08.10.2018, 16.03 Uhr

Graciano Rocchigiani tot: Noch immer kein Beerdigungstermin für "Rocky"

Graciano Rocchigiani bei Autounfall getötet.

Graciano Rocchigiani bei Autounfall getötet. Bild: imago/masterpress/spot on news

Der frühere Boxweltmeister Graciano "Rocky" Rocchigiani ist in Italien bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Der 54 Jahre alte Ex-Profi war als Fußgänger von einem Auto überfahren worden. Die italienische Polizei hatte die Brandenburger Kollegen gebeten, die Angehörigen über den Tod zu informieren.

Graciano Rocchigiani soll am Samstag nach Berlin überführt werden

Bereits an diesem Samstag, 06.10.2018, soll "Rocky" nach Informationen der "Bild"-Zeitung nach Berlin überführt werden. Vorausgesetzt die Bürokratie auf Sizilien macht den Angehörigen der Boxlegende keinen Strich durch die Rechnung. "Es ist immer noch nicht klar, ob die Überführung bis morgen klappt", erklärte der Bestattungsunternehmer der "Bild" am Freitag. Beerdigt werden soll Graciano Rocchigiani auf demAlten St.-Matthäus-Kirchhof.

Noch immer kein Beerdigungstermin für Graciano Rocchigiani

Der plötzliche Tod von Graciano "Rocky" Rocchigiani mit nur 54 Jahren macht Familie, Freunde und Fans noch immer fassungslos. Die Box-Legende wurde vergangene Woche auf Sizilien von einem Auto überfahren. Doch noch immer gibt es keine konkreten Pläne für die Beerdigung.

Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur spot on news erklärte Rocchigianis Tochter Janina, dass der Leichnam ihres verstorbenen Vaters "in den nächsten Tagen in Berlin eintreffen" werde. Da man noch auf die Überführung warten müsse, stehe ein Beerdigungstermin derzeit noch nicht fest.

Graciano Rocchigiani tot: Lief er betrunken über die Schnellstraße?

Wie es zu dem tragischen Unfall kommen konnte, ist weiterhin unklar. Wie die "Bild" berichtet, geht die örtliche Polizei davon aus, dass Graciano Rocchigiani bei seinem Spaziergang auf der Schnellstraße stark alkoholisiert gewesen war und daher gar nicht genau wusste, wo er da gerade entlang lief.

Augenzeugen hätten dies berichtet, die ihn vor dem Unfall gesehen haben, so die Polizei. Bevor die Leiche des Ex-Boxers nach Deutschland gebracht werden könnte, müssten noch die Ergebnisse der Obduktion abgewartet werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Rocchigiani-Unfall: Fahrer war nicht betrunken

Der Fahrer des Unfall-Wagens war laut Polizei nicht betrunken. "Bei dem Fahrer war alles ordnungsgemäß", hieß es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Kreisen der Polizei am Mittwoch. Der 29-Jährige aus Catania sei weder alkoholisiert gewesen noch habe er unter dem Einfluss von Drogen gestanden. Er habe nicht gegen Verkehrsregeln verstoßen.

Nach tragischem Unfall: Graciano Rocchigianis Leben soll verfilmt werden

Während die Ermittlungen also andauern, berichtet die "Bild", dass der Berliner Medienmacher Ralf Grengel mit mehreren TV-Sendern und Produzenten in Kontakt steht, um das Leben von Rocky zu verfilmen.

Graciano Rocchigiani tot: Box-Legende in Italien von Auto überfahren

Der jüngere Bruder von Ralf Rocchigiani gab 1983 sein Debüt als Profiboxer. Der 1963 Geborene war Weltmeister im Supermittelgewicht (1988/89) und im Halbschwergewicht (1998 bis 2000). "Er war der talentierteste Boxer in den letzten 30 bis 40 Jahren in Deutschland, vom Talent höher einzuschätzen als Henry Maske", sagte Box-Promoter Wilfried Sauerland zu Rocchigianis 50. Geburtstag im Jahr 2013. Graciano Rocchigiani bestritt in seiner 20-jährigen Profikarriere 49 Kämpfe, 41 davon gewann der Rechtsausleger mit dem harten linken Schlag.Seinen letzten Kampf verlor er am 10. Mai 2003 gegen den Berliner Thomas Ulrich.

Hier lesen Sie "Rocky - Meine 15 Runden. Die Autobiographie: Wer einstecken muss, darf auch austeilen" von Graciano Rocchigiani

Die Box-Legende mit Berliner Schnauze: Graciano "Rocky" Rocchigiani

Legendär war die Berliner Schnauze des gebürtigen Duisburgers. Der Sohn eines sardischen Eisenbiegers und einer Berlinerin, der sowohl die Schule als auch seine Lehre als Glas- und Gebäudereiniger abgebrochen hatte, polterte los ohne Rücksicht auf Verluste. "Es gibt kluge und dumme Polen. Und du bist ein dummer Pole", hatte er einst seinen Gegner Dariusz Michalczewski beschimpft. Verlor er umstritten, befand er: "Allet Beschiss, allet Schweine."

Zuletzt war Rocchigiani als Experte für den TV-Sender Sport1 und als Jury-Mitglied in der Sendung "Sport1 - The Next Rocky" tätig.Auch in dieser Rolle nahm der Berliner dialektstark selten ein Blatt vor den Mund und nannte die Leistung der Protagonisten schon einmal freiweg "Scheiße".

Wilfried Sauerland: "Er war nicht immer einfach"

Graciano Rocchigianis früherer Manager Wilfried Sauerland war geschockt von der Nachricht. "Es tut mir so leid, das er so jung sterben musste. Eine Tragik", sagte Sauerland am Dienstag in Palma de Mallorca. "Er war nicht einfach", charakterisiert ihn Sauerland weiter, unter dessen Leitung "Rocky" 1988 zum ersten Mal Weltmeister wurde. Rocky boxte 1995 zweimal gegen "Gentleman" Henry Maske und hatte den Vorzeige-Boxer im ersten Fight am Rand des K.o., als Maske in der letzten Runde sogar zu Boden musste. Aber wie so oft in seiner Karriere waren die Punktrichter nicht auf seiner Seite. Maske bekam einen sehr, sehr schmeichelhaften Punktsieg zugesprochen.Im Rematch hatte "Rocky" keine Chance, der TV-Magnet Maske war halbwegs rehabilitiert.

Graciano Rocchigiani war es egal, ob er aneckte oder mit der Justiz mehr als einmal in Konflikt geriet: Er war unbequem, aufbrausend, als boxender Rechtsausleger hochtalentiert und unbeugsam. Einen seiner letzten großen Kämpfe gewann Rocchigiani 2004 vor einem US-Gericht.

Für die nicht rechtmäßige Aberkennung des WM-Titels des Weltverbandes WBC, den er sich sechs Jahre zuvor gegen Michael Nunn (USA) erkämpft hatte, nahm er ein Ausgleichsangebot in Höhe von 4,5 Millionen Dollar an. Ihm waren 31 Millionen zugesprochen worden, woraufhin der WBC Konkurs anmeldete. Niemand hatte dem Jungen aus Berlin-Schöneberg zugetraut, dass er bei dem Rechtsstreit auch nur den Hauch einer Chance haben könnte. Sehr lange reichte das viele Geld aber nicht, zeitweise lebte er von Hartz IV.

Graciano Rocchigiani lieferte sich diverse Kämpfe mit der Justiz

Im Kampf gegen die Justiz ging er immer als Verlierer vom Platz. Er wurde mehrfach zu Freiheitsstrafen verurteilt, darunter wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, aber auch wiederholten Fahrens ohne Führerschein. Im Januar 2007 musste er in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne zum zweiten Mal wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen eine neunmonatige Gefängnisstrafe antreten. Auf eigenen Wunsch jedoch ließ er sich schließlich in den offenen Vollzug verlegen, um weiter ein Fitnessstudio in Duisburg betreiben zu können. Im November 2007 wurde Rocchigiani vorzeitig aus der Haft entlassen. Im Juni 2012 war er zu einer Geldstrafe wegen Nötigung verurteilt worden.

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