglich bekannt, dass sich die Tankstellen gegenseitig beobachten und dann die Preise sofort angleichen, wenn die Konkurrenz ihre Preise ändert. Der einzelne Pächter hat darauf keinen Einfluss, die Entscheidung werden meist in den Zentralen gefällt, von wo aus die Preise an den Zapfsäulen ferngesteuert eingestellt werden.

Und das weiß man sogar im Bundeskartellamt: Die Mineralölgesellschaften hätten die Pächter dazu angewiesen, die Preise der Wettbewerber ständig im Blick zu behalten, sagt eine Kartellamts-Sprecherin. Je nachdem, wie die Konkurrenten ihre Preise anhöben oder senkten, gestalte sich das Preisniveau unter den Tankstellen. Doch das ist nach Einschätzung der Behörde kein marktschädigendes Verhalten: Das Abgucken der Preise sei «erlaubt, Absprachen dagegen aber verboten». Preisabsprachen seien deswegen so «schwierig nachzuweisen», weil die Tankstellen ihre Preise über ihre Anzeigetafeln so transparent machten.

 

 

 

news.de
Thomas Cook-Pleite im News-TickerStadtsparkasse MünchenKate MiddletonNeue Nachrichten auf der Startseite