16.07.2018, 10.20 Uhr

Nach dem WM-Finale Frankreich - Kroatien: Schlägereien, Plünderungen, Festnahmen! Gewalt eskaliert nach WM-Endspiel

Nach dem WM-Finalsieg der Franzosen über Kroatien kam es in Paris zu heftigen Ausschreitungen.

Nach dem WM-Finalsieg der Franzosen über Kroatien kam es in Paris zu heftigen Ausschreitungen. Bild: Francois Mori / AP / picture alliance / dpa

Frankreich in Feierlaune: Die frisch gekürten Fußball-Weltmeister werden am Montag zurück auf heimischem Boden erwartet. Das französische Team soll um 15.55 Uhr am Pariser Flughafen Charles de Gaulle landen, wie der Fußballverband FFF mitteilte.

Französischer Präsident Macron feiert WM-Sieg mit Nationalmannschaft

Anschließend fahren die Weltmeister ins Stadtzentrum und lassen sich dort auf der Prachtstraße Champs-Élysées feiern, bevor Staatspräsident Emmanuel Macron sie im Élyséepalast empfängt. Die Spieler seien für 18.30 Uhr geladen und würden von Macron und seiner Frau Brigitte begrüßt, teilte der Élysée-Palast mit. Außerdem seien zahlreiche Jugendliche und Sportler im Palast, um die Helden zu feiern, hieß es.

Ganz Frankreich tickt nach Sieg gegen Kroatien im WM-Finale aus

Schon am Sonntagabend, unmittelbar nach dem Sieg Frankreichs gegen Kroatien im WM-Finale in Moskau, bejubelten die Franzosen ihre Mannschaft. Hunderttausende strömten auf die Champs-Élysée und verwandelten sie in eine einzige Partymeile. Bunt geschmückte Fans brüllten ihre Freude hinaus. Überall waren Sprechchöre zu hören: "On est les champions" ("Wir sind die Champions"), einige Fans kletterten auf Ampeln, Laternen und Litfaßsäulen. Der Prachtboulevard war schon während des Spiels für Autos gesperrt - genau wie weite Teile des Westens der Stadt. Später kam es dann hier wie auch in anderen Städten wie Lyon, Marseille und Ajaccio zu Ausschreitungen.

Krawalle nach WM-Finale: Schlägereien und Plünderungen in Paris und anderen Metropolen

Bei den Jubelfeiern nach dem WM-Sieg ihres Teams über Kroatien ist es in mehreren französischen Städten zu Ausschreitungen gekommen. Die Feiern von Hunderttausenden Fans wurden in der Nacht zu Montag von Zwischenfällen überschattet, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. In der Hauptstadt wurde ein Mann nach einer Schlägerei schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Rund 30 junge Menschen plünderten zudem auf der Prachtstraße Champs-Élysées ein Geschäft, die Polizei vertrieb sie mit Tränengas. Zuvor hatten hier die Fans friedlich und euphorisch den 4:2-Triumph ihres Teams gefeiert.

Zu Zusammenstößen von rund 100 zumeist jugendlichen Fans mit der Polizei kam es auch in Lyon. In Marseille wurden bei Auseinandersetzungen zwei Polizisten verletzt. Zehn Menschen wurden festgenommen. In Ajaccio gerieten französische und kroatische Fans aneinander.

So zelebriert die Presse Frankreich als neuen Fußball-Weltmeister

Über den WM-Triumph jubelte Frankreichs Presse: "Die französische Mannschaft hat am Sonntag wirklich eine neue Seite ihrer Geschichte aufgeschlagen", schrieb zum Beispiel "L'Équipe". Und Macron persönlich stattete den Weltmeistern in der Kabine einen Besuch ab - und brachte einen Überraschungsgast mit. "Ihr habt ganz Frankreich zum Träumen gebracht", sagte Macron zu den Fußballern, wie auf einem Instagram-Video von Mittelfeldspieler Paul Pogba vom Sonntagabend zu sehen war.

Mitgebracht hatte Macron zu den Spielern einen Mann, der im Krieg in Mali einen Arm und ein Bein verloren hatte. Dieser Mann habe ihn zwei Tage vor dem Finale um einen Gefallen gebeten, sagte Macron: "Sagen Sie (den Spielern), dass sie einen kleinen Franzosen wie mich zum Träumen gebracht haben. Deswegen habe ich ihn euch mitgebracht: weil ich wollte, dass ihr spürt, was ihr tut."

Feierlicher Empfang für kroatische Nationalmannschaft nach WM in Russland

Auch die kroatische Mannschaft wird - trotz der Enttäuschung über das verlorene Finale - feierlich empfangen werden. Das Team wird gegen Mittag in Zagreb erwartet und soll dann in einem offenen Bus durch die Hauptstadt Kroatiens fahren. Schließlich wird sich die Mannschaft, die zum ersten Mal in einem WM-Finale stand, auf dem zentralen Jelacic-Platz feiern lassen.

Auch wenn viele Tränen flossen, zeigte ein TV-Moderator den Weg für die kommenden Tage schon auf: "Wir werden unsere Jungs auch so feiern, denn sie haben es verdient". Die größte Boulevardzeitung "24sata" titelte: "Doch nur Silber, aber mit goldenem Glanz. Ihr seid für uns die Champions".

Den "Nationalhelden" werde am Montag ein großartiger Empfang bereitet, versprachen Fans und Behörden. Die Regierung rief die Unternehmer auf, ihren Mitarbeitern frei zu geben, damit sie zur Jubelfeier kommen können. Die öffentlichen Verkehrsunternehmen kündigten an, die Anhänger kostenlos im Zagreber Stadtgebiet zu befördern. Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic will die Mannschaft, den Trainer und die Betreuer noch am Montag mit einem hohen Orden dekorieren. Sie hatte beim Spiel in Moskau im Stadion mitgefiebert und die Fußballer danach herzlich getröstet.

Kroatische Fans auf der Theodor-Heuss-Straße in Stuttgart jubeln während des WM-Finalspiels zwischen Frankreich und Kroatien.

Kroatische Fans auf der Theodor-Heuss-Straße in Stuttgart jubeln während des WM-Finalspiels zwischen Frankreich und Kroatien. Bild: Marijan Murat / picture alliance / dpa

55 Festnahmen bei Feiern kroatischer Fans in Stuttgart

Bei den Feiern kroatischer Fans zum WM-Finale hat es in Stuttgart 55 Festnahmen gegeben. Man habe etliche gewaltbereite Fans vorläufig festgenommen, die die Weisungen der Polizei nicht befolgt und auch Pyrotechnik eingesetzt hätten, sagte eine Sprecherin am Sonntagabend. Fünf Polizisten erlitten bei dem Einsatz leichte Blessuren.

In der Innenstadt verfolgten rund 7.000 kroatische Fans das Endspiel ihrer Nationalmannschaft gegen Frankreich. Die meisten davon tummelten sich auf der Theodor-Heuss-Straße, einer mehrspurigen Hauptstraße, die während des Spiels auf einigen Hundert Metern für Autos gesperrt war. Rund 109 500 Baden-Württemberger sind kroatische Staatsbürger - das sind mehr als in jedem anderen Bundesland.

Die russische Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot hat eine spektakuläre Protestaktion mit vier Flitzern beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft für sich reklamiert.

Die russische Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot hat eine spektakuläre Protestaktion mit vier Flitzern beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft für sich reklamiert. Bild: Martin Meissner / AP / picture alliance / dpa

Pussy Riot reklamiert Flitzer-Aktion bei WM-Finale für sich

Die russische Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot hat eine spektakuläre Protestaktion mit vier Flitzern beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft für sich reklamiert. Vier als russische Polizisten verkleidete Aktivisten rannten am Sonntagabend in der zweiten Halbzeit des Endspiels zwischen Frankreich und Kroatien (4:2) auf das Spielfeld und sorgten damit für eine kurze Unterbrechung. Pussy Riot ließ wenig später über Facebook verlauten, die Aktivisten gehörten zu der kremlkritischen Gruppe. Die Aktion verknüpften sie mit politischen Forderungen. Ein Video in Internet von einem angeblichen Polizeiverhör löste in dem Zusammenhang Kritik aus.

Die Moskauer Behörden hielten sich weitgehend bedeckt zu dem Fall. Das Innenministerium bestätigte Agenturen zufolge die Festnahme von drei Frauen und einem Mann. Später teilte die Polizei mit, sie hätten Verwaltungsstrafen von bis zu 200.000 Rubel (etwa 2.700 Euro) oder 160 Stunden gemeinnütziger Arbeit für die Flitzer beantragt.

Im Internet kursierte ein Video, in dem angeblich das Verhör von zwei Aktivisten zu sehen gewesen sein soll. Dem regierungskritischen Portal meduza.io zufolge fragte darin ein Verhörer, der nicht zu sehen war, wo sie die Uniformen her hätten. "Gemietet", sagte einer der Festgenommenen. Der Verhörer sagte verärgert: "Gemietet? Manchmal bedauere ich es, dass wir nicht das Jahr 37 haben. Manchmal bedauere ich es einfach." Das Video war nicht unabhängig zu verifizieren. Internetnutzer kritisierten es als Zeichen von Intoleranz.

1937 war die Zeit des sogenannten Großen Terrors unter Sowjetdiktator Josef Stalin. Die Phase war geprägt von Massenfestnahmen und Deportationen. Hunderttausende Menschen waren betroffen. Viele wurden erschossen oder kamen in Arbeitslager (Gulag).

Punk-Aktivistinnen von Pussy Riot sorgen bei Weltmeisterschaft für Eklat

Die Punkgruppe Pussy Riot hat in der Vergangenheit immer wieder kremlkritische Aktionen an öffentlichen Orten inszeniert. 2012 war die Gruppe bekannt geworden, als drei Aktivistinnen nach einem "Punk-Gebet" in einer Kirche verhaftet wurden. Sie wurden wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" verurteilt, später aber begnadigt.

Die vier Flitzer waren in ihrem uniformähnlichen Dress fröhlich winkend mitten im Finale auf den Platz gelaufen, wurden aber schnell von Sicherheitsleuten geschnappt. Der argentinische Schiedsrichter Nestor Pitana schien die Flitzer im ersten Moment nicht zu bemerken, stoppte die Partie dann aber doch für kurze Zeit. Einer Aktivistin gelang es, mit Frankreichs Superstar Kylian Mbappe abzuklatschen.

Die Flitzeraktion nannten sie: "Der Polizist kommt ins Spiel". "Vier Mitglieder von Pussy Riot im Finale der Fußball-WM", hieß es in dem Schreiben der Gruppe. Die Aktivisten forderten darin unter anderem, dass politische Gefangene freigelassen werden und dass es keine Festnahmen bei Kundgebungen mehr gibt. Zudem schrieben sie, das Land brauche mehr politischen Wettbewerb.

Wie geht es in Russland nach der bunten WM weiter?

Die Aktion wirft zum Ende der von den russischen Organisatoren und dem Weltverband FIFA überschwänglich gefeierten WM ein Schlaglicht auf Russland. Die FIFA hatte das Turnier als die beste WM aller Zeiten bezeichnet. Präsident Wladimir Putin sagte nach dem Finale, Russland könne stolz sein. Viele ausländische Fans hätten nun Russland kennengelernt und ihre Meinung über das Land geändert. "Auch das ist ein wichtiges Ergebnis (der WM)", sagte Putin.

Kritiker haben immer wieder betont, dass der bunte Straßenkarneval der ausländischen Fans und die Lockerheit der Polizei und Behörden im Umgang mit ausgelassenen Feiern auf den Straßen nur vorübergehende Erscheinungen seien. Nach der WM sei dies wieder vorbei, schätzen viele.

Daran knüpfte Pussy Riot mit einem Video nach der Aktion an. "Lieber Freund, du weißt wahrscheinlich, dass Russland kein Rechtsstaat ist", sagte eine Aktivistin, deren Gesicht von einer Maske bedeckt war. Eine andere ohne Maske las vor: "Die WM ist großartig. Sie hat gezeigt, wie die Polizisten in Russland sein können." Anschließend bekräftigten sie ihre zuvor gestellten Forderungen.

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loc/pap/news.de/dpa
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