11.07.2015, 12.01 Uhr

MotoGP 2015 am Sachsenring: Bradley Smith entspannt am liebsten in Zwickau

Von news.de-Redakteurin Juliane Ziegengeist, Sachsenring

In seinem dritten Jahr bei Monster Yamaha Tech 3 hat der Brite Bradley Smith einen guten Saisonstart erwischt. Mit Platz sechs in der Weltmeisterschaft der MotoGP 2015 liegt er direkt hinter den Werksfahrer. Den Titel des besten Piloten eines Satellitenteams will er natürlich verteidigen. Uns hat er verraten, warum er die Kraft dafür ausgerechnet in einem Hotel in Zwickau tankt.

Bradley Smith vor dem Sachsenring-Rennen 2015 der MotoGP 2015: "Ich will vor Pol und Cal landen"

Der Sachsenring scheint nicht die beste Strecke für Yamaha zu sein. Honda war sehr stark hier in den letzten Jahren. Was ist deine Erklärung dafür?

Bradley Smith: Die Yamaha ist ein sehr stabiles Bike. Es mag Highspeed – und das haben wir hier sehr wenig am Sachsenring. Das ist nur im letzten Sektor der Fall und da sind wir recht stark, auch in Sektor 1. Im zweiten Sektor verlieren wir im Vergleich viel Zeit. Wir sind zwar nicht allzu weit weg. Aber hier am Sachsenring sind 0,2 bis 0,3 Sekunden Rückstand pro Runde wie 0,6 Sekunden auf einer anderen Strecke. Die Honda kann mit diesen langsamen Kurven einfach besser umgehen.

Bradley Smith belegt mit seiner Tech-3-Yamaha momenten den sechsten Rang der Weltmeisterschaft.

Bradley Smith belegt mit seiner Tech-3-Yamaha momenten den sechsten Rang der Weltmeisterschaft. Bild: dpa

Letztes Jahr bist du hier mehrfach gestürzt. Was ist an diesem Wochenende für dich möglich?

Bradley Smith: In dieser Saison hatte ich bisher immer recht gute Resultate. Heute weiß ich, warum ich damals gestürzt bin. Jeder Sturz hat seine eigene Geschichte. Und natürlich ist die Strecke ziemlich schwierig, insbesondere für Yamaha. Du musst einfach auf dein Bike hören. Du kannst nicht aggressiv sein und irgendetwas erzwingen. Du musst das Limit finden und verstehen. Wenn du das nicht tust, wird du stürzen.

Auf anderen Strecken kannst du mit dem Limit spielen, aber hier ist es fast besser, fünf Prozent deines Potenzials zurückzuhalten. Natürlich möchte ich auch hier der beste Satellitenfahrer werden. Ich möchte meine Führung in der Satelliten-Weltmeisterschaft ausbauen. Also muss ich mindestens vor Pol Espargaro und Cal Crutchlow landen.

Lesen Sie hier: Deutschland-GP mit Highlights - aber ohne Stefan Bradl.

Bester Satellitenfahrer in der MotoGp - daran arbeitet Bradley Smith weiter

Das sagtest es eben: Du bist der beste Fahrer auf einem Satelliten-Motorrad, momenten WM-Sechster. Bist du bis jetzt zufrieden mit deiner Saison?

Bradley Smith: Ja, ich bin zufrieden mit dem, was wir erreicht haben und im Stande sind, herauszufahren. Ich kann auf eine konstante Pace und konstante Resultate bauen, was gut ist. Aber natürlich versuchen wir, immer noch etwas besser zu werden. Wir entwickeln das Bike ständig weiter, jetzt muss ich mich selbst noch etwas verbessern.

Zuletzt in Assen hatte ich einen wirklich schlechten Samstag. Das Qualifying hat meine Chancen auf ein gutes Rennen komplett zerstört. Deshalb muss ich mich mehr aufs Qualifying konzentrieren, um mich selbst in eine bessere Ausgangsposition zu bringen. Die zwei ersten Reihen sind hier am Sachsenring sehr wichtig. Wenn ich also unter die besten Sechs komme, kann ich auch im Rennen einen besseren Job machen. Aber grundsätzlich bin ich zufrieden mit der Saison bisher. Darauf werde ich mich aber nicht ausruhen.

Du bist einer der wenigen Briten in der MotoGP. Woran liegt das? Fühlst du dich nicht manchmal einsam?

Bradley Smith: Ach naja, nicht wirklich. Wir haben mehr Briten in dieser Rennserie denn je. Als ich angefangen habe 2006, war ich – glaube ich – der einzige britische Fahrer. Jetzt haben wir sieben oder acht Fahrer über alle Klassen verteilt. Aus der Perspektive ist die Entwicklung recht gut. Aber wenn man Richtung World Superbike schaut, ist die Situation natürlich eine andere. Unsere Infrastruktur ist mehr darauf ausgerichtet. Dort gibt es zehn Fahrer allein aus England. MotoGP ist immer noch nicht so sehr im Fokus. Aber einsam fühle ich mich deshalb nicht. Je weniger Fahrer, umso besser. Weil ich dann mehr wie der Star bin. (lacht)

Yamaha-Pilot Smith entspannt in einem Hotel in Zwickau

Du bist sehr beschäfigt gewesen in den letzten Tagen, hast unter anderem für das 8-Stunden-Rennen von Suzuka trainiert. Wie bleibst du bei all dem Stress fokussiert?

Bradley Smith: Das ist nicht einfach. Aber wir wussten schon lange, dass Suzuka auf dem Plan steht. So konnte ich mit meinem Trainer, meinem Arzt und meinem Reisekoordinator alles genau timen und vorbereiten. Und wenn du das einmal verinnerlicht hast, ist es leichter, damit umzugehen und sich darauf einzustellen. Ich komme natürlich viel rum. Das ist meine zehnte Saison – daran bin ich gewöhnt. Ich weiß, wie ich damit umzugehen habe und mich regenerieren kann. Aber hier, in der MotoGP, das ist mein Job. Suzuka ist auch wichtig, aber das sind nur ein paar Tage. Ich gehöre in die MotoGP und muss meine sechste Position in der Weltmeisterschaft verteidigen. Darauf kommt es an.

Auch interessant: Smiths Team-Kollege Pol Espargaró im Interview!

Hast du denn an Rennwochenden wie diesem überhaupt Zeit, mal rauszukommen?

Bradley Smith: Nein, nicht wirklich. Man ist schon sehr gebunden an die Arbeit. Aber ehrlich gesagt bin ich da auch gar nicht scharf drauf, viel zu unternehmen. Ich habe ein schönes, kleines Hotel in Zwickau gefunden – und da geh ich einfach hin. Dort ist es ruhig, man kann entspannen, gut essen. Ich geh also nicht allzu oft aus.

Ich bin dieses Mal in Berlin gelandet. Dort hätte ich mir schon gerne ein paar historische Sehenswürdigkeiten angesehen, ich habe ja mal Geschichte studiert. Aber wir sind sofort hierher gefahren, also habe ich nicht viel gesehen. Aber ich kenne den Flughafen von Frankfurt, von München... (lacht) Ach, und den Flughafen von Düsseldorf auch. Ich war auch schon mal am Nürburgring und habe dort an einem Fahrradrennen teilgenommen. Ich habe also schon mehr gesehen von Deutschland als manch anderer. Aber in dieser Gegend leider noch nicht so viel.

Bradley Smith über seine Zukunft bei Tech 3: "Ich würde gerne bleiben"

Auf den Sachsenring folgt eine Sommerpause – aber es ist nicht wirklich eine Pause für dich, oder?

Bradley Smith: Nein, ich muss ja nach Japan! (lacht) Dort werde ich zwei Wochen lang sein. Wenn ich dann wieder nach Hause komme, bleibt nur eine Woche Zeit und dann geht es schon wieder nach Indianapolis. Für mich gibt es also keine Sommerpause. Aber selbst wenn ich nicht in Suzuka fahren würde, wäre es keine wirkliche Sommerpause. Ich nehme nicht wirklich Urlaub. Ich nehme mir vielleicht zwei, drei Tage Zeit, um einfach nur das Zuhausesein zu genießen. Danach trainiere ich wieder und mache die Dinge, die ich liebe. Das ist ja das Schöne daran: Ich genieße es, zu trainieren, Motocross und Dirttrack zu fahren und all diese Sachen.

Die Saison ist noch lang. Was kannst du in der zweiten Hälfte noch erreichen?

Bradley Smith: Ich kann mich definitiv noch steigern, insbesondere was das Qualifying angeht. Das ist momentan noch meine größte Schwäche. Wir konnten das Bike bisher von Strecke zu Strecke verbessern, sodass ich in der Lage war, zu Beginn der Rennen verschiedene Fahrer zu überholen. Das war anfangs auch noch eine Schwäche, die wir schon ausschalten konnten. Daran müssen wir anknüpfen und das nächste Level erreichen. Und da geht es, wie gesagt, vor allem um ein gutes Qualifying-Ergebnis.

Ich würde gerne mehr Rennen wie in Austin fahren. Dort hatte ich einen guten Start und konnte den Topfahrern fünf bis zehn Runden lang gut folgen. Es ist schwer, das ganze Rennen über an ihnen dran zu bleiben. Nur zehn bis zwölf Sekunden hinter ihnen anzukommen, ist das Ziel. Um das zu erreichen, muss man natürlich erst mal am Anfang den Anschluss halten. Das Qualifying ist dafür der Schlüssel.

Du scheinst sehr glücklich zu sein in deinem Team. Liegt hier auch deine weitere Zukunft in der MotoGP?

Bradley Smith: Ja, das hoffe ich jedenfalls. Es ist noch nichts fix, aber ich habe dem Team gesagt, dass ich gerne bleiben würde. Gerade im nächsten Jahr – mit neuen Regeln und neuen Reifen – ist es umso wichtiger, in einem bekannten und sicheren Umfeld zu bleiben. Aber ich kenne den Plan des Teams nicht. Ich hoffe nur, dass ich Teil davon bin und hier auch meine Zukunft liegt.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

zij/news.de
Fotostrecke

Die Gesichter der MotoGP

Michael SchumacherJoachim Löw krankSuperflareNeue Nachrichten auf der Startseite