12.08.2018, 13.42 Uhr

Jan Ullrich: Ermittlungen laufen: Wie geht es mit dem Ex-Radprofi weiter?

Jan Ullrich

Nach dem Vorfall in einem Frankfurter Luxus-Hotel vom Freitag wird gegen Ex-Radprofi Jan Ullrich weiter ermittelt. Dies gelte sowohl für den Verdacht des versuchten Totschlags als auch der gefährlichen Körperverletzung, bestätigte die Frankfurter Polizei am Sonntag.

Für einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach der 44-Jährige nach seiner Zwangseinweisung in die Psychiatrie die Einrichtung wieder verlassen habe, gab es am Wochenende zunächst keine Bestätigung. Die Polizei erklärte sich dafür nicht zuständig, Ullrichs Anwaltskanzlei äußerte sich auf Anfrage auch am Sonntag zunächst nicht.

Jan Ullrich nach Festnahme in Frankfurt in Psychiatrie zwangseingewiesen

Ullrich habe bei seiner Festnahme gegen 06.00 Uhr Widerstand geleistet und mutmaßlich unter Alkohol- sowie Drogeneinfluss gestanden. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung über die Festnahme berichtet. Am Freitagabend wurde er vorläufig in eine psychiatrische Fachklinik eingewiesen. Die Ermittler sprachen von einer "Eilentscheidung": Ullrichs seelischer und körperlicher Zustand sei zu dem Zeitpunkt eine Gefahr für ihn selbst und für andere gewesen.

Drogen und Alkohol: Jan Ullrich zunächst nicht verhandlungsfähig

Der frühere Radprofi habe wegen seine Zustands zuerst nicht vernommen werden können, berichtete eine Polizeisprecherin. Nachdem sich dieser verbessert hatte, habe er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Da die Voraussetzungen für eine Inhaftierung nicht vorlagen, sollte er noch am Freitag die Polizei eigentlich wieder verlassen. Doch beim Verlassen des Präsidiums kam es nach Angaben der Sprecherin zu einem nicht näher beschriebenen Zwischenfall, so dass den Beamten aufgrund des körperlichen Zustandes nichts Anderes übrig geblieben sei als der Schritt, Ullrich in eine Psychiatrie zwangseinzuweisen. Er sei mit einem Rettungswagen in die Klinik gebracht worden. Den Namen der Klinik verriet die Polizei nicht.

Ex-Radprofi attackiert Escort-Dame in Frankfurter Luxushotel

Die 31-jährige Escort-Dame habe in ihrer Vernehmung umfangreiche Angaben zu den Angriffen gemacht, erklärte die Polizei. Ullrich soll die Frau "körperlich attackiert und verletzt haben". Das Opfer sei verletzt worden und habe medizinisch versorgt werden müssen. Laut Staatsanwaltschaft soll der frühere Radprofi die Frau so gewürgt haben, dass ihr schwarz vor Augen wurde. Das Personal des Luxus-Hotels soll auf Bitten der Frau die Polizei alarmiert haben.

Mordkommission übernimmt Ermittlungen im Fall Ulrich

Ob es Auflagen für den früheren Radprofi gibt, blieb zunächst unklar. Ullrich müsse sich für die Ermittler zur Verfügung halten, hieß es. Die Mordkommission hat nach Angaben der der Frankfurter Polizei die Ermittlungen übernommen.

Vor seiner Festnahme war Jan Ullrich auf dem Weg in den Entzug

Der 44-jährige Ullrich hatte erst vor wenigen Tagen öffentlich private Probleme eingeräumt: "Die Trennung von Sara und die Ferne zu meinen Kindern, die ich seit Ostern nicht gesehen und kaum gesprochen habe, haben mich sehr mitgenommen. Dadurch habe ich Sachen gemacht und genommen, die ich sehr bereue", hatte der Tour-de-France-Sieger von 1997 der "Bild"-Zeitung vom Montag gesagt.

Ullrich hatte zudem angekündigt, aus Liebe zu seinen Kindern eine Therapie machen zu wollen. Um welche Art von Therapie es sich handelt, sagte der frühere Rennradfahrer nicht. Der Zeitung erzählte er wenige Tage später dann auch, inzwischen mit seinen Kindern telefoniert zu haben. Sein Anwalt hatte dem Blatt gesagt, er habe bereits vor einiger Zeit einen Platz in einer Klinik in Deutschland für den Ex-Radprofi reserviert.

Streit mit Til Schweiger eskaliert: Ullrich auf Mallorca festgenommen

In der vergangenen Woche war es auf dem Grundstück von Ullrichs Nachbar Til Schweiger (54) auf Mallorca zu einem Zwischenfall gekommen. Ullrich soll laut "Bild" auf das Grundstück des Film- und Fernsehstars Schweiger ("Honig im Kopf", "Tatort") gelangt sein - obwohl dieser das nach eigenen Angaben verhindern wollte. Über den Verlauf des Streits machten beide gegenüber "Bild"und "Bild am Sonntag" unterschiedliche Angaben. Ullrich kam auf Mallorca vorübergehend in Polizeigewahrsam und wurde nach rund 24 Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt.

Magdalena Neuner und Stefan Effenberg zeigen Verständnis für Jan Ullrich

Der ehemalige Biathlon-Star Magdalena Neuner zeigte Verständnis für Ullrichs Situation. "Ich weiß, welchem Druck Spitzensportler ausgesetzt sind. Ich kann nachvollziehen, dass man daran zerbrechen kann", sagte die zweimalige Olympiasiegerin der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". "Es tut mir für den Menschen Jan Ullrich unheimlich leid. Es ist fürchterlich."

Der frühere Fußball-Nationalspieler Stefan Effenberg sagte über Ullrichs Situation in der "Bild am Sonntag": "Das ist tragisch." Er wünsche Ullrich Kraft und "vor allem die richtigen Leute an seiner Seite", sagte Effenberg. "In seinem Umfeld muss einer richtig aufräumen. Hoffentlich gelingt das."

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sba/kns/news.de/dpa
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