21.02.2019, 15.20 Uhr

Karl Lagerfeld tot: Kultfigur der Mode-Szene stirbt mit 85 Jahren

Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Bild: Christophe Ena / AP / picture alliance / dpa

Karl Lagerfeld hat königliche Körper in Traumkreationen gehüllt und Outfits für Pop-Stars wie Madonna und Kylie Minogue entworfen. Nun ist der Modezar gestorben, wie der Modekonzern Chanel am Dienstag mitteilte. Nach eigenen Angaben kam Lagerfeld 1935 in Hamburg zur Welt. Als Geburtsjahre kursieren aber auch 1933 und 1938. Lagerfeld, stets mit weiß gepudertem Haar, Stehkragen und dunklen Sonnenbrillen zu sehen, leitete das französische Modehaus seit 1983.

Karl Lagerfeld tot: Modezar stirbt mit 85 Jahren in Frankreich

Kurz vor seinem Tod sei Karl Lagerfeld einem Bericht der "Paris Match" in ein Krankenhaus in Neuilly-sur-Seine eingeliefert worden, wo der Modeschöpfer am Dienstag im Alter von 85 Jahren verstarb. Bereits Ende Januar sorgte Karl Lagerfeld für Getuschel in der Modewelt: Bei einer Modenschau von "Chanel" fehlte der Kreativdirektor. Das Modehaus selbst gab damals an, "Müdigkeit" hätte Karl Lagerfeld von seiner Teilnahme abgehalten. Zuvor hatte Karl Lagerfeld an jeder Modenschau seines Labels teilgenommen.

Karl Lagerfeld tot: Modeschöpfer litt Berichten zufolge an Bauchspeicheldrüsenkrebs

Über die Todesursache von Karl Lagerfeld gab es zunächst keine offizielle Stellungnahme. Auf dem französischen Portal "linternaute.com" war jedoch zu lesen, Lagerfeld habe an Bauchspeicheldrüsenkrebs gelitten. Offiziell bestätigt wurden derartige Berichte bislang nicht.

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Karl Lagerfeld prägte als Designer die Mode-Welt

Lagerfeld hat mehr als ein halbes Jahrhundert die Mode mitbestimmt. Mitte der 50er Jahre begann er in Paris große Couture-Häuser wie Balmain, Patou, Chloé oder Fendi zum Erfolg zu führen. Er habe sich schon immer für Kleider interessiert, ohne zu wissen, dass man das Mode nenne, sagte Lagerfeld einmal in einem seiner zahlreichen Interviews. Als Kreativdirektor übernahm er 1983 Chanel. Ein Wechsel, der für das französische Modehaus wegweisend war.

Karl Lagerfeld und Chanel waren seit mehr als 30 Jahren eng verbunden

Der deutsche Modeschöpfer rüttelte die traditionsreiche Luxusmarke aus ihrem Dornröschenschlaf. Die typischen Tweedstoff-Jacken poppte er mit Bändern und Fransen neu auf, Haute-Couture-Kleider kombinierte er mit Sportschuhen. Treu blieb er dem klassischen Cocktailkleid und dem rosa Kostüm. Kollektionen unter seinem eigenen Namen entwarf er ab Mitte der 70er Jahre. Heute hinterlässt der Wahlpariser ein Modeimperium, dessen Wert auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird.

Seine Mode war elegant, minimalistisch und innovativ. Unvergesslich sind das kleine Chanel-Jäckchen, die tiefe Rücken-Dekolletés, seine Wollmäntel mit Gürtelschließe am Kragen. Lagerfeld hat klassische Formen erneuert und "Looks" geschaffen. Er schickte die schönsten Models über die Laufstege, darunter Claudia Schiffer und Inès de la Fressange.

Zuletzt fehlte er genau da, wo er jedes Mal frenetisch gefeiert wurde - auf dem Laufsteg zum Finale einer Chanel-Show. Die offizielle Begründung: Lagerfeld habe sich müde gefühlt. In Paris, wo er nach dem Tod von Modeschöpfer Yves Saint-Laurent der letzte noch verbliebene Modezar war, war die Sorge groß. Erst im November hatte er noch die berühmte Festtagsbeleuchtung auf der Pariser Prachtmeile Champs-Élysées eingeweiht.

Legendär waren Lagerfelds Aussprüche. Über seine Haut sagte er: "Ich gehe nicht mehr in die Sonne. Schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Ich will nicht aussehen wie eine alte Schildkröte." Über seine Ausbildung sagte der Besitzer von 300.000 Büchern: "Ich habe ja im Grunde nie etwas gelernt. Ich habe nicht einmal Abitur gemacht und nix." Vernichtend war das Urteil des Modezaren über Freizeitkleidung: "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren."

Lagerfelds beste Zitate
Bissig, böse, berühmt
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Karl Lagerfeld entwarf auch für H&M und Versace

Lagerfelds unermüdlicher Gestaltungswille beschränkte sich nicht nur auf die Haute-Couture. Für Aufsehen sorgte 2004 seine Ankündigung, kostengünstige Mode für den schwedischen Discount-Modefilialisten H&M zu entwerfen. Lagerfeld war der erste Design-Kooperationspartner. Ihm folgten unter anderem Lanvin und Versace.

"König der Maßlosigkeit" Karl Lagerfeld ist tot

Frankreichs Presse nannte den Sohn des Hamburger "Glücksklee"-Kondensmilch-Fabrikanten Otto Lagerfeld wegen seiner rastlosen Kreativität auch "König der Maßlosigkeit" oder "Karl den Großen". Eine Anspielung an den gleichnamigen Herrscher, der bis 814 König des Frankenreichs war, das unter ihm zu seiner größten Ausdehnung und Machtentfaltung fand.

Bericht: Virginie Viard soll Lagerfeld bei Chanel nachfolgen

Virginie Viard, bisher "rechte Hand" von Karl Lagerfeld bei Chanel, soll dem Modeschöpfer bei dem legendären Pariser Modehaus nachfolgen. Viard solle nun für die Kollektionen verantwortlich sein, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Dienstag unter Berufung auf eine Mitteilung von Chanel. Das Modehaus war in Paris zunächst nicht für Bestätigung erreichbar.

Harald Glööckler: Mit Lagerfeld stirbt erneut ein Stück Haute Couture

Modeschöpfer Harald Glööckler (53) hat den gestorbenen Stardesigner Karl Lagerfeld als "einen der einflussreichsten Designer des 20. Jahrhunderts" gewürdigt. "Er setzte über Jahrzehnte Trends und Maßstäbe in Sachen Design und Ästhetik. Mit ihm stirbt einmal mehr ein Stück Haute Couture», sagte Glööckler am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. "In einer Zeit, in der es immer weniger markante exzentrische Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten gibt, wird er fehlen", sagte der Designer mit Wohnort Kirchheim (Pfalz).

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loc/news.de/spot on news/dpa
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