01.07.2017, 07.48 Uhr

Abschied von Helmut Kohl: Die ganze Wahrheit über seine zerrüttete Familie

Der news.de-Nachrichtenüberblick

Der news.de-Nachrichtenüberblick Bild: Istockphoto

Deutschland nimmt Abschied von einem großen Deutschen. Fast zehn Stunden werden die Trauerfeiern für Helmut Kohl (1930-2017) am heutigen Samstag (1. Juli) andauern: Erst der Europäische Trauerakt im Straßburger EU-Parlament, dann wird der Sarg mit einem Hubschrauber der Bundespolizei nach Ludwigshafen geflogen, gegen 18 Uhr beginnt das Requiem im Dom zu Speyer.

Helmut Kohl Trauerfeier: So wird er beigesetzt

Schließlich wird der Mitbegründer des geeinten Europas und Kanzler der deutschen Einheit in der Abenddämmerung auf dem Friedhof des Domkapitels von Speyer zu Grabe getragen. Damit findet auch der gescheiterte Vater Helmut Kohl seine letzte Ruhe. Sein Sohn Walter Kohl (53) hat angekündigt, er wolle nicht zur Beisetzung kommen. Ein (vorläufig?) letzter Protest in einem Familienzwist, der - bei allem Respekt für die Verdienste eines großen Politikers - Millionen von Deutschen besonders nahe geht.

Bitterer Streit zwischen Maike Kohl-Richter und Helmut Kohls Söhnen

Das Magazin "Cicero" schreibt: "Der Streit der Familie Kohl gleicht einer modernen Tragödie. Walter Kohl, der Sohn, der nur seinen Vater wollte, gegen Maike Kohl-Richter, die neue Ehefrau, die sich stets als mehr begriff. Ihren Streit tragen sie auf dem Rücken des Toten aus."

Was diesen traurigen Konflikt letztendlich auslöste, kann nur vermutet werden: War es das Los einer Familie, die im Leben Helmut Kohls nie den Stellenwert seines politischen Schaffens hatte? War es der Selbstmord von Hannelore Kohl? Oder war es die zweite Ehe des Vaters, nach dessen Hochzeit mit Maike Richter das Zerwürfnis mit den Söhnen offiziell wurde?

So wuchsen die Söhne von Helmut Kohl auf

Peter (51) und Walter Kohl wuchsen im elterlichen Bungalow in Oggersheim auf, das Verhältnis zu Hannelore Kohl war besonders eng, der Vater war meist nie da. Der frühere Kohl-Intimus und CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hat denn auch die erste Kohl-Ehe als "Fassade" bezeichnet.

So behütet ihr Umgang mit der Mutter auch gewesen sein mag, normal war das Leben der Kohl-Kinder nicht. Sie bekamen oft genug den gehässigen Ton einer linken Öffentlichkeit zu spüren, die sich nicht nur an Helmut Kohl austobte, sondern auch - in sippenhafter Manier - an seiner Familie. Laut der Zeitung "Die Welt" wurde Walter Kohl bereits "in der Schule von Lehrern und Mitschülern schikaniert. Mutter und Kinder wurden zu Hochzeiten der Nachrüstung von der Friedensbewegung tätlich angegriffen und gar mit dem Tode bedroht. Diese Illiberalität, diese 'apokalyptischen Angstwellen', die sich an seiner Familie abreagierten, hat er nicht vergessen."

Walter und Peter Kohl studierten nach dem Abitur an den besten Hochschulen der USA, Walter in Harvard, Peter am Massachusetts Institute of Technology. Dort kannte man sie kaum, dort lebten sie die einzige Anonymität ihres Lebens. Danach arbeiteten beide als Unternehmer, Walter zunächst in den USA als Investmentbanker, später in Deutschland, Peter in der Schweiz.

Seiten: 123
Prinz Harry hoch emotionalBonnie StrangeNeue Nachrichten auf der Startseite