10.02.2014, 09.00 Uhr

News.de Expertenrat Reiserecht: Koffer verschwunden - was tun bei verlorenem Gepäck?

Die gute Nachricht: Über 95 Prozent aller Gepäckstücke sind innerhalb von fünf Tagen wieder da.

Die gute Nachricht: Über 95 Prozent aller Gepäckstücke sind innerhalb von fünf Tagen wieder da. Bild: dpa/Marius Becker

Von news.de-Experte Christian Günther

Wer ein Flugticket erworben hat, der hat dazu einen Luftbeförderungsvertrag mit der jeweiligen Airline abgeschlossen. Diese hat aufgrund des Vertrags nicht nur für den Flug, sondern auch für die Obhut der ihr anvertrauten Gepäckstücke zu sorgen. Tut sie das nicht, dann richtet sich die Haftung nach dem sogenannten Montrealer Übereinkommen (MÜ). Dieses 2004 abgeschlossene Abkommen haben 54 Staaten unterzeichnet. Eine Fluglinie ist aufgrunddessen zur Übergabe eines Gepäckscheins an ihre Flugpassagiere verpflichtet - und das für jedes aufgegebene Gepäckstück. Dieser ist, falls das Gepäck verloren geht, wichtig. Denn der Schein beweist nicht nur die Gepäckaufgabe. Mit ihm lassen sich die Gepäckstücke auch identifizieren. Außerdem erleichtert er es, sie herauszuverlangen.

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Auf Gepäckschein achten

Fehlt ein Gepäckschein, ist das noch kein Grund zur Verzweiflung. Auch ohne ihn ist es möglich, Schadensersatz zu erlangen. Dass ein Gepäckschein dafür nicht zwingend notwendig ist, hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Im zugrunde liegenden Sachverhalt hatte der Kläger seine Golfsachen in der Golftasche seiner Frau aufgegeben. Als diese verloren ging, wollte die Fluglinie nur deren Sachen ersetzen. Der BGH entschied jedoch, dass Haftungsgrundlage der Luftbeförderungsvertrag sei und nicht der Gepäckschein.

Anspruch auf Kleidung

Mit fehlendem Koffer, fehlt oft auch die Kleidung. Das ist besonders unangenehm, wenn der Gepäckverlust auf der Hinreise stattfand. Niemand möchte den Urlaub nur mit den paar Klamotten am Leib verbringen. Einen klare Regelung dazu findet sich Montrealer Übereinkommen allerdings nicht. Stattdessen gibt es nur einen Anspruch auf Entschädigung. In solchen Fällen sollte man zunächst im Fundbüro (Lost & Found) des jeweiligen Flughafens nachfragen. Blieb das ohne Erfolg, erfolgt der nächste Gang zur Gepäckermittlung der Fluggesellschaft. Die bitte man um einen sogenannten „Property Irregularity Report". Dieser ist besonders wichtig für den Fall, dass das Gepäck komplett verloren ist. Außerdem die Fluggesellschaft ein sogenanntes „Overnight Kit" parat haben. Darin befinden sich zumindest Unterwäsche und Toilettenartikel und soll die Zeit bis zum nächsten Tag überbrücken. Ist das Gepäck samt Kleidung bis dahin immer noch nicht aufgetaucht, unterstützen Flugunternehmen den Kauf neuer Kleidung mit Bargeld. Die Höhe richtet sich in der Regel nach der Buchungsklasse. Mit 20 bis 200 Euro fällt der Vorschuss allerdings bescheiden aus. Nicht selten ist er obendrein noch teilweise zurückzuzahlen, tauchen die Anziehsachen später doch noch auf.

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