17.09.2019, 08.31 Uhr

Björn Höcke: Nach dem Abbruch! ZDF-Chefredakteur verteidigt das Interview

Björn Hocke ist AfD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Thüringen Ende Oktober.

Björn Hocke ist AfD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Thüringen Ende Oktober. Bild: dpa

Ein brisantes Interview des ZDF mit dem AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Thüringen, Björn Höcke, hat mit einem Eklat geendet. In dem Gespräch, das am Sonntagabend in der Sendung "Berlin direkt" ausgestrahlt wurde, ging es zunächst um die Sprache des Politikers vom rechtsnationalen Flügel und um NS-Begriffe. Nach laut ZDF etwa zehn Minuten intervenierte Höckes Pressesprecher und sagte: "Ich würde sagen, das sollten wir einfach wiederholen. Das geht so nicht. Das geht so nicht. Sie haben jetzt Herrn Höcke mit Fragen konfrontiert, die ihn stark emotionalisiert haben. Diese Emotionen, glaube ich, sollte man so nicht im Fernsehen bringen."

Björn Höcke bricht Interview mit dem ZDF ab

Eine Wiederholung lehnte der ZDF-Redakteur ab. "Ich habe noch nie ein Interview fürs Fernsehen wiederholt, weil irgendwann es hieß, es läuft nicht entsprechend, wie wir uns das vorstellen", sagt er. Wenig später antwortet Höcke: "Passen Sie auf, dann haben wir ein manifestes Problem. Ich kann Ihnen sagen, dass das massive Konsequenzen hat." Höcke war nach eigenen Aussagen davon ausgegangen, dass es in erster Linie um den Landtagswahlkampf gehen würde. Das ZDF betont, dass es laut Absprache nicht um Thüringen, sondern die bundespolitische Bedeutung Höckes gehen sollte.

Eklat bei "Berlin direkt": Höcke droht ZDF-Redakteur mit "massiven Konsequenzen"

Einige Minuten später sagte Höcke: "Wir beenden das Interview.(...) Dann ist klar, dass es mit mir kein Interview mehr für Sie geben wird." Auf die Frage, ob das eine Drohung sei, sagte Höcke: "Nein, das ist nur 'ne Aussage, weil auch ich nur ein Mensch bin." Auf die weitere Frage: "Was könnte kommen", antwortete Höcke: "Vielleicht werde ich mal 'ne interessante persönliche, politische Person in diesem Land. Könnte doch sein."

Das Interview wurde am vergangenen Mittwoch in Erfurt geführt. Das ZDF hat das komplette Interview und den Wortlaut online gestellt.

ZDF-Redakteur bekommt Unterstützung vom Journalistenverband

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Frank Überall, erklärte am Abend, es sei völlig richtig gewesen, dass sich der ZDF-Kollege nicht darauf eingelassen habe, das Interview in Höckes Sinne "weichzuspülen". "Björn Höcke hat ein weiteres dunkles Kapitel des gestörten Umgangs der AfD mit der Pressefreiheit im allgemeinen und kritischen Journalistinnen und Journalisten im besonderen aufgeschlagen", kritisierte Überall.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey verteidigt Höcke-Interview

ZDF-Chefredakteur Peter Frey hat das vorzeitig beendete Interview mit dem AfD-Politiker Björn Höcke verteidigt. "Wir wollten keinen Eklat. Wir wollten einen Beitrag, der sich mit der Sprache der AfD, der Sprache von Björn Höcke auseinandersetzt", sagte Frey am Montag im ZDF-"Mittagsmagazin". "Wir wollten einen Beitrag zur Aufklärung leisten, keine Skandalisierung."

Denn Frey hält die Veröffentlichung des vorzeitig beendeten Interviews für richtig: "Wir haben uns darüber wirklich intensiv Gedanken gemacht. Wie soll man damit umgehen?", sagte er. "Und ich glaube, die transparenteste Lösung, auch für unsere Zuschauer, ist einfach gewesen, dass wir die 12 Minuten, 14 Minuten nehmen, sie ungeschnitten, so wie die Szene eben abgelaufen ist in Erfurt am letzten Mittwoch, in die Mediathek stellen, so dass jeder sehen kann, was passiert ist."

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sba/fka/news.de/dpa
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