23.08.2017, 16.30 Uhr

eSport auf Schalke, in Wolfsburg und Co.: Darum verpflichten Bundesliga-Klubs jetzt professionelle Gamer

Zwei Teams sitzen bei dem WM-Finale 2015 des Computer-Spiels

Zwei Teams sitzen bei dem WM-Finale 2015 des Computer-Spiels "League of Legends" vor ihren Computern. Bild: Paul Zinken / dpa

Sitzen die Sport-Stars künftig vor Computerkonsolen, anstatt sich durchgeschwitzt bei Wind und Wetter über den Stadionrasen zu kämpfen? Fakt ist:eSport ist längst zu einer ernstzunehmenden Branche, zu einem lukrativen Geschäft geworden - große Stars, Millionen Fans und riesige Turniere mit hohen Gagen inklusive. Das haben auch die ersten Bundesligavereine erkannt, die sich zunehmend in diesem Bereich engagieren.

Diese Bundesliga-Vereine engagieren sich im eSport

Den Anfang machte 2015 der VfL Wolfsburg, später folgten der FC Schalke 04 und zuletzt der VfB Stuttgart, der Mitte Juli eine eSport-Abteilung gründete und zwei Profis für das Computerspiel FIFA 17 unter Vertrag nahm. "Wir hoffen, dadurch ganz neue junge Zielgruppen für den VfB zu begeistern", sagt Vorstand Jochen Röttgermann. Er ist sicher, "dass auf diesen Zug noch etliche Vereine aufsteigen".

Die Champions League im eSport: FIFA veranstaltet Interactive Club World Cup

Am kommenden Wochenende organisiert der Fußball-Weltverband FIFA in London den ersten "Interactive Club World Cup", bei dem die Gamer verschiedener Clubs gegeneinander antreten. Neben Schalke und Wolfsburg haben sich beispielsweise Manchester City, Paris Saint-Germain oder die PSV Eindhoven qualifiziert.

Ex-Leverkusen-Trainer Robin Dutt berät eSport-Agentur

Auch Robin Dutt sieht großes Potenzial im eSport. Der Ex-Trainer von Bayer Leverkusen und Werder Bremen berät inzwischen eine Agentur für virtuelle Fußballspieler. "Der reale Fußball muss sich insbesondere mit den 14 bis 30-Jährigen auseinandersetzen, dass die jungen Leute auch in Zukunft noch ins Stadion gehen", sagt der 52-Jährige. Und: Die Vereine versuchten, alle möglichen Märkte, vor allem die asiatischen, zu erobern. "Mit prominenten eSportlern unter Vertrag könnte man online weitaus öfter auf diesen Märkten präsent sein, als nur einmal im Jahr die Bundesligamannschaft nach Asien zu schicken."

Was ist eSport eigentlich?

Worum geht es genau? Beim eSport werden Computerspiele wie "League Of Legends", "Dota 2", "Counterstrike" oder eben die Fußball-Simulation FIFA auf Wettbewerbsebene ausgefochten. Längst haben sich, wie im normalen Sport auch, Ligen etabliert, in denen die Profis gegeneinander antreten. Und bei den Asienspielen 2022 ist eSport bereits Teil des offiziellen Programms.

Warum ist eSport überhaupt ein Sport?

Aber handelt es sich überhaupt um eine richtige Sportart? Für viele ist die Vorstellung sicher gewöhnungsbedürftig. Auch Ingo Froböse hat sich lange mit der Frage auseinandergesetzt. Für den Professor an der Deutschen Sporthochschule in Köln ist eSport ein Sport, weil er kompetitiv ist und viele biologische und körperliche Reaktionen zeige, die man auch im klassischen Sport finde - beispielsweise erhöhte Herzfrequenzen, Stressreaktionen, hormonelle Veränderungen.

Wie Fußballer! Auch Gamer sollten auf Ernährung achten

Außerdem brauche es kognitive Fähigkeiten, ein technisches und taktisches Verständnis und eine schnelle Reaktionsfähigkeit. Professionelle Gamer sollten nicht nur an der Konsole, sondern auch ihren Körper trainieren und auf die Ernährung achten. "Der fitte Spieler ist ein guter Spieler."

Froböse sieht aber auch Probleme: "Doping wird immer mehr ein Thema." Kontrollen seien bei Online-Spielen schwer durchführbar, und in der Szene fehlten die Strukturen des klassischen Sports. Positiv hervor hebt der Wissenschaftler die hohe integrative Wirkung des eSports. "Die Spieler sind international unterwegs, das ist wie eine große globale Familie, da gibt es keine interkulturellen Hemmnisse."

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Themen: eSport
Seiten: 12
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