30.05.2019, 13.46 Uhr

"Joko & Klaas LIVE": "Zeichen für Menschlichkeit!" 15-Minuten-Sendezeit für "Sinnvolles"

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben in ihrer Live-Show anderen Menschen den Vortritt gelassen

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben in ihrer Live-Show anderen Menschen den Vortritt gelassen Bild: ProSieben/Willi Weber/spot on news

Große Geste von Joko Winterscheidt (40) und Klaas Heufer-Umlauf (35). Nach ihrem Sieg in der TV-Show "Joko & Klaas gegen ProSieben" am Dienstag haben die beiden Moderatoren wohl alle überrascht. Und das mit ungewohnt ernsten Themen.Sie durften am Mittwochabend zur besten Sendezeit ab 20.15 Uhr eine Viertelstunde nach Belieben füllen. Sie setzten nicht - wie womöglich von vielen Zuschauern erwartet - auf Klamauk, sondern gaben drei Menschen Raum für die Themen Flüchtlingshilfe, Obdachlosigkeit und Kampf gegen Rechtsextremismus.

Bereits im Vorspann ihrer Show "Joko & Klaas LIVE" wurde dem Zuschauer "Unterhaltung mit Niveau" versprochen. Dass diese so ernst und tiefgründig sein würde, damit hätte aber wohl niemand gerechnet. Joko und Klaas läuteten ihre 15 Minuten mit den Sätzen ein, dass sie zwar Blödsinn machen könnten, aber dass es doch ein paar Leute gebe, die mehr zu sagen hätten als sie beide - "Menschen, die eine Message haben", "Themen, die mehr Aufmerksamkeit verdient haben". Im Anschluss kamen dann im dunklen Studio mit nur einem Stuhl nacheinander drei Menschen zu Wort.

Pia Klemp über Seenotrettung im Mittelmeer

Als erster Gast im komplett leergeräumten und dunklen TV-Studio ergriff "Sea-Watch"-Kapitänin Pia Klemp das Wort. Sie ist Kapitänin der Iuventa 10 und setzt sich für die Seenotrettung im Mittelmeer ein. Ihr Anliegen: "Die EU lässt Menschen wissentlich ertrinken", dabei sei die Rettung von Menschen auf See Pflicht. Sie thematisierte die "Migrationsabwehr des Friedensnobelpreisträgers EU" und redete über ein von ihr gefahrenes Schiff, mit dem 14.000 Flüchtlinge aus Seenot gerettet worden seien, das aber nun beschlagnahmt worden sei. Trotz drohendem Gerichtsverfahren und einer möglichen Gefängnisstrafe von bis zu 20 Jahren wolle sie weiterkämpfen. "Für eine Welt, in der alle leben wollen und dürfen."

Dieter Puhl über Obdachlosigkeit in Deutschland

Als zweites sprach Sozialarbeiter Dieter Puhl in die TV-Kamera. Er ist seit 27 Jahren Obdachlosenhelfer in Berlin und könne Sprüche wie "In Deutschland muss niemand obdachlos sein" oder "Die sind doch alle selbst schuld" nicht mehr hören. Sein Appell an die Zuschauer von "Joko & Klaas LIVE": "Blendet obdachlose Menschen in eurer Wahrnehmung nicht aus." Man solle stattdessen auf sie zugehen - ganz ohne Vorbehalte. Er rief die Zuschauer dazu auf, mit Obdachlosen ins Gespräch zu kommen, wann immer es möglich sei.

Birgit Lohmeyer über Rechtsextremismus

Über ihr Leben mit Neo-Nazis als Nachbarn erzählte zum Schluss Schriftstellerin und Aktivistin Birgit Lohmeyer. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie 2004 nach Jamel in Mecklenburg-Vorpommern gezogen. Elf Häuser stehen dort - acht davon würden von Neo-Nazis bewohnt werden. Trotz ständiger Anfeindung sowie Sachbeschädigung und sogar Brandstiftung wolle sich Lohmeyer aber nicht unterkriegen lassen. Sie hat ein alljährliches Rockfest ins Leben gerufen und die Öffentlichkeit zu sich eingeladen. Stars wie Herbert Grönemeyer, die Toten Hosen sowie Casper und Marteria seien gekommen. Ihre Message an alle Betroffene: "Wehrt euch, lasst euch nicht einschüchtern, es lohnt sich."

Pro7 dankt Joko und Klaas für "besonderes Statement für Menschlichkeit"

Im Schnitt 1,77 Millionen Zuschauer waren während der 15 Minuten dabei, was einem Marktanteil von 7,0 Prozent für ProSieben entsprach. Die Serie "Grey's Anatomy" begann ausnahmsweise erst um 20.30 Uhr und erreichte 1,24 Millionen Zuschauer (4,6 Prozent).

"Mit dieser Ausgabe von 'Joko & Klaas Live' haben Joko und Klaas ProSieben und TV-Deutschland überrascht", teilte ProSieben-Senderchef Daniel Rosemann mit. "Damit ist den beiden ein sehr besonderes Statement für Menschlichkeit in unserem Land gelungen. Danke Joko. Danke Klaas."

15 Minuten Sendezeit von "Joko & Klaas Live" auf YouTube

Der Sender entschied sich danach entgegen seiner Ankündigung, die Sendung sei nur live und einmalig zu sehen, die Viertelstunde auch im Nachhinein abrufbar zu machen. Senderchef Rosemann erklärte, er wünsche sich, dass sich online weiter möglichst viele Menschen die Botschaften von Pia Klemp, Dieter Puhl und Birgit Lohmeyer anschauen. "Das kam unerwartet. Auch für uns. Eigentlich sollte #JKLive einmalig zu sehen sein. Danach nirgendwo wieder. Für uns ist klar: Die Geschichten dieser besonderen 15 Minuten Fernsehen müssen über die Live-Sendung hinaus gehört werden. Von allen. Nachhaltig", teilte der Sender auf Twitter mit. Bei YouTube wurde das Video bis Donnerstagmittag rund 600.000 Mal aufgerufen.

Die Reaktionen auf die Sendung waren vielfach begeistert, viele zeigten sich gerührt. "Vermutlich die besten 15 Minuten, die deutsches TV je geboten hat", lautete etwa eine der vielen mit Hashtag #JKLive versehenen Reaktionen. Einige warfen Joko und Klaas aber auch "Linkspopulismus" vor. "An alle die das #JKLive Video nicht verstanden haben: Es war ein 15-minütiger Appell an die Menschlichkeit! Menschen, unabhängig von ihrer Nation, das Leben zu retten und sich gegen Rechts auszusprechen, hat lange nichts mit Linkspopulismus zu tun!
Es ist menschlich", hält eine Twitter-Nutzerin dagegen.

Bekannt aus dem TV: Das Buch "Joko G. Winterscheidt: Das G steht für Gurki" gibt es hier zu kaufen.

In der neuen Spielshow "Joko & Klaas gegen ProSieben" treten die beiden Entertainer gegen Mitarbeiter ihres Arbeitgebers an; als Preis gibt's 15 TV-Minuten zur freien Verfügung. Da Joko und Klaas am Dienstag gewannen, bekamen sie diese Minuten gleich am Mittwochabend zugesprochen.

bua/news.de/spot on news/dpa
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