09.04.2019, 15.42 Uhr

Shahak Shapira: DAS müssen Sie über den provokanten Satiriker wissen

Der Schriftsteller, Aktivist und Satiriker Shahak Shapira.

Der Schriftsteller, Aktivist und Satiriker Shahak Shapira. Bild: Gregor Fischer/dpa

"Shahak Shapira ist Israeli, Berliner und hat einen durchschnittlich großen Penis." So stellt sich der Comedian und Satiriker Shahak Shapira, der am 1. April 1988 in Petach Tikwa in Israel geboren wurde, auf seiner Webseite "Shahak-Fucking-Shapira" selbst vor. Der Sohn einer Choreographin und des Leiters eines Familienfreizeitzentrums wuchs im Westjordanland, in der Siedlung Oranit, auf. 2002 wanderte Shahak Shapira mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder nach Laucha an der Unstrut in Sachsen-Anhalt aus. Leicht hatte er es in der NPD-Hochburg, wie er Laucha selbst bezeichnet, nicht.

Shahak Shapira wollte eigentlich Pilot werden

Dennoch machte Shahak Shapira in Sachsen Anhalt sein Abitur. Danach ging er nach Berlin, wo er seinen Traumjob Pilot anvisierte. Er bestand alle Tests, scheiterte aber an seinen zahlreichen angesammelten Punkten in Flensburg. Mehr als sechs waren zur Aufnahme einer Pilotenkarriere allerdings nicht erlaubt. Also studierte er an der Miami Ad School in Berlin. In der Bundeshauptstadt arbeitete der frisch gebackene studierte Werbetexter sodann als Creative Director. Nebenher trat er als DJ in Clubs auf und produzierte seine eigene Musik.

Autobiografie und Parodie: Die grundverschiedenen Bücher des Satirikers

2014 wurde er von einer Gruppe antisemitischer Männer arabischer Herkunft angegriffen. Das inspirierte ihn zu seinem autobiografischen Buch "Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen! Wie ich der deutscheste Jude der Welt wurde". Seine zwischen komisch und ernst schwankenden Ausführungen und Beobachtungen machten ihn als Gastautor für "Die Zeit" und die Online-Auftritte von "Stern" und "Vice" interessant.

2017 schrieb er sein zweites Buch: "Holyge Bimbel: Storys vong Gott u s1 Crew". Die Parodie auf die Bibel übersetzte das Alte und Neue Testament in die Internetsprache.

Comedian Shahak Shapira schießt gegen Twitter und die AfD

Ab 2016 schlichen sich Shahak Shapira und einige Satire-Kollegen der Spaßpartei "Die Partei" über Monate hinweg in nicht öffentliche Facebook-Gruppen der AfD ein und schafften es irgendwann, zu Administratoren ernannt zu werden. In der Folge übernahmen sie die Kontrolle über die mit Hass-Beiträgen zugepflasterten Gruppen und machten deren Treiben öffentlich. Unverhohlene Morddrohungen waren die Folge.

Im Jahr 2017 nahm sich Shahak Shapira den Kurznachrichtendienst Twitter vor. Vor die Stufen der deutschen Zentrale von Twitter in Hamburg sprühte er Hass-Tweets, die das Unternehmen nicht gelöscht hatte, obwohl Shahak Shapira selbige als verunglimpfend gemeldet hatte. Die Aktion inspirierte Nachahmer zu einer ähnlichen Aktion vor dem Hauptsitz des Unternehmens in San Francisco.

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Shahak Shapira und seine Yolocaust-Aktion lösen Debatte um Holocaust-Erinnerungskultur aus

2017 veröffentlichte Shahak Shapira die Website Yolocaust. Auf dieser veröffentlichte er die Selfies von zwölf Personen, die sich selbst vor dem Holocaust-Mahnmal in Berlin abgelichtet hatten. In Posen, die dem Ansinnen der Gedenkstätte mehr als nur widersprachen. Diese "Erinnerungsstücke" kombinierte er mit Fotomaterial aus NS-Vernichtungslagern.

Die Aktion des Künstlers, dessen Familie selbst vom Holocaust betroffen war (sein Großvater mütterlicherseits war ein Holocaust-Überlebender), erntete weltweite Aufmerksamkeit und löste eine Debatte um die Erinnerungskultur rund um den Holocaust aus. Shahak Shapira beendete die Aktion, nachdem alle zwölf Personen auf den Selfies um die Entfernung der Bilder von seiner Seite gebeten hatten – größtenteils mit ausführlichen Entschuldigungen.

Shahaks neue TV-Show "Shapira Shapira" auf ZDFneo

Man darf sicher gespannt sein, wie giftig sich der Satiriker in seiner neuen Comedy-Show bei ZDFneo geben wird. Diese soll vorerst acht Sendungen umfassen. "Seine Hobbys sind Hummus, Death Metal und der Einsatz von Ironie, um ehrliche menschliche Gefühle zu unterdrücken", heißt es in der Ankündigung vielsagend. Am 09. April 2019 um 23.15 Uhr geht es los. Die 30 Minuten lange TV-Show trägt den Titel "Shapira Shapira" und ist eine Mischung aus kurzen Stand-Up-Stücken und Sketchen.

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pap/kad/news.de/dpa
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