07.05.2018, 11.52 Uhr

Radikale Freundschaftsvorschläge: Böser Vorwurf! Facebook verbindet Tausende IS-Terroristen

Facebook will Nutzern erleichtern, Menschen mit ähnlichen Interessen schneller zu finden. Die Funktion ermöglicht aber auch Terroristen ein leichtes Spiel.

Facebook will Nutzern erleichtern, Menschen mit ähnlichen Interessen schneller zu finden. Die Funktion ermöglicht aber auch Terroristen ein leichtes Spiel. Bild: dpa

Facebook benutzt einen fortgeschrittenen Algorithmus, um Menschen mit ähnlichen Interessen in Verbindung zu bringen. Doch die "Freundschaftsvorschläge" könnten fatale Auswirkungen haben. Tausende Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wurden einander über die Funktion vorgestellt, berichtet die britische Zeitung "The Telegraph".

Im Zuge einer Studie der amerikanischen Organisation Counter Extremism Project wurden 1000 Facebook-Profile von IS-Sympathisanten in 96 Ländern analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Nutzer mit radikalen islamistischen Interessen regelmäßig über Freundschaftsvorschläge verbunden wurden. Genaue Zahlen werden Ende Mai bekanntgegeben.

Eigenversuch der Forscher bestätigt: Dem Aufbau der Netzwerke steht nichts entgegen

Zwei Autoren der Studie, Gregory Waters und Robert Postings, gaben an, durch ihre Nachforschungen zahllose Empfehlungen für Anhänger der Terrororganisation erhalten zu haben. Postings besuchte neutrale Seiten, die über eine islamistische Revolte in den Philippinen berichteten und wurde innerhalb weniger Stunden mit Freundschaftsvorschlägen für Extremisten aus dieser Region regelrecht überhäuft, schreibt"The Telegraph".

"Facebook hat in seinem Versuch, so viele Menschen wie möglich miteinander zu verbinden, unbeabsichtigt ein System geschaffen, das die Vernetzung von Extremisten und Terroristen unterstützt", kommentierte Postings seine Erfahrungen.

Selbst nach Suspendierung können radikale Profile wieder aktiv werden

Die Forscher kritisieren, dass Facebook zu wenig gegen solche Vorfälle unternimmt. Dadurch bleibt den Jihadisten genügend Zeit, um anfällige Zielpersonen zu radikalisieren. Die Studie beobachtete einen Nutzer aus den USA, der Interesse am Islam zeigte und die Freundschaftsanfrage eines indonesischen IS-Unterstützers annahm. Nach nur sechs Monaten Kontakt stand er dem Islamischen Staat positiv gegenüber.

Trotz zahlreicher Meldungen versäumt es Facebook, extremistische Profile dauerhaft aus seiner Datenbank zu entfernen. Postings und Waters beschreiben die Tatenlosigkeit des Internet-Riesen als alarmierend und inakzeptabel.

Facebook veröffentlicht erste Reaktion

Ein Sprecher von Facebook betonte hingegen, dass Terroristen keinen Platz in ihrem Netzwerk haben. Er verweist auf automatisierte Systeme, die 99 Prozent der entfernten terroristischen Inhalte aufspüren. Trotzdem gibt es "keine einfache technische Lösung, um online Extremismus zu bekämpfen", weshalb sie weiterhin in diesen Kampf investieren werden.

Facebook sammelt unzählige Daten seiner Nutzer, um die Algorithmen der Seite möglich zu machen. Dass diese Informationen ebenfalls verwendet wurden um gezielt Werbung zu schalten, und an die Analysefirma Cambridge Analytica gingen, deckte der letzte Datenmissbrauchs-Skandal auf. Die Warnungen des Counter Extremism Project reihen sich also nur in die steigende Kritik an dem sozialen Netzwerk ein.

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scs/rut/news.de
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