30.05.2018, 18.30 Uhr

Brotopia - Breaking Up the Boys' Club of Silicon Valley: Die Chefs von Silicon Valley: "Machtgeil und sexbesessen!"

Emily Chang berichtet in ihrem neuen Buch über die etwas andere Seite des Silicon Valley

Emily Chang berichtet in ihrem neuen Buch über die etwas andere Seite des Silicon Valley Bild: Kathy Hutchins / Shutterstock.com/spot on news

Das Silicon Valley gilt als Biotop der Genies. Hier haben technikfixierte Eigenbrötler (Nerds) marktbeherrschende Firmen gegründet, die zu den mächtigsten Unternehmen der Welt zählen. Apple, Microsoft, Facebook, Google etc. sind tragende Säulen des Silicon Valley, das paradiesische Arbeitsbedingungen für alle kreativen Köpfe bietet.

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Ein fataler Trugschluss, meint die US-Journalistin Emily Chang (37). Seit 2010 berichtet sie für "Bloomberg TV" aus dem Tal der Genies. In ihrem Buch "Brotopia - Breaking Up the Boys' Club of Silicon Valley" beschreibt sie Männercliquen, die macht- und sexbesessen herrschen und Frauen kaum berufliche Chancen geben.

Chang berichtet von regelmäßigen Sexpartys, die in privaten Villen des Silicon Valley stattfänden. Gastgeber seien die "Big Player" des Tals: erfolgreiche Gründer, Investoren, Vorstandsvorsitzende. Einlass fänden dabei nur geladene Gäste. Meist kämen doppelt so viele Frauen, oft gar nicht mal aus der High Tech-Brande, sondern von PR- oder Immobilienagenturen. Allen Eingeweihten sei klar, dass es sich um eine Sexparty handle.

Enthemmende Drogen in Form von Firmenlogos

"Auf manchen Feiern herrscht eine intime Atmosphäre und die Gäste kochen gemeinsam, andere sind ausladende Feste, auf denen das Essen schon mal auf nackten Frauenkörpern angerichtet wird", sagte Emily Chang zu "Zeit-online". Oft würden auch enthemmende Drogen gereicht, Tabletten "in Form von Unternehmenslogos wie Tesla oder Snapchat". Es bildeten sich cuddle puddles, "Menschen, die auf einem Haufen zusammenliegen und kuscheln oder knutschen, oder einzelne Paare oder Gruppen ziehen sich in separate Räume zurück".

Für viele seien solche Szenen ein Teil ihres Alltags, meint Emily Chang. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt sie: "Es gibt auch keine Scham unter den Männern. Sie haben ja das Gefühl, dass sie mit ihren Produkten und Erfindungen die Welt verbessern und dass das ihnen das Recht gibt, auch in ihrem Privatleben Traditionen herauszufordern und Moralvorstellungen über den Haufen zu werfen."

"Es gibt eine Doppelmoral"

Chang glaubt, dass es bei diesen Partys mehr um Macht als um Sex gehe. "Die Frauen halten sie für einen Weg, um Zugang zu unglaublich mächtigen Männern zu bekommen. Aber die Machtdynamik ist völlig einseitig, also im Grunde überhaupt keine Veränderung der Welt, sondern so wie immer. Es gibt eine Doppelmoral: Wenn Männer teilnehmen, gilt das als cool und ist mit keinerlei Stigma verbunden. Wenn Frauen teilnehmen, ist das eine ganz andere Geschichte." Sie verlören den Respekt ihrer Kollegen und Geschäftspartner.

Und wenn Frauen aus der Branche sich diesen Partys verweigerten, dann würden sie auch von allen Deals, die sich ganz nebenbei an der Bar oder dem Whirlpool anbahnten, ausgeschlossen werden.

In dieser Doppelmoral sieht Emily Chang auch einen Spiegel für das Ungleichgewicht der Geschlechter im Silicon Valley. Während an der Wall Street eine Frauenquote von etwa 50 Prozent herrsche, hielten Frauen im Silicon Valley nur 25 Prozent der Jobs. Und: "Sie bekommen nur zwei Prozent der Investitionen."

Schuld daran sei die Industrie. Sie habe den unsozialen, zumeist weißen, männlichen Nerd erfunden. Als die Branche in den 60er-Jahren zu wachsen begann und man verzweifelt nach guten neuen Mitarbeitern suchte, die geborene Computer-Programmierer sind, habe die Industrie Persönlichkeitstests entwickeln lassen. "Und die Psychologen entschieden, dass es einen guten Programmierer ausmacht, dass er Menschen nicht mag. Wer nach Leuten sucht, die andere Menschen nicht gut leiden können, wird weit mehr Männer einstellen als Frauen."

Die Nerds sind schuld am Ungleichgewicht

Diese Nerds, die später unglaublichen Erfolg hatten, seien schuld an dem Ungleichgewicht. Emily Chang: "Wenn du in der High School der Nerd warst, der sich in seinem Kämmerchen versteckt hat und du das Gefühl hast, dass du dein ganzes Leben lang ausgeschlossen wurdest, kannst du dir einfach nicht vorstellen, dass heute du es bist, der jemand anderen diskriminiert. Weil es so schnell geht, reich und mächtig zu werden im Silicon Valley, erlernen sie nie das Sozialverhalten, das man sonst im Laufe einer langen Karriere erwirbt."

Chang hält es sogar für möglich, dass das klassische Nerd-Verhalten die künstliche Intelligenz von morgen prägen kann. "Wir leben mit dem Risiko, dass die Diskriminierung und die Vorurteile von heute in die Algorithmen von morgen einfließen. Gesichtserkennung von künstlicher Intelligenz zum Beispiel ist sexistisch und rassistisch. Sie erkennt Frauen und dunkelhäutige Männer nicht so leicht wie weiße Männer. Je mächtiger die Technik wird, desto wichtiger ist es, dass Leute mit verschiedenen Hintergründen an ihr arbeiten."

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