01.02.2019, 18.30 Uhr

Selbstmord: Evan Rachel Wood über ihre Zeit in der Psychiatrie

Evan Rachel Wood bekämpft das Stigma psychischer Krankheiten

Evan Rachel Wood bekämpft das Stigma psychischer Krankheiten Bild: Faye Sadou/AdMedia/ImageCollect/spot on news

Evan Rachel Wood (31, "Westworld") hat in einem fast 5.700 Wörter langem Beitrag für das Magazin "Nylon" ihre Erfahrungen in einer psychiatrischen Klinik aufgeschrieben. Nachdem sie versucht hatte, sich im Alter von 22 Jahren umzubringen, entschloss sie sich zu dem Schritt: "Es war Morgen. Ich fühlte mich wie von einem Lastwagen überfahren. Mit einer fast schon hysterischen Akzeptanz nahm ich das Telefon. [...] 'Mama? Ich bin's... Ich habe gerade versucht, mich umzubringen. Ich muss in ein Krankenhaus.' Und mit Krankenhaus meinte ich kein Krankenhaus für physische Verletzungen, die ich vielleicht hatte. Ich meinte ein Krankenhaus für meinen Geisteszustand."

Zu dem Zeitpunkt hatte sie seit drei Tagen weder gegessen noch geschlafen. Ihren Zusammenbruch schreibt sie einer posttraumatischen Belastungsstörung zu, ausgelöst durch mehrere Vergewaltigungen und eine über Jahre andauernde, gewalttätige Beziehung. Der Anruf bei ihrer Mutter, nach ihrem Selbstmordversuch, sei das erste Mal in ihrem Leben gewesen, dass sie um Hilfe gebeten habe. "Das Schöne daran, am Tiefpunkt zu sein, ist, dass es nur noch bergauf gehen kann. Ich sollte eigentlich gar nicht mehr leben, also war an diesem Punkt sowieso alles egal", erklärt Wood ihre damalige Stimmung.

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Kleine Erfolge im geschützten Raum

Wood beschreibt dann die komplette Bandbreite der Erfahrungen, die sie während ihrer Zeit in dem Krankenhaus machte. Von der Aufnahme, bei der ihr aus Sicherheitsgründen Glasflaschen und Schnürsenkel abgenommen wurde. Über die ersten Erfolge, wie sie, die extrem geschwächt war, langsam wieder schaffte, längere Strecken zu gehen und sogar wieder Treppen zu steigen. Wie sie neue Freundschaften schloss und sich in der Gruppentherapie öffnete.

Als ihre Entlassung schließlich bevorstand, hatte sie gemischte Gefühle: "Natürlich wollte ich wieder raus, andererseits war es der erste Platz seit Jahren, an dem ich mich sicher gefühlt hatte." Auch die anderen Patienten waren ihr ans Herz gewachsen: "Wir würden uns wahrscheinlich nie wiedersehen, dabei haben wir so viel Persönliches und Intimes miteinander geteilt."

Alles geschieht aus einem Grund

Ein Abschiedsgespräch ist Wood besonders Erinnerung geblieben. An ihrem letzten Tag setzte sich die Psychotherapeutin zu ihr, bei der sie ihre tägliche Sitzung gehabt hatte. Sie erzählte ihr, dass sie es nicht erwähnen wollte, so lange Woods noch in der Klinik war, aber dass ihr Film "Dreizehn" maßgeblich an ihrem Berufswunsch als Therapeutin beteiligt gewesen war. "Zum ersten Mal seit Jahren fühlte ich, dass Dinge vielleicht aus einem Grund passieren", so Woods.

Die Medikamente hat Woods danach abgesetzt, die Therapie hat sie fortgesetzt. "Ich bin nicht immer im besten Zustand, ich kämpfe immer noch mit meiner posttraumatischen Belastungsstörung, aber ich weiß, dass ich es durchstehen werde. Ich habe jetzt bessere Werkzeuge, um durch die Zeiten zu kommen, die einem unüberwindlich erscheinen, und, am Allerwichtigsten: Ich kenne meinen eigenen Wert." Zum Schluss erklärt Wood, dass niemand vor seinen Gedanken sicher ist und Depression keine Schwäche, sondern eine Krankheit ist. "Und manchmal ist alles, was man braucht, das Wissen, dass man geliebt wird und andere für einen da sind."

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