08.06.2018, 22.12 Uhr

Deutschland - Saudi Arabien: Deutsche Nationalelf überzeugt kaum beim 2:1 gegen Saudi Arabien

Die Startelf gegen Saudi-Arabien wird sich von jener gegen Österreich (siehe Foto) leicht unterscheiden.

Die Startelf gegen Saudi-Arabien wird sich von jener gegen Österreich (siehe Foto) leicht unterscheiden. Bild: Christian Charisius / dpa

Nach dem verpatzten Testspiel gegen Österreich wird Saudi Arabien ein wichtiger Gegner zum Aufbau des Selbstbewusstseins der deutschen Nationalspieler werden. 8:0 hat die deutsche Nationalelf Saudi Arabien im letzten Aufeinandertreffen (2002) abgefertigt. Wird es am Freitag einen neuerlichen Tor-Regen geben? Im Gegensatz zu Österreich haben es die Saudis im Übrigen zur WM nach Russland geschafft. Werden sie vielleicht sogar zum nächsten Stolperstein für die Jungs von Joachim Löw?

Eine Analyse zum Testspiel gegen Saudi Arabien:Deutsche Nationalelf gewinnt 2:1

Joachim Löw winkte kurz in Richtung Fans und verschwand dann schnell in den Kabinentunnel. Was der Bundestrainer zuvor bei der WM-Generalprobe gegen Saudi-Arabien gesehen hatte, konnte ihm nicht gefallen haben. Mit einem laschen Auftritt gegen den krassen Außenseiter hat Fußball-Weltmeister Deutschland noch keine Euphorie für die WM-Titelverteidigung wecken können. Gegen den Weltranglisten-67. reichte es am Freitagabend in Leverkusen nur zu einem 2:1 (2:0) Pflichtsieg - viel zu wenig für die eigenen Ansprüche neun Tage vor dem WM-Ernstfall gegen Mexiko im Moskauer Luschnikistadion.

Löw: "Am Ende hatten wir sogar noch Glück"

"Wir haben heute viele Chancen vergeben und viele Chancen zugelassen. Am Ende hatten wir sogar noch Glück", monierte Löw. Für WM-Angst sieht der DFB-Chefcoach nach dem ersten Erfolg nach zuletzt fünf Spielen ohne Sieg aber keinen Anlass. "Sorgen mache ich mir keine, weil ich weiß, dass wir uns weiterhin steigern. Wenn es losgeht, werden wir da sein", versprach Löw. "Nächste Woche werden wir spritziger und dynamischer sein und mehr Power haben."

Auch die Spieler reagierten kritisch. "Wir haben so gut wie alles vermissen lassen. So ist es schwer", sagte Sami Khedira in der ARD. "Ich denke, dass wir einen guten Zwischenzustand haben und gut reingekommen sind. Dann hat uns die Coolness und Cleverness gefehlt. Man muss nicht immer sofort versuchen, ein Tor zu erzielen", monierte Torwart Manuel Neuer.

Timo Werner macht sein achtes Länderspieltor

Das lange Zeit lockere Angriffstraining führte vor 30 210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena nur zum achten Länderspieltreffer des Leipzigers Timo Werner (8. Minute) und einem Eigentor des von Thomas Müller im Zweikampf bedrängten Saudi-Verteidigers Omar Hausawi (43.).

Taissir Al-Dschassim (85.) erzielte im Elfmeter-Nachschuss den Treffer für die Gäste. Zuvor hatte Neuer-Backup Marc-André ter Stegen gegen Mohammed Al-Sahlawi pariert. Sekunden vor dem Abpfiff hatte Saudi-Arabien noch die große Chance zum Ausgleich. "Sie hatten für ihre Qualitäten gegen uns die eine oder andere Chance zu viel", sagte Toni Kroos.

Nachlässigkeiten prägen die Defensivarbeit der Deutschen Nationalelf

Der agile Angreifer Marco Reus und Khedira hatten noch Pech mit Pfostentreffern. Zahlreiche Nachlässigkeiten in der Defensivarbeit konnten von den Gästen nicht bestraft werden. Der eingewechselte Ilkay Gündogan wurde von vielen Zuschauern ausgepfiffen, das Erdogan-Thema wird der DFB nicht los. "Das ein Nationalspieler so ausgepfiffen wird, das hilft niemanden", sagte Löw.

Gleich nach dem Spiel verabschiedeten sich Neuer und Co. in einen Drei-Tage-Urlaub, bevor es am Dienstag ins WM-Quartier nach Watutinki geht. Vor den Toren Moskaus soll dann der weiter nötige WM-Feinschliff folgen.

Özil lief nicht auf, Reus macht auf sich aufmerksam

Löw präsentierte bei der Generalprobe praktisch seine komplette WM-Wunschelf. Nur Mesut Özil fehlte in der für die Mexiko-Partie in neun Tagen in Moskau erwarteten Formation wegen Rückenproblemen. Reus als spielstarke zweite Spitze neben Werner und Julian Draxler auf der Halbposition durften als potenzielle Ersatzkandidaten vorspielen.

Jérôme Boateng bekam nach sechs Wochen Verletzungspause die Chance, sich 45 Minuten neben Mats Hummels in der Abwehrzentrale gegen einen bestenfalls zweitklassigen Gegner wieder an Wettkampfniveau heranzutasten. In der zweiten Halbzeit kam für ihn Niklas Süle - ein klares Indiz, wer im Notfall in Russland erster Ersatzmann wäre.

Zu lässig gegen schwächere, aber schnelle Gegner

Wenige Minuten waren gespielt, da funktionierte ein ungewöhnliches wie effektives Stilmittel. Joshua Kimmich chippte den Ball hoch hinter die Abwehrreihe der Saudis, Reus legte direkt ab auf Werner, der seine gute DFB-Torquote im 14. Länderspiel erhöhte. Überlegen war die Weltmeister-Auswahl - aber eben auch reichlich lässig. Kurz nach der Führung prüfte Salem Al-Dawsari (9.) Torwart Neuer in dessen zweitem Spiel nach der Langzeit-Verletzung.

Mitte der ersten Halbzeit schimpfte Hummels energisch über die fehlende Defensivarbeit gegen limitierte, aber durchaus schnelle Gäste. Al-Muwallad (38.) hätte den Ausgleich erzielen können.

Deutsche Elf geht mit 2:0 Führung in die Halbzeit

Bei aller Lässigkeit, die grundsätzliche Überlegenheit der DFB-Elf stand nicht infrage. Reus hatte bereits in der elften Minuten den Pfosten getroffen. Beim Dortmunder war von einem Last-Minute-Trauma nichts zu spüren. 2014 hatte er sich bei der WM-Generalprobe gegen Armenien verletzt und den Titel-Triumph in Brasilien verpasst. Der Kopf war frei, das war zu spüren. In der Form ist Reus ein belebender Faktor für die Titelverteidigung.

Der recht offensiv ausgerichtete Khedira (38.) hätte schon fast auf 2:0 erhöht. Torwart Abdullah Al-Muaiuf lenkte den Ball noch an den Pfosten. Kurz vor der Halbzeit half aber der Gegner mit. Bedrängt von Thomas Müller bugsierte Hausawi den Ball nach einer Hereingabe von Werner ins eigene Tor.

In Halbzeit zwei wird Neuer durch ter Stegen ersetzt

Löw brachte nach der Pause ter Stegen für Neuer. Dieser Wechsel war sicherlich eine Anerkennung für die vom Barça-Schlussmann klaglos ertragene Rückstufung zur Nummer zwei nach dem Neuer-Comeback. Sonderlich geprüft wurde ter Stegen bis zum Elfmeter nicht. Den Schuss von Al-Sahlawi konnte er parieren, war dann aber ohne Chance.

Gespielt wurde zuvor weiter vornehmlich Richtung Tor von Al-Muaiuf, der sich als bester Akteur seines Teams auch bald gegen Draxler (50.) und Müller (55.) auszeichnen konnte. Für Reus war die Partie nach einer knappen Stunde vorbei. Ersatzmann Gündogan reagierte professionell auf die unfreundliche Begrüßung und hatte die Chance zum 3:0. Wieder war Al-Muaiuf da. Oliver Kahn - Torwartberater der Saudis - lächelte auf der Tribüne in sich hinein.

Aufstellung beim Test Deutschland gegen Saudi Arabien am 08. Juni 2018

Deutschland: Neuer (Bayern München/32 Jahre/75 Länderspiele) - Kimmich (Bayern München/23/28), Boateng (Bayern München/29/70), Hummels (Bayern München/29/63), Hector (1. FC Köln/28/37) - Khedira (Juventus Turin/31/74), Kroos (Real Madrid/28/82) - Müller (Bayern München/28/90), Reus (Borussia Dortmund/29/30), Draxler (Paris Saint-Germain/24/43) - Werner (RB Leipzig/22/13)

Saudi-Arabien: Al-Mosailem (Al-Ahli Dschidda/34/32) - Al-Shahrani (Al-Hilal Riad/26/37), Osama Hawsawi (Al-Hilal Riad/34/127), Omar Hawsawi (Al-Nassr Riad/32/45), Al-Harbi (Al-Ahli Dschidda/30/40) - Otayf (Al-Hilal Riad/25/17), Al Jassim (Al-Ahli Dschidda/33/127) - Al-Muwallad (UD Levante/23/45), Al-Shehri (SD Leganes/27/53), Al-Dawsari (FC Villarreal/26/43) - Al-Sahlawi (Al-Nassr Riad/31/41)

Letztes Testspiel: Bekommt Deutschland gegen Saudi Arabien die Tormaschine gezündet?

Erst siegen - und dann ab zu den Liebsten: Bevor Joachim Löw seine 23 auserwählten WM-Spieler noch einmal für drei Tage zu den Familien entlässt, sollen der neue Angriffsführer Timo Werner und seine Offensiv-Kollegen bei den deutschen Fans mit einem torreichen Fußballabend Vorfreude auf das Projekt Titelverteidigung in Russland wecken. Der Gegner Saudi-Arabien mag politisch umstritten sein - rein sportlich scheint er ideal gewählt: In der neuen FIFA-Weltrangliste trennen Weltmeister Deutschland als führende Nation und die an Position 67 geführten Kicker aus dem Königreich Welten. Nur Gastgeber Russland ist auf Platz 70 schlechter platziert.

Nach fünf sieglosen Länderspielen muss ein Sieg her!

"Wir brauchen nicht den absoluten Topgegner, die hatten wir schon, sondern einen Gegner, wo wir das eine oder andere testen können", sagte Teammanager Oliver Bierhoff am Donnerstag in Eppan vor dem Flug-Transfer des DFB-Trosses von Bozen nach Köln. Bierhoff machte zwar keine Torvorgabe, aber nach fünf sieglosen Länderspielen erwartet auch er ein Ende der Negativserie: "Wir wollen das Spiel gewinnen und einen guten Abschluss des Trainingslagers."

Ein Richtmaß hat WM-Teilnehmer Peru gesetzt, der die Saudis im Test mit 3:0 bezwingen konnte. "Wir wollen eine gute Leistung zeigen. Jeder will sich nochmal zeigen", sagte Linksverteidiger Jonas Hector. Bei der letzten der nur zwei Partien gegen Saudi-Arabien gab es bei der WM 2002 in Japan ein 8:0.

Interessant zu wissen: Oliver Kahn, der bei jenem 8:0 im Tor der DFB-Elf stand, macht aktuell die saudischen Torhüter fit für die WM in Russland. Der frühere Nationaltorhüter ist vorerst bis nach der WM Torwart-Ausbilder des Verbandes. Er soll dafür sorgen, dass Saudi Arabien keine ähnlich frustrierenden Niederlagen mehr erleben muss und bei der fünften WM-Teilnahme nicht zum vierten Mal in Serie in der Vorrunde ausscheidet.

Erkenntnisse aus der Österreich-Blamage fließen in das Spiel gegen Saudi Arabien ein

Dennoch, der Bundestrainer Joachim Löw sollte angesichts der auch 16 Jahre später weiterhin überschaubaren Stärke des Gegners mit seiner Prognose Recht behalten, die er nach dem missglückten 1:2 in Österreich geäußert hatte: "Wir werden einen großen Schritt nach vorne machen!" In Südtirol wurde intensiv an den erkannten Mängeln gearbeitet. Löw hatte die größten Defizite deutlich benannt: "Wir haben taktische Probleme aufgezeigt bekommen, in der Organisation, im Spiel nach vorne, in der Raumaufteilung, im Positionsspiel."

Özil gegen Saudi Arabien nicht dabei, Boateng feiert hingegen Comeback

Alles das soll neun Tage vor dem Ernstfall in Moskau gegen Mexiko in der BayArena anders aussehen. "Es gibt Vorgaben, die der Trainer erfüllt sehen will", bestätigte Bierhoff. Löw kann beim finalen Probelauf aber noch nicht seine WM-Wunschelf aufbieten. Denn Mesut Özil wird wegen einer leichten Knieprellung geschont. Der WM-Auftakt ist für den 29-Jährigen laut Löw aber nicht gefährdet: "Das Spiel gegen Mexiko steht nicht infrage", sagte der 58-Jährige im ARD-Hörfunk. "Man möchte kein Risiko eingehen", sagte Bierhoff.

Eine Fixgröße für die WM-Elf ist auch Jérôme Boateng. Der Bayern-Verteidiger soll nach seiner Oberschenkelverletzung und mehreren Trainingseinheiten mit dem Team zu einem überraschend frühen Comeback kommen, wie Löw ankündigte. "Es ist denkbar, dass er beginnt." Boateng werde aber nicht das komplette Spiel absolvieren.

"Es ist toll, welch schnelle Entwicklung Jérôme im Training genommen hat", sagte Ex-Stürmer Bierhoff bei der letzten Pressekonferenz in Eppan. Weitere Spielpraxis im Tor soll Manuel Neuer sammeln. Der Kapitän zog nicht nur für sich selbst ein positives Fazit der zwei Vorbereitungswochen in Italien: "Ich denke, dass wir gut dastehen und gut gearbeitet haben."

Lesen Sie auch: Alle News aus dem Trainingslager in Südtirol.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

pap/kad/news.de/dpa
Toni KroosRaphael Holzdeppe privatMeghan MarkleNeue Nachrichten auf der Startseite