24.03.2014, 18.21 Uhr

«Das Jenke-Experiment» bei RTL: Seite 2: Warum sich Menschen eine Amputation wünschen

BIID-Kranke wollen sich gesundes Körperteil abnehmen lassen

Spontanes Reisen ist für Rollstuhlfahrer deshalb so gut wie unmöglich. Selbst ein Taxi, explizit für einen Rollstuhlfahrer angefordert, lässt in der Sendung ganze 40 Minuten auf sich warten. Und trotzdem gibt es Menschen, die physisch gesehen kerngesund sind, aber eines ihrer Körperteile am liebsten amputieren lassen würden. Sie leiden an BIID (Body Integrity Identity Disorder), haben das Gefühl, dass Bein oder Arm nicht zu ihnen gehören.

Jonas ist so ein Mensch. Er träumt, seit er denken kann, davon, sein gesundes linkes Bein amputieren zu lassen. Zu Hause sitzt er deshalb im Rollstuhl, bindet sich das betreffende Bein ab und zieht eine Prothese über. Dies sei «eine absolute Erleichterung» für ihn, sagt er. Von Dauer ist sie jedoch nicht. Sein Wunsch nach einer Amputation wird sich für Jonas wohl nie erfüllen, weil es Ärzten verboten ist, gesunde Gliedmaßen abzunehmen.

Ein Leben ohne Beine: Der zehnjährige Theo vermisst sie nicht

David aus Australien hat sein rechtes Bein vor fünf Jahren aus diesem Grund stundenlang in Trockeneis gelegt. Danach war es so kaputt, dass nur die Amputation blieb. Genauso wollte es David, der ebenfalls an BIID leidet und als der erste bekannte Fall weltweit gilt, bei dem sich ein Mensch für eine Amputation selbst verstümmelte - nicht, um behindert zu sein, sondern um ein normales Leben zu führen. David drückt es so aus: «Es war wie eine Depression, die mit dem Tag der Amputation aufgehört hat».

Ganz anders liegt der Fall des zehnjährigen Theo. Er kam bereits ohne Beine zur Welt. Dennoch habe er noch nie darüber nachgedacht, wie es wäre, Beine zu haben. Für ihn ist es selbstverständlich, sich mit seinen Händen oder auf dem Skateboard fortzubewegen. Das hindert Theo auch nicht daran, auf ein normales Gymnasium zu gehen und mit seinen Freunden zu spielen. Nur wenn er auf Fremde trifft, merke er, dass er anders ist als andere. «Dann würde ich mir wünschen, dass die Menschen mich nicht nur angucken, sondern mich auch ansprechen und mal fragen», sagt er.

RTL-Reporter Wilmsdorff sehnt Ende vom «Jenke-Experiment» herbei

So cool kann Wilmsdorff mit seinem Fünf-Tage-Experiment nicht umgehen. Schon nach drei Tagen kann er das Ende kaum erwarten. «Die Sehnsucht, sich zu bewegen, ist riesengroß», so der RTL-Reporter. Auch seine Freundin, die am Selbstversuch teilnimmt, kann sich nur schwer mit der Situation anfreunden. «Es zehrt schon an den Kräften», gibt sie zu und bemerkt: «Die Partner fallen schon ein bisschen hinten runter.» Dabei leisteten sie mehr, als man auf den ersten Blick erkennen mag.

Auf dem Roten Teppich des Deutschen Fernsehpreises endet schließlich Wilmsdorffs kurzes Leben im Rollstuhl. «Es ist natürlich ein Witz, fünf Tage im Vergleich zu einem ganzen Leben», sagt er selbst. Trotzdem hat schon dieser geringe Zeitraum gezeigt, wie anspruchswoll es ist, mit einem solchen Handicap seinen Alltag zu meistern - physisch und mental. Und er hat dem Zuschauer vor Augen geführt, wie barriereunfrei die Gesellschaft zum Teil noch immer ist.

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zij/news.de
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