10.06.2014, 11.08 Uhr

Tippspiel-Geheimtipps: Forscher verrät: So werden Sie WM-Tippkönig

Von news.de-Kolumnist Prof. Daniel Memmert

Der Pokal im Fokus: Laut Vorhersagemodell befindet sich Deutschland mit Argentinien und Spanien im erweiterten Favoritenkreis.

Der Pokal im Fokus: Laut Vorhersagemodell befindet sich Deutschland mit Argentinien und Spanien im erweiterten Favoritenkreis. Bild: dpa

Am Donnerstag, 12. Juni 2014, hat die Fußball-WM 2014 in Brasilien begonnen. Durch Brasiliens umkämpften 3:1-Auftaktsieg gegen Kroatien wurden auch für die Tipper die ersten Punkte fest. Wonach Sie sich beim Tippen richten sollten und wer mit der höchsten Wahrscheinlichkeit Weltmeister wird, verrät Sportwissenschaftler Prof. Daniel Memmert in seiner Kolumne:

Alle Spiele, alle Infos live: Fußball-WM 2014 hier in unserem Live-Ticker verfolgen!

«Unzählige Deutsche werden vor Beginn der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien am Donnerstag den Ausgang der Vorrunden-Spiele, weiteren Qualifikationspartien bis hin zum Endspiel am 13. Juli in kleineren Tippgemeinschaften mit Freunden oder Kollegen versuchen vorauszusagen. Die Sportwissenschaft beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit Vorhersagemodellen, um den Ausgang von Fußballspielen mit bestimmten Wahrscheinlichkeiten vorherzusagen.

Prof. Daniel Memmert: «Fußballexperten sind noch lange keine Tippexperten.»

Prof. Daniel Memmert: «Fußballexperten sind noch lange keine Tippexperten.» Bild: DSHS Köln

Dabei haben zahlreiche Studien zunächst gezeigt, dass langjährige Fußballerfahrung oder ein besonderes Wissen über Fußball die Chancen beim Tippen nicht wesentlich erhöht. Personen, die regelmäßig Geld auf den Ausgang von Fußballspielen setzen, tippen im Großen und Ganzen nicht anders als aktive Fußballspieler, sogenannte Fußball-Experten oder Menschen, die angeben, sich nicht für Fußball zu interessieren.

Fehler beim Fußball-Tippspiel: Experten überschätzen sich beim Tippen ständig

Überraschenderweise gibt es in den Daten aber eine leichte Tendenz, dass die Gambler häufiger genau das exakte Ergebnis korrekt vorausgesagt haben. Unterschiede zwischen Fußballexperten und Laien gibt es aber bei der Einschätzung fußballspezifischer Parameter wie beispielsweise Tore und Eckbälle. Nicht-Fußball-Interessierte täuschen sich stärker bei der Einschätzung vom prozentualen Ballbesitz pro Mannschaft im Gegensatz zu aktiven Fußballspielern und Tippern.

Ein interessanter Befund ist darüber hinaus, dass sich Experten viel sicherer bei ihren eigenen Einschätzungen sind. Dies gilt sowohl für das Vorhersagen von Spielergebnissen als auch beim Tippen der Anzahl von Eckbällen und Torchancen sowie beimprozentualen Ballbesitz pro Mannschaft. Obwohl Nicht-Fußballkenner und Fußballexperten also ähnlich tippen, haben Experten in ihren Tipps ein viel größeres Vertrauen. Oder anderes formuliert: Sie überschätzen sich ständig!

Fußball-WM 2014 Brasilien Vorhersagemodell: Brasilien wird Weltmeister

Aus bisherigen Studien weiß man aber auch, dass das Tippen nach der Fifa-Fußballweltrangliste eine gute Möglichkeit darstellt, seine Ergebnisse zu optimieren. Überraschenderweise kennen professionelle Fußball-Tipper diese aber nicht wesentlich besser als Laien. Zur Erinnerung: Weltranglistenerster ist aktuell Spanien mit 1485 Punkten, gefolgt von Deutschland (1300) und Brasilien (1242).

Ganz aktuelle und laufende Studien unseres Instituts zeigen aber auch, dass neben vergangenen Erfolgen von Nationen (abgebildet durch die Fifa-Fußballweltrangliste) auch das zukünftige Entwicklungspotenzial dieser Mannschaften (abgebildet durch aktuelle Wettquoten) eine wesentliche Vorhersagekraft haben kann. Laut einem mathematischen Vorhersage-Modell basierend auf der Masterarbeit von Fabian Wunderlich hat die eindeutig besten Chancen auf den Weltmeistertitel Gastgeber Brasilien. Die Mannschaften aus Argentinien, Deutschland und Spanien haben ebenfalls gute Aussichten auf den Titel.

WM 2014 Tippspiel: Trauen Sie keinem Fußballexperten!

Wir werden kurz vor der WM auf der Basis eines neuartigen Modells, was die Vergangenheit (= Weltrangliste) und die Zukunft (= Wettquoten) berücksichtigt, noch genauere Aussagen und Voraussage-Wahrscheinlichkeiten machen können. Dies ist wichtig, da beide Ansätze relativ konträr sein können. Beispielsweise ist Griechenland in der Weltrangliste mit Platz 10 deutlich besser platziert als Gruppengegner Japan (Platz 47), der Wettmarkt hingegen räumt den Japanern eine etwa doppelt so große Chance ein Weltmeister zu werden als den Griechen.

Mein Rat für alle Hobby-Tipper fällt einfach aus: Besorgen Sie sich die Fifa-Weltrangliste, berücksichtigen sie aber auch aktuelle Wettquoten und halten sie sich beim Tippen im Wesentlichen daran. Und: Trauen Sie keinem Fußballexperten – denn die sind noch lange keine Tipp-Experten!»

Daniel Memmert ist Institutsleiter und Professor am Institut für Kognitions- und Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seine wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. im Bereich der Sportspielforschung(u.a. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Kreativität, Spielintelligenz, Motivation). Er besitzt Trainerlizenzen in den Sportarten Fußball, Tennis, Snowboard sowie Ski-Alpin und ist Herausgeber und Autor von Lehrbüchern zu modernem Fußballtraining. Seine neueste, populärwissenschaftliche Veröffentlichung heißt: «Der Fußball. Die Wahrheit. Fußballspiele werden im Kopf entschieden» (gemeinsam mit Bernd Strauss und Daniel Theweleit). Nicht nur während der Fußball-WM ist Memmert für news.de als Kolumnist tätig.

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kru/rut/news.de
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