04.11.2017, 08.13 Uhr

Bundesliga am Freitag, 3.11.2017: Kohfeldt-Premiere missglückt! Eintracht siegt 2:1 gegen Werder Bremen

Florian Kohfeldt übernimmt als Interimstrainer die Geschicke des strauchelnden Bundesligisten SV Werder Bremen.

Florian Kohfeldt übernimmt als Interimstrainer die Geschicke des strauchelnden Bundesligisten SV Werder Bremen. Bild: Carmen Jaspersen / picture alliance / dpa

Zehn Spieltage sind in der aktuellen Saison der Fußball-Bundesliga bereits gelaufen - der 11. Spieltag feiert mit der Partie Eintracht Frankfurt gegen SV Werder Bremen am Freitag, dem 03.11.2017, seinen Auftakt. Für den Tabellenvorletzten Bremen, der nur 5 Punkte aus 10 Spielen auf dem Konto hat, ist die Partie gegen die Frankfurter Eintracht das erste Spiel nach der Entlassung von Trainer Alexander Nouri mit Interimscoach Florian Kohfeldt.

Werder Bremen verliert auch mit Kohfeldt - Eintracht gewinnt 2:1

Werder Bremen steckt auch nach dem Trainerwechsel weiter in der Krise. Im ersten und vielleicht auch letzten Spiel unter seinem Interimscoach Florian Kohfeldt verlor der Tabellenvorletzte am Freitagabend trotz einer erheblichen Leistungssteigerung unglücklich mit 1:2 (1:1) bei Eintracht Frankfurt. Wie schon gegen den VfB Stuttgart schoss Sebastien Haller in der 89. Minute den späten Siegtreffer für die Eintracht. Die erste Frankfurter Führung durch Ante Rebic in der 17. Minute hatte Niklas Moisander nur acht Minuten später noch einmal ausgeglichen (25.).

Die Bremer wollen jetzt in der zweiwöchigen Länderspielpause entscheiden, ob sie einen erfahrenen Cheftrainer wie Bruno Labbadia oder René Weiler verpflichten oder den 35 Jahre alten Kohfeldt trotz dieser Niederlage von der Interims- zur Dauerlösung befördern.

Kohfeldt tat genau das, was er vor dem Spiel angekündigt hatte: Er ließ die Bremer deutlich mutiger und offensiver spielen als sein Vorgänger Alexander Nouri. Statt der zuletzt üblichen drei Innenverteidiger stellte der Bundesliga-Debütant drei Stürmer auf und ließ in einem forschen 4-3-3-System agieren.

Werder Bremen mit Interimscoach Kohfeldt deutlich angriffslustiger

Gleich in der zweiten Minute hatte Max Kruse die erste dicke Chance für das offensivschwächste Team der Liga. Werder spielte vor den 51.500 Zuschauern deutlich angriffslustiger und zielstrebiger als im gesamten bisherigen Verlauf der Saison. Nur fünf Tage war das deprimierende 0:3 gegen den FC Augsburg an diesem Abend her. Doch der Tabellenvorletzte war im Vergleich dazu nicht wiederzuerkennen.

Auch der überraschende Rückstand durch ein Traumtor des Kroaten Rebic brachte die Bremer nur kurz ins Wanken. Frankfurts Marius Wolf hatte kurz darauf die Gelegenheit zum 2:0 (19.). Kohfeldt reagierte auf den drohenden Bruch im Spiel, indem er das defensive Mittelfeld mit zwei Spielern besetzte - und bald darauf stand es auch schon 1:1. Der Finne Moisander nutzte nach einem Eckball ein großes Chaos im Frankfurter Fünf-Meter-Raum und erzielte den ersten Bremer Treffer nach zuvor 508 torlosen Bundesliga-Minuten.

Nach dem Ausgleich entwickelte sich ein offener, hochintensiver Schlagabtausch. Auch Frankfurt investierte jetzt deutlich mehr in dieses Spiel, aber Werder spielte genauso selbstbewusst und schnörkellos weiter. Die Folge: Die Eintracht hatte eine gute Chance durch Wolf (29.) - und Werder gleich drei davon in nur drei Minuten: durch Zlatko Junuzovic (40.), Kruse (42.) und Maximilian Eggestein (43.). Dreimal rettete der finnische Torhüter Lukas Hradecky stark.

Nach der Pause verlor die Partie sichtlich an Niveau, es spielte fast nur noch die Eintracht. Werder hatte sichtlich Kräfte gelassen. Frankfurt hatte auch die deutlich besseren Chancen: Aber Boateng (55.) und Jetro Willems (64.) vergaben. Mit dem Wechsel von Florian Kainz für Philipp Bargfrede signalisierte Kohfeldt: Wir wollen hier mehr als das Remis.

Aufstellung: Boateng und Hasebe bei Eintracht Frankfurt wieder im Training

Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt kann am Freitagabend beim Heimspiel gegen Werder Bremen wieder mit seinen Führungsspielern Makoto Hasebe und Kevin-Prince Boateng planen. Beide trainierten am Mittwoch wieder mit der Mannschaft. Abwehrchef Hasebe hatte zuletzt wegen Knieproblemen das Rhein-Main-Derby bei Mainz 05 (1:1) verpasst. Boateng fehlte am Montag und Dienstag aufgrund von Adduktoren-Beschwerden beim Training.

Typ Nagelsmann: Werder-Interimscoach Florian Kohfeldt sieht "große Chance"

Die Parallelen zu Julian Nagelsmann wurden schon nach wenigen Sätzen von Florian Kohfeldt deutlich. Offen, gut gelaunt und mit klaren Vorstellungen vom Fußball - wie sein prominenter, längst gehypter Kollege von 1899 Hoffenheim - präsentierte sich der neue Interimstrainer von Werder Bremen am Mittwoch der Öffentlichkeit. "Ich habe Respekt vor der Position, aber keine Angst", bekräftigte der erst 35-Jährige vor dem wichtigen Spiel am Freitag bei Eintracht Frankfurt und schob entschieden hinterher: "Ich habe die Fähigkeit, die Mannschaft auf das Spiel gut vorzubereiten."

Werder Bremen hat für Nachfolgersuche "keinen Druck"

Glaubt man seinem Chef Frank Baumann, hat Kohfeldt Potenzial für deutlich mehr. "Er wird so oder so eine große Zukunft als Trainer haben", prophezeite Werders Sportchef, der am Montag den bisherigen Chefcoach Alexander Nouri nach einem katastrophalen Saisonstart mit nur drei Toren und fünf Punkten aus zehn Spielen beurlaubt hatte. Sofort sei ihm klar gewesen, dass Werder in Kohfeldt als Coach des Drittligateams ein "großes Trainertalent" im Verein habe. Mit der Entscheidung, dem 35-Jährigen vorerst die Verantwortung für das Profiteam zu übertragen, hat der Tabellen-Vorletzte der Fußball-Bundesliga erst einmal Zeit gewonnen. "Wir haben keinen Druck, weil wir die Mannschaft aktuell in sehr, sehr guten Händen wissen", sagte Baumann.

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Lucien Favre als Wunschkandidat für Trainerposten gehandelt

Angesichts des fast überschwänglichen Lobs für den Interimscoach verwundert es fast, dass Baumann weiterhin den Trainermarkt sondiert. "Das ist eine diffizile Entscheidung, weil wir in keiner Top-Situation sind und weil es die wichtigste Personalie in einem Bundesliga-Club ist", begründete Baumann. Wie schwierig die Situation ist, zeigt auch die reservierte Haltung des angeblichen Wunschkandidaten Lucien Favre. "Das ist im Moment kein Thema", sagte Favres Berater Reza Fazeli der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. "Lucien Favre ist total konzentriert auf seine Aufgabe in Nizza."

Nach einem Bericht des Internetportals Deichstube.de sei der aktuelle Trainer von OGC Nizza und frühere Bundesligacoach von Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC Wunschkandidat Werders. Auskunft über den Stand der Trainersuche oder gehandelte Kandidaten wollte Baumann am Mittwoch nicht geben. Er verkündete nur soviel: "Der Kreis wird immer enger. Wir werden uns in den nächsten Tagen und Wochen entscheiden." Sollte Werder sich bei potenziellen Top-Trainern weiter die Zähne ausbeißen und sollte Kohfeldt Werder am Freitag womöglich zum ersten Bundesligasieg seit sechs Monaten führen, würde der 35-Jährige offenbar weiter Pluspunkte sammeln.

Kohfeldt kündigt Überraschung an

"Ich sehe es als Chance. In dieser Woche muss die Mannschaft eine Reaktion zeigen", sagte Kohfeldt und kündigte "ein, zwei" taktische Änderungen an. "Es kann durchaus sein, dass es die ein oder andere Überraschung gibt", sagte Werders neuer Coach, der ähnlich wie Thomas Tuchel oder Nagelsmann keine große Spieler-Karriere vorweisen kann, offensichtlich aber auch detailverliebt in taktische Fragen ist.

"Unser Student", nannte ihn der frühere Werder-Coach Viktor Skripnik, unter dem Kohfeldt bis 2016 bereits als Co-Trainer des Bundesligateams in Taktikfragen tüftelte. Dabei erwarb sich das Trainertalent den Ruf als akribischer Arbeiter. "Ich glaube, dass ich die Dinge zielführend angehe. Das kann auch mal eine laute Ansprache beinhalten", warb Kohfeldt für sich und versprach für seine große Chance am Freitag: "Ich versuche, das Emotionale zu kontrollieren."

Unabhängig vom Ergebnis und Baumanns Bemühungen auf dem Trainermarkt kündigte Kohfeldt außerdem selbstbewusst an: "Klar ist auch, dass ich irgendwann Bundesliga-Coach werden will." Die endgültige Beförderung in Bremen scheint nicht ausgeschlossen.

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loc/kns/news.de/dpa
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