13.08.2018, 12.34 Uhr

Doping und Drogen im eSport: ADHS-Medikamente für mehr Erfolg?

Doping ist auch im eSport ein Thema. Bevorzugt werden ADHS-Medikamente eingeworfen.

Doping ist auch im eSport ein Thema. Bevorzugt werden ADHS-Medikamente eingeworfen. Bild: Zentralbild/dpa-Zentralbild/dpa

Doping dient der Leistungserhaltung und Leistungssteigerung im Sport. Obschon es im Profi-Sport verboten ist, da die Einnahme von unerlaubten Substanzen oder die Nutzung unerlaubter Methoden zur Leistungssteigerung zur Gesundheitsschädigung bei den Athleten führen können, ploppt das Thema immer wieder auf. Nun verbindet man Doping eher mit Sportarten wie Leichtathletik, Radsport oder dem Schwimmen, aber wie ist es eigentlich um Doping in der jungen eSport-Szene bestellt? Wird auch hier zu leistungssteigernden Mittelchen gegriffen und – so das der Fall ist - was wird dagegen getan?

Auch im eSport wird gedopt - bevorzugt mit ADHS-Medikamenten wie Adderall und Ritalin

Ja, auch im eSport wird gedopt. Das legen zumindest die Ereignisse rund um das eSport-Team "Cloud9" im Jahr 2015 nahe. Team-Mitglied Kory "Semphis" Friesen erklärte in einem Interview nach einem Turnier, dass er und andere Team-Mitglieder gedopt gewesen seien. Sie hätten das Arzneimittel Adderall zu sich genommen. Ein Medikament für ADHS-Patienten, das die Konzentration steigert und die Reflexe verbessert – und damit das ideale Dopingmittel für eSportler darstellt. Ritalin wäre ein weiteres, bekanntes Präparat mit einer ähnlichen Wirkung.

Schon vor der Beichte von Kory Friesen verfasste Bjoern Franzen einen vielbeachteten und vieldiskutierten Artikel, in dem er seine Erfahrungen aus zehn Jahren eSports niederschrieb. Demnach sei es vollkommen normal gewesen, dass bei den Turnieren Pillen eingeworfen wurden, um länger konzentriert zu bleiben.

Electronic Sports League will gegen Doping im eSport vorgehen

Die Electronic Sports League (ESL), die älteste Marke im E-Sportund heute Veranstalter verschiedener eSport-Turniere und eSport-Ligen, kündigte daraufhin an, in Zukunft bei den wichtigsten Turnieren Dopingkontrollen - überwiegend in Form von Speicheltests - durchführen zu wollen. Von einem allgemeinen Dopingproblem wollte und will die ESL aber nicht sprechen. In ihrem Kampf gegen derartige Einzelfälle hat die ESL auch eine Zusammenarbeit mit der in Köln situierten Nationalen-Anti-Doping-Agentur (NADA) und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) aufgenommen.

In den Regelbüchern der ESL steht seitdem, dass Athleten, die gedopt sind, unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen oder eine Dopingkontrolle verweigern, von den eSport-Turnieren der Liga ausgeschlossen werden können. Einzig bei der Umsetzung dieser Regeln hapert es. Beispielsweise stolpert man eher selten über Kontrolleure der WADA oder NADA bei den ESL-Turnieren.

Die Anti-Doping-Agenturen WADA und NADA wollen aufklären und präventiv tätig werden

Doch hier sieht sich die NADA auch nicht in der Pflicht. Vielmehr will die NADA aufklären, Dopingprävention betreiben und der ESL helfen, überhaupt erst einmal wirksame Anti-Doping-Regeln zu etablieren. Doch eSportler selbst stellen immer wieder fest, dass NADA und WADA im eSport mit stumpfen Waffen kämpfen. Viele Richtlinien von WADA und NADA seien schlichtweg ungeeignet für den eSport. Die Hauptkritikpunkte:

  • Es gäbe keine verbindlichen, eSports-spezifischen Dopingmittel-Listen.
  • eSport-Ligen müssten aktuell ihre Sportler auf alle Substanzen testen, die auf der WADA-Liste geführt werden. Auch auf Mittel, die für eSportler überhaupt keinen Sinn machen würden (Steroide seien genannt).
  • Die WADA fordert Rund-um-die-Uhr-Überwachungen, Trainingskontrollen sowie Urin- und Blutproben – Maßnahmen, die für den eSport nicht erschwinglich/erforderlich sind.

Das Doping im eSport auf jeden Fall ein Thema ist, scheinen Aussagen der ESL zu bestätigen, wonach Informationsveranstaltungen über die Gefahren des Dopings im Umkreis größerer eSport-Events bei Aktiven und Publikum auf großes Interesse stoßen. Zudem würden Aktive einem Anti-Doping-Code absolut offen gegenüberstehen - wenn es ihn denn nur endlich geben würde.

Schalke 04 zeigt möglichen Weg auf: eSportler werden wie Profi-Fußballer behandelt

Interessant ist, dass die Profi-eSportler des Vereins Schalke 04 einen ähnlichen - leicht abgeschwächten - Aufnahmetest durchlaufen müssen wie Profi-Fußballer. Neben einer Leistungsdiagnostik gehören auch Bluttests zum Aufnahmeprozedere. Nachgewiesene Dopingfälle und Drogenkonsum wären für die eSports-Abteilung des Fußballbundesligisten ein sofortiger Nichtaufnahme-/Kündigungsgrund.

Die Verunsicherung bei dem Thema Medikamenten-Missbrauch im eSport ist groß

Bei der FIFA-18-WM am letzten Wochenende nahm das Thema Dopingkontrolle fast schon groteske Züge an. Wer kontrolliert wurde, wurde im Vorfeld ausgelost - in aller Öffentlichkeit UND auf einer Bühne! Im Profisport werden derartige Entscheidungen normalerweise hinter geschlossenen Türen gefällt.

Das zeigt nur, dass es für den eSport selbst und dessen Anerkennung als Profisport wichtig ist, möglichst bald ein verbindliche Anti-Doping-Regelwerk auf die Beine zu stellen. Nur so wird man den Adderall- und Ritalin-Missbrauchsvorwürfen wirksam entgegentreten können.

Lesen Sie auch: eSport in Deutschland – Ist eSport überhaupt eine offizielle Sportart?

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pap/kns/news.de
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